Wahlanalyse für Münster
CDU und FDP legen bei Zweitstimmen in allen Wahlbezirken zu

Münster -

In Münster ist es seit Jahren eine politische Binsenweisheit: Die CDU punktet in den Außenstadtteilen, SPD und Grüne konzentrieren sich eher auf die citynahen Quartiere. Im Grundsatz spiegelt auch die Landtagswahl am vergangene Sonntag (bezogen auf die Zweitstimmen) diese Splittung wider.

Montag, 15.05.2017, 19:00 Uhr aktualisiert: 16.05.2017, 07:41 Uhr
Die CDU und ihre Direktkandidaten Simone Wendland und STefan Nacke (v.r.) hatten am Sonntagabend allen Grund zur Freude: Sie holten nicht nur beide Direktmandate, die Partei legte auch in allen Wahlbezirken bei den Zweitstimmen zu.
Die CDU und ihre Direktkandidaten Simone Wendland und STefan Nacke (v.r.) hatten am Sonntagabend allen Grund zur Freude: Sie holten nicht nur beide Direktmandate, die Partei legte auch in allen Wahlbezirken bei den Zweitstimmen zu. Foto: Oliver Werner

Gleichwohl gab es Trends, die im kompletten Stadtgebiet durchschlugen: In allen 33 Kommunalwahlbezirken legte die CDU gegenüber der Landtagswahl 2012 zu, in Mecklenbeck sogar um 8,1 Prozentpunkte. In vier Wahlbezirken schaffte es die CDU auf Werte oberhalb von 40 Prozent: Gelmer/Dyckburg, Handorf, Amelsbüren und Nienberge.

Im Gegenzug verlor die SPD in sämtlichen Wahlbezirken, in Berg Fidel und Hiltrup-Ost sogar um acht Prozentpunkte, wobei letzterer Stadtteil aber noch immer zu den SPD-Hochburgen zählt. Nur in fünf von 33 Bezirken schaffte es die SPD, oberhalb von 30 Prozent zu landen: Rumphorst, Kinderhaus-West, Coerde, Mauritz-Ost und Hiltrup-Ost.

Das Phänomen der stadtweiten Verschiebungen von Wählerstimmen wiederholte sich bei FDP und Grünen. Die Liberalen legten ausnahmslos zu, erreichten dabei als Rekord sogar 5,8 Prozentpunkte mehr im rot-grün-geprägten Wahlbezirk Schützenhof/Hafen.

Die Grünen im Gegenzug stürzten flächendeckend ab, im besagten Bezirk Schützenhof/Hafen sogar um sensationelle 13,3 Prozentpunkte. Gleich reihenweise übersprangen die Grünen 2012 im Stadtbezirk Mitte die 20-Prozent-Hürde und festigten damit in der Studentenstadt Münster ihren Charakter als „dritte Volkspartei“.

Diesem Anspruch wurden die Grünen am Sonntag nicht einmal in Ansätzen gerecht. In keinem Wahlbezirk reichte es für 20 Prozent, der Spitzenwert lag bei 18,4 Prozent (Pluggendorf/Bahnhof).

Im Gegenzug machte die FDP eine seit Jahren für sie ungewohnte Erfahrung. Sieht man vom Wahlbezirk Herz-Jesu (9,5 Prozent) ab, so schafften die Liberalen flächendeckend den Sprung in die Zweistelligkeit und lagen am Ende vor den Grünen.

Anders ist die Situation bei den Linken. In 30 von 33 Wahlbezirken blieben sie einstellig, legten aber auf breiter Front zu. Da die Partei zum zweiten Mal in Folge in Düsseldorf an der Fünf-Prozent-Hürde gescheitert ist, bleibt dem münsterischen Kreisverband nur der Trost, dass ihr Ergebnis über dem Landesdurchschnitt liegt.

Zu den Gewinnern der Landtagswahl gehört die AfD, auch wenn deren Gesamtergebnis in Münster mit 3,7 Prozent deutlich hinter dem Landesergebnis von 7,4 Prozent zurückblieb. In vier der 33 Kommunalwahlbezirke übersprangen die Rechtspopulisten die Fünf-Prozent-Hürde, ihre besten Ergebnisse fuhren sie in Coerde (7,1 Prozent) und in Berg Fidel (6,4 Prozent) ein.

Völlig in die Bedeutungslosigkeit verschwunden sind derweil die Piraten, die bei der Landtagswahl 2012 für Furore sorgten, auch in Münster.

Im gesamten Stadtgebiet reichten ihre Ergebnisse an keiner Stelle an die Zwei-Prozent-Marke heran. Besonders in der City waren die Verluste teilweise dramatisch.

Viel wurde in den vergangenen Jahren über sogenannte Lagerwahlkämpfe diskutiert. Sprich: Das bürgerliche Lager aus CDU und FDP streitet mit dem linken Lager aus SPD und Grünen.

Gemessen daran haben sich die politischen Gewichte in Münster deutlich verschoben.

Das bürgerliche Lager legte um insgesamt 9,3 Prozentpunkte (CDU plus 5,5, FDP plus 3,8 Prozentpunkte) zu, das rot-grüne Lager brach um 12,4 Prozentpunkte ein (SPD minus 5,4, Grüne minus 7,0 Prozentpunkte). Münster bewegt sich in dieser Hinsicht voll im Landestrend.

Interessant ist es auch einmal, sich die Landtagswahl in absoluten Zahlen anzuschauen. Von den 231 754 wahlberechtigten Münsteranern gingen 167 283 zur Wahl, 166 259 wiederum gaben eine gültige Stimme ab. 52 643 davon landeten bei der CDU, 46 364 bei der SPD, 22 487 bei der FDP, 20 721 bei den Grünen, 11 436 bei den Linken und 6148 bei der AfD.

Interessant ist es jetzt, diese Zahlen mit anderen Wahlen zu vergleichen: Bei der Kommunalwahl 2014 holte die CDU 50 642 Stimmen, was dem Ergebnis 2017 schon sehr nahe kommt. Gravierend ist der Unterschied bei der FDP, die 2014 in Münster „nur“ 8422 Stimmen für sich verbuchte. Die Zahl in 2017 hat sich mehr als verdoppelt.

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