Mi., 17.05.2017

Hackerattacke auf Bahn-Anzeigetafeln Hier steckte der Wurm drin

Keine Anzeige –  die Bahn hat den Computer-Virus.

Keine Anzeige –  die Bahn hat den Computer-Virus. Foto: bn

Münster - 

(Aktualisiert) Die Bahncomputer in Münster sind – so wie über 200.000 Systeme weltweit – Opfer einer Hackerattacke geworden. Auswirkungen hatte das auch auf die Anzeigetafeln.

Von Günter Benning

„Bitte Lautsprecherdurchsagen beachten“. Seit Tagen leuchteten auf den Anzeigetafeln in Münsters Bahnhof nur diese drei Worte – oder sie waren gleich ganz schwarz. „Wanna Cry“, frei übersetzt: „man möchte weinen“ – so heißt der Computerwurm, der die Infotafeln ausgeknipst hatte.

Die Bahncomputer in Münster waren – so wie über 200.000 Systeme weltweit – Opfer einer Hackerattacke geworden.

„In England und den USA waren sogar Krankenhäuser betroffen“, sagt Marcus Vortkamp, IT-Manager bei Aschendorff Medien, „das muss man sich mal vorstellen – die haben doch alle elektronische Akten.“

Ursachenanalyse noch nicht abgeschlossen

Dabei war es ein Angriff mit Ansage: Schon im März, so Vortkamp, habe Microsoft ein Update geliefert, um eine bekannte Sicherheitslücke in seinen Betriebssystemen zu schließen, durch die jetzt Wanna Cry einmarschiert ist. „Diesmal hat Microsoft sogar Patches für Windows-XP geliefert, das schon seit Jahren nicht mehr gewartet wird“, sagt Vortkamp. Eigentlich also sehr vorbildlich.

Offenbar wurden aber die Bahnsysteme, die für die Anzeigetafeln zuständig sind, nur unzureichend aktualisiert. Diese Systeme befinden sich lokal in den Bahnhöfen, weshalb sie auch nicht flächendeckend befallen wurden. Bahnsprecherin Kirsten Verbeek aus Düsseldorf: „Köln war zum Beispiel nicht betroffen.“

Münster dagegen wohl. Die Ursachenanalyse läuft seit dem Vorfall mit Hochdruck, sei aber noch nicht abgeschlossen, erklärte am Dienstag ein Bahnsprecher aus der Zentrale in Berlin, „Fakt ist, dass zu jedem Zeitpunkt die Sicherheit des Bahnbetriebs gewährleistet war“.

Steigende Zahl von Cyber-Angriffen 

Das Thema Datensicherheit betrifft in Münster viele Unternehmen. Über 20 000 Mitarbeiter sind hier in der IT-Branche beschäftigt.

„Durch die Weiterentwicklung der Technologien, etwa durch das aktuell stark wachsende Internet of Things, ergeben sich automatisch auch neue Angriffsvektoren“, sagt Beate Fenneker, Pressesprecherin der Fiducia & GAD, „daher sind zunehmende Cyber-Angriffe in der Zukunft sehr wahrscheinlich.“

Der Dienstleister für die Volksbanken sei regelmäßig Ziel von Angriffen, so Fenneker. „Sie reichen von Netzwerkscans bis hin zu Trojanern, die auf die Systeme des Bankkunden eingespielt werden.“ Die Schutzmaßnahmen seien „technisch und organisatorisch“. Wichtige Netzbereiche seien abgeschottet und nicht mit dem Internet verbunden.

Experten raten grundsätzlich Computernutzern, Windows-Aktualisierungen vorzunehmen und Antivirenprogramme stets auf dem neuesten Stand zu halten.

  



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