Rat stimmt über Schließung ab
Zwei Wasserwerke vor dem Aus

Münster -

Der Rat der Stadt Münster entscheidet am heutigen Mittwochabend, ob zwei der vier münsterischen Wasserwerke geschlossen werden sollen. Die zwei verbleibenden Werke sollen aufwendig modernisiert werden.

Mittwoch, 17.05.2017, 11:40 Uhr
Das Wasserwerk Hohe Ward soll modernisiert werden.
Das Wasserwerk Hohe Ward soll modernisiert werden. Foto: Stadtwerke

Zwei der vier Wasserwerke stehen vor dem Aus. Der Rat wird am Mittwochabend aller Voraussicht nach das Ende der Anlagen Geist und Kinderhaus besiegeln. Im Gegenzug sollen die verbleibenden Wasserwerke Hornheide und Hohe Ward für rund 24 Millionen Euro erneuert und ausgebaut werden.

Für steigende Trinkwassernachfrage gerüstet

Das Wasserwerk Geist war 1888 eröffnet worden, das Wasserwerk Kinderhaus ging 1953 ans Netz. Nach Angaben der Stadtwerke produzieren sie deutlich weniger Trinkwasser als die Anlagen Hohe Ward und Hornheide – zusammen rund 1,5 Millionen Kubikmeter pro Jahr gegenüber 5,1 Millionen Kubikmetern in der Hohen Ward und 5,5 Millionen Kubikmetern in Hornheide (Stand 2015). Damit werden aktuell 75 Prozent des münsterischen Trinkwasserbedarfs in heimischen Werken produziert, die restlichen 25 Prozent liefert die Gelsenwasser AG über das Wasserwerk Haltern.

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Für die Stadtwerke ist die Schließung von zwei der vier Wasserwerke die „ökonomisch sinnvollste Variante“. Nach einer umfassenden Sanierung seien die verbleibenden Anlagen gut für die in den kommenden Jahren steigende Trinkwassernachfrage in Münster gerüstet. Auf der Basis des prognostizierten Bevölkerungsanstiegs von 310.000 auf 337.500 werde der Trinkwasserverbrauch von derzeit 17 auf 19,9 Millionen Kubikmeter pro Jahr zunehmen, so die Berechnungen der Stadtwerke.

Den Löwenanteil des Mehrbedarfs soll künftig das Wasserwerk Hornheide liefern, dessen Kapazitäten von 5,5 auf 9,6 Millionen Kubikmeter Trinkwasser jährlich ausgeweitet werden sollen.

Steigt der Grundwasserspiegel nach Schließung?

Etliche Anlieger der Werke in Geist und Kinderhaus befürchten allerdings, dass nach der Schließung der Grundwasserspiegel steigen und für Schäden an Häusern sorgen könnte. Ein Experten-Gutachten kommt zu dem Schluss, dass im Bereich Geist der Grundwasserspiegel tatsächlich weitflächig um zwei bis drei Meter ansteigen könnte.

Die Stadtwerke planen daher, nach der Schließung Wasser abzupumpen und dies in den Kleibach oder in den Dortmund-Ems-Kanal zu leiten – diese Maßnahme werde sich allerdings negativ auf den Trinkwasserpreis auswirken, heißt es. In Kinderhaus werde das Grundwasser nur „unwesentlich“ steigen.

Auf einer SPD-Veranstaltung hatten unlängst Bürger kritisiert, dass das Abpumpen im Bereich Geist „‚so lange wie notwendig“ erfolgen solle. Das reiche nicht aus, so Ratsfrau Maria Winkel. Die SPD will daher im Rat beantragen, dass die Stadt garantiert, „auf Dauer und unbefristet“ Maßnahmen zu treffen, um Schäden für die Anwohner abzuwenden.

Laut Stadtwerke hat die Aufgabe des Wasserwerks Geist den Nebeneffekt, dass auf den nicht länger benötigten Betriebsflächen Wohnungen entstehen könnten. In Kinderhaus kämen bauliche Nutzungen eher nicht in Betracht. Das Unternehmen beziffert den Wert der Grundstücke, die nach den Wasserwerk-Schließungen veräußert werden könnten, auf rund 15 Millionen Euro.

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