Chinesin Sa Chen brilliert beim Klavierfestival Ruhr in Münster
Mit Liszt in den Rausch gespielt

Münster -

Das Klavier-Festival Ruhr wurde seinem Ruf gerecht. Mit Sa Chen zeigte am Dienstag eine fabelhafte Pianistin in Münster ihr Können; 1979 in China geboren, kann Chen sich mit den berühmtesten Namen aus Fernost messen. Mit sehr unterschiedlichen Werken aus Klassik, Romantik und Moderne konnte sie überzeugen, wobei die legendäre h-Moll Sonate von Liszt den absoluten Höhepunkt markierte. Grandios.

Mittwoch, 17.05.2017, 14:30 Uhr
Rauschender Applaus und Blumen: Die Pianistin Sa Chen bedankt sich beim Publikum im Landesmuseum.
Rauschender Applaus und Blumen: Die Pianistin Sa Chen bedankt sich beim Publikum im Landesmuseum. Foto: Arndt Zinkant

Das Publikum füllte das Museumsfoyer fast ganz aus und spendete rauschenden Beifall. Wie schon bei der Münster-Premiere des Festivals im Vorjahr schlug jedoch LWL-Akustik negativ zu Buche. So exzellent der Steinway auf dem Podium auch klang – in dem hohen, langgezogenen Saal entfaltet er eine hallig kühle Wirkung. Je weiter man hier vorne sitzt, umso besser. Und je näher man an diesem Abend der zierlichen, mit Understatement auftretenden Sa Chen kam, umso erstaunlicher wirkten ihr Klangsinn, ihre Anschlagskultur und ihre technische Brillanz.

Erst die Pflicht, dann die Kür. Gemäß dem Festival-Schwerpunkt „The Americas“ begab sich Chen über den Großen Teich. Der US-Amerikaner John Adams, ein Vertreter der „Minimal Music“, lässt in „China Gates“ die typischen Tonrepetitionen ihre hypnotische Wirkung tun. Regentropfen, die aufs Elfenbein prasseln. Wem das zu eintönig klang, wurde mit den vitalen, folkloristischen „Tres Danzas Argentinas“ von Alberto Ginastera versöhnt. Mit einem jazzig anmutenden, vitalen Finale war auch Lateinamerika Reverenz erwiesen.

Dazwischen Beethoven, H-Dur-Fantasie und Mondscheinsonate. Bei letzterer begeisterte Chens ruhevolle Ausformung des Adagios. Kein Zweifel, Mut zur sehnsüchtigen Romantik hat sie, nur das Brio des Titanen hätte noch etwas wilder auftrumpfen dürfen.

Ihr Pedaleinsatz kam sehr süffig daher, und davon profitierte Liszt – und wie! Hatte Alice Sara Ott noch vor einer Woche im H1 höchste Klarheit angestrebt, so wühlte Sa Chen geradezu in dämonischer Sinnlichkeit, zeigte Gespür für dramatische Bögen und legte die berühmte Sonate als vibrierendes Drama an. Rauschhaftes Klavierspiel, wie man es selbst in Münster selten hört.

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