Zustand des Taxi-Gewerbes
„Ich frage mich, wovon die Unternehmer leben“

Münster -

Die Zahl der Taxis ist zu hoch, für die Unternehmer bleibt daher zu wenig übrig. Zu diesem Schluss kommt ein Gutachten, das jetzt im Personalausschuss vorgestellt wurde.

Donnerstag, 18.05.2017, 08:00 Uhr
Ein Gutachter hat das münsterische Taxi-Gewerbe unter die Lupe genommen.
Ein Gutachter hat das münsterische Taxi-Gewerbe unter die Lupe genommen.

Es ist ein düsteres Bild, das der Rostocker Unternehmensberater Dr. Burkhard Saß vom Zustand des münsterischen Taxi-Gewerbes zeichnet.

„Ich frage mich, wovon die münsterischen Taxiunternehmer leben“, sagt Saß, der im Auftrag der Verwaltung ein Gutachten über die Funktionsfähigkeit des Taxi- und Mietwagengewerbes indieser Stadt erstellt hat. Die Ergebnisse stellte er nun im Personalausschuss vor.

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Taxidichte in Münster zu hoch

Obwohl Münster eine wohlhabende Stadt mit hoher Kaufkraft sei und in den nächsten Jahren stark wachsen werde, seien die Perspektiven für Taxi-Unternehmer alles andere als rosig. Die Taxidichte sei einfach zu hoch, entsprechend wenig bleibe für jeden einzelnen Unternehmer übrig. So liege der Jahresgewinn pro Auto bei 18 000 Euro, der Jahresbetrieb pro Unternehmen bei 22 000 Euro. Der Stundenlohn liege damit weit unter dem gesetzlich vorgeschriebenen Mindestlohn, hat Saß ausgerechnet.

Immer wieder erstelle er Gutachten über den Zustand der Taxibranche in deutschen Städten. „Es gibt keine, in der alles gut ist“, sagt Saß. Aber in Münster gebe es durchaus Entwicklungen, die hinter anderen Städten zurückblieben. So sei hier der technische Zustand der Fahrzeuge schlechter.

Erst mehr als 16 Kilometer lohnen

Erst ab Fahrtstrecken, die länger als 16 Kilometer sind, fällt für die Unternehmen etwas ab, hat Saß ausgerechnet. Mit der Tariferhöhung, die er vorschlägt, würden sich Fahrten bereits ab elf Kilometer lohnen. Eine solche Erhöhung sei „zwingend notwendig“, appelliert Saß an die Politiker. „Im Taxi-Gewerbe greifen die Mechanismen des Marktes nicht, Sie sind in der Verantwortung.“

Saß schlägt zudem vor, die Zahl der Konzessionen auf 233 zu verringern, ein Schritt, dessen Umsetzung erfahrungsgemäß Jahre dauern werde. Im Juli wird sich der Rat abschließend mit dem Thema befassen.

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