Mordprozess gegen afghanischen Ehemann fortgesetzt
„Es war alles voller Blut“

Münster -

Vor dem Landgericht ist der Prozess gegen einen 56-jährigen Mann aus Afghanistan fortgesetzt worden, der seine von ihm getrennt lebende Ehefrau ermordet haben soll. Neben Polizisten sagten auch Nachbarn aus.

Freitag, 19.05.2017, 06:45 Uhr aktualisiert: 19.05.2017, 06:51 Uhr
 
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„Es war alles voller Blut“, erinnert sich eine Zeugin, die jetzt bei der Fortsetzung des Mordprozesses gegen einen 56-jährigen Mann aus Afghanistan vor dem Landgericht aussagte. Diesem wirft die Staatsanwaltschaft vor, im Oktober 2016 seine von ihm getrennt lebende Ehefrau mit mehreren Stichen in Bauch, Brust und Kopf heimtückisch und aus niedrigen Beweggründen getötet zu haben, weil sie es wiederholt abgelehnt habe, einen Scheidungsantrag zurückzunehmen, ihr soziales Engagement aufzugeben und ihm nach Afghanistan zu folgen.

Die Zeugin war eine Nachbarin des Opfers, die nach der Tat einen Blick in dessen Wohnzimmer werfen konnte. Der Mann soll seine Frau in ihrer Wohnung in Gievenbeck erstochen und unmittelbar nach der Tat an mehreren Wohnungstüren geklingelt haben. „Ich habe meine Frau gestochen, rufen Sie die Polizei“, soll er dabei nach den Aussagen zweier Zeuginnen in gebrochenem Deutsch gesagt haben, als er in blutdurchtränkter Kleidung vor der Wohnungstür stand. Den Mann beschrieben die Zeuginnen als relativ gefasst und geistesgegenwärtig.

"Nach zwei Atemzügen bekam ich keine Luft mehr"

Aus den Zeugenaussagen am jüngsten Verhandlungstag ging auch hervor, dass in der Wohnung des Opfers offenbar ein aggressives Pfefferspray versprüht worden war, das sich von der Wohnung des Opfers aus über den ganzen Stock ausgebreitet hatte. Auch Polizei und Rettungsdienst waren hierdurch aufgehalten worden: „Nach zwei Atemzügen bekam ich keine Luft mehr“, erinnerte sich eine Polizistin vor Gericht. Der Geruch des Sprays hatte viele Zeugen an Nutzgas erinnert, weshalb das herangeeilte Notarzt-Team darauf bestanden hatte, die Feuerwehr zu rufen.

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Zudem hatten die Ermittler neben der Tatwaffe zwei Gummihandschuhe sichergestellt. Einen hatte der Täter zum Zeitpunkt der Festnahme bei sich. Den zweiten hatten Polizisten in der Wohnung der Tochter des Opfers gefunden, die im selben Haus wohnte. Bei der Ankunft der Polizei stand sie offen. Die Beamten fanden den Handschuh zusammen mit einem Schlüssel im Eingangsbereich.

Der Tod sei nicht geplant gewesen

Der Angeklagte wollte sich vor Gericht bisher zwar nicht selbst äußern, habe aber beim vorherigen Verhandlungstermin von seinem Verteidiger eine Erklärung verlesen lassen, berichtet der Pressesprecher des Landgerichts, Dr. Daniel Stenner. Darin habe er eingeräumt, dass seine Frau durch ihn zu Tode gekommen sei. „Er hat sich allerdings an Details nicht erinnern wollen oder können“, so Stenner. Der Angeklagte habe in der Erklärung weiter angegeben, dass der Tod der Frau nicht geplant gewesen sei. Vielmehr sei er durch Beleidigungen von ihr dazu gebracht worden.

Der Prozess wird am heutigen Freitag fortgesetzt.

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