Berthold Sochas „Skulptur-Projekte“
Scharfer Blick und schnelle Leica

Münster -

Was macht einen guten Jäger aus? Gute Augen, Schnelligkeit und viel Erfahrung. Berthold Socha ist ein Jäger. Mit scharfem Blick und schneller Leica befindet sich der Münsteraner seit 40 Jahren auf der Pirsch.

Samstag, 20.05.2017, 08:58 Uhr aktualisiert: 20.05.2017, 09:00 Uhr
Berthold Socha zeigt 40 Jahre „Skulptur-Projekte“ in faszinierenden Fotografien.
Berthold Socha zeigt 40 Jahre „Skulptur-Projekte“ in faszinierenden Fotografien. Foto: Gerhard H. Kock

Was macht einen guten Jäger aus? Gute Augen, Schnelligkeit und viel Erfahrung. Berthold Socha ist ein Jäger. Mit scharfem Blick und schneller Leica befindet sich der Münsteraner seit 40 Jahren auf der Pirsch. Alle zehn Jahre ist sein bevorzugtes „Wild“: die Skulptur-Projekte. Wie kein zweiter Fotograf hat der Mann mit dem mittlerweile grauen Zappa-Bart die Ausstellungen der Skulptur-Projekt von Anfang an begleitet. Das Stadtmuseum zeigt rund 80 Aufnahmen der vergangenen vier Skulpturenausstellungen.

Berthold Sochas „Skulptur-Projekte“-Fotografien

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  • Foto: Gerhard H. Kock
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  • Foto: Berthold Socha
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Die Ausstellung will keine Dokumentation sein. Wozu auch? Socha ist Künstler, kein Chronist. Dementsprechen lassen sich zwei Leitfäden in den fotografischen Arbeiten erkennen: das Grafische und die sogenannte Straßenfotografie des französischen Lichtbildner Henri Cartier-Bresson. Sochas Fotografien scheinen gelegentlich Schnappschüsse zu sein, sind aber viel mehr, weil hier aus einer durch Reflexion, Wissen und Erfahrung gebildete Haltung heraus der Moment begriffen und ergriffen wird. Socha trägt seine Leica wie im Wilden Westen stets gleichsam im Halfter unterm Arm.

Und so fängt er jenen älteren Herrn (gekleidet in Seniorenweiß, mit einer Hand noch an seinem Fahrrad) ein, der 1997 skeptisch gegen den „Käfig der Freiheit“ von Chillida klopft. Oder er hält die Kamera drauf, als sich 2007 bei der verregneten Eröffnung Besucher unter einen Baum flüchten.

Das Grafische hat Socha unverkennbar im Blut und im Blick, so wie der junge Mann mit den wuseligen Dreadlocks auf das wuseligen Knäuel aus Stadtvermarktungskitschfiguren von Andreas Siekmann vorm Erbdrostenhof blickt. Sehr schön seine Fotos zum Serra-„Trunk“ vorm Erbdrostenhof. In den gebogenen Stahlplatten steht geborgen ein Kinderwagen, und Serras Idee wird deutlich, wenn Socha den „Trunk“ im Zusammenspiel von Mittelrisalit und Metalltoren ablichtet.

Sochas Eltern hatten bereits vor dem Krieg eine Dunkelkammer. Seine Mutter hat von der Leica geschwärmt. Als Jugendlicher besuchte er die zweite Documenta in Kassel. Der Weg in die Kunst und die Fotografie waren gleichsam vorgezeichnet.

Zum Thema

Oberbürgermeister Markus Lewe eröffnet die Ausstellung am Sonntag (21. Mai) um 16 Uhr im Stadtmuseum, Salzstraße. Es ist ein reichhaltiger Katalog erschienen.

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