Internet-Abzocke und Inkassogebühren
Münsters Verbraucherschützer ziehen Bilanz

Münster -

Wenn es darum geht, an das Geld der Verbraucher zu kommen, sind manche Unternehmen erfinderisch. Beliebt sind etwa teure Klingeltöne, deren Bestellung niemand bemerkt. Oder Inkassogebühren, die jeder Beschreibung spotten. Die Verbraucherzentrale kümmert sich um solche Fälle.

Samstag, 20.05.2017, 11:00 Uhr
Mit Verbraucherthemen wie Energiekosten, Internet-Abzocke und Zahlungsunfähigkeit kennen sich (v.l.) Energieberater Thomas Weber, Leiterin Mechthild Schneider und Schuldnerberaterin Simone Weinke bestens aus.
Mit Verbraucherthemen wie Energiekosten, Internet-Abzocke und Zahlungsunfähigkeit kennen sich (v.l.) Energieberater Thomas Weber, Leiterin Mechthild Schneider und Schuldnerberaterin Simone Weinke bestens aus. Foto: spe

Für Simone Weinke war es ein bemerkenswerter Erfolg: Eine Kundin legte ihr jüngst das Schreiben eines einschlägig bekannten Inkassobüros vor, das für das Eintreiben einer offenen Rechnung von wenigen Euro eine Gebühr von 27 Euro verlangte.

Und was soll daran erfolgreich sein? Es sind 27 Euro – nicht 54 Euro, wie es möglich wäre, und nicht 70 Euro oder mehr, wie es üblich ist. Zwar sind 27 Euro immer noch eine saftige Gebühr für einen viel geringeren Schuldenbetrag. Aber Inkassounternehmen dürfen sich an die Gebührentabelle von Rechtsanwälten halten und den geringsten Streitwert mit 500 Euro veranschlagen.

"Strafanzeige! Haftbefehl! Pfändung!"

Seit Langem schon kämpft Schuldnerberaterin Simone Weinke von der Verbraucherzentrale darum, dass Inkassounternehmen nicht über die Stränge schlagen. Und das heißt: keine Fantasiegebühren berechnen, säumige Schuldner nicht unter Druck setzen („Strafanzeige! Haftbefehl! Pfändung!“) und auch sonst nicht unverhältnismäßig teuer sind. Ein probates Mittel: Die Verbraucherzentrale informiert gezielt große Unternehmen über das unseriöse Auftreten ihrer Inkassos. Eine Rechnung über 27 Euro heißt demnach: Der Hinweis ist angekommen.

Internet-Abzocke im Fokus

Auch sonst hatten die Verbraucherschützer im vergangenen Jahr viel zu tun. Ein Riesenthema ist nach wie vor die Internet-Abzocke, wie Mechthild Schneider, die Leiterin der Beratungsstelle, berichtet. Klingeltöne, Spiele, Horoskope oder Wettervorhersagen, auf dem Smartphone oft versehentlich angeklickt, können enorme Kosten verursachen – was die Kunden aber kaum bemerken, weil alles über die Telefonrechnung abgebucht wird. Mechthild Schneider empfiehlt deshalb, „Drittanbietersperren“ mit den Telefonunternehmen zu vereinbaren. In 174 Fällen waren die Verbraucherschützer 2016 an einer Entschuldung beteiligt. Es ging dabei um insgesamt 2,3 Millionen Euro.

Energie sparen und Kosten senken

Die Energieberatung kümmerte sich in 1800 Fällen um Themen wie „erneuerbare Energien“, neue Speichertechnik und feuchte Räume. Das Ziel ist vor allem, Energie zu sparen und Kosten zu senken. Die Berater helfen dabei, indem sie sich etwa vor Ort umschauen oder die Rechnung analysieren. In Münster, so betont Energieberater Thomas Weber, seien die Verbraucher in Sachen Solarzellen, Speicher und Elektromobilität erstaunlich weit fortgeschritten.

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