Müllverbrennung
Niederländer ärgern das Ruhrgebiet

Münster -

In den Niederlanden wird Münsters Müll günstig verbrannt. Die Oberhausener ärgert das.

Mittwoch, 24.05.2017, 15:28 Uhr aktualisiert: 24.05.2017, 16:27 Uhr
In der Müllverbrennungsanlage Oberhausen, hier ein Archivfoto, ist man verärgert darüber, dass Müll aus Münster in den Niederlanden verbrannt wird.
In der Müllverbrennungsanlage Oberhausen, hier ein Archivfoto, ist man verärgert darüber, dass Müll aus Münster in den Niederlanden verbrannt wird. Foto: dpa

In Münster ist das Thema durch, im Ruhrgebiet offenbar aber nicht. Die Rede ist von den 40 000 bis 50 000 Tonnen Restmüll aus Münster, die seit Jahresbeginn nicht mehr in Oberhausen verbrannt werden, sondern in Hengelo (Niederlande). Während man sich im münsterischen Rathaus vorzugsweise darüber freut, dass die Niederländer den günstigeren Preis angeboten haben, heißt es im Ruhrgebiet: „Münsters Müll mischt die Entsorgungsbranche auf“, so jedenfalls der Titel eines Medienberichts.

Verärgerung über deutsch-niederländischen Bieterwettbewerb

Darin bezeichnet der Geschäftsführer der Müllverbrennungsanlage in Oberhausen, Ingo Schellenberger, den absehbaren, deutsch-niederländischen Bieterwettbewerb bei der Müllverbrennung als „ärgerlich“. Auf Anfrage unserer Zeitung wollten sich die Verantwortlichen nicht näher zu dem Vorgang äußern.

Derweil beschäftigt sich das in Gernsbach ansässige Wirtschaftsmagazin Euwid näher mit dem niederländischen Unternehmen Twence, das jetzt Münsters Müll verbrennt.

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Entgegen den Äußerungen des scheidenden NRW-Umweltministers Johannes Remmel, wonach Münsters Vorgehen keine Nachahmer finden werde, weist das Magazin auf die Expansionspläne der Niederländer hin. Um neben Münster noch weitere NRW-Kommunen dazu zu bewegen, ihren Müll in den Niederlanden verbrennen zu lassen, werde man zum 1. Januar 2018 die Verbrennungspreise senken.

"Müllkrieg" zwischen NRW und Niederlande

Bei den Betreibern von Müllverbrennungsanlagen in Nordrhein-Westfalen wird dies als Kampfansage verstanden. Große Anlagen wie in Oberhausen, Essen und Iserlohn kämpfen um Marktanteile. Beiderseits der Grenze kämpft man nämlich mit Überkapazitäten. Das Problem könnte sich noch dramatisch verschärfen, sollte Großbritannien im Zuge seines EU-Austritts das Privileg verlieren, Müll auf dem Festland verbrennen zu dürfen.

Eine Zahl in diesem Zusammenhang: Laut Branchendienst Euwid hat Twence im Jahr 2016 über 220 000 Tonnen Müll aus Großbritannien verbrannt.

Ein politisches Thema

Eigentlich könnten die Münsteraner dem Müllkrieg zwischen NRW und den Niederlanden entspannt zuschauen, denn Umweltminister Remmel hat dem münsterischen Müllexporten ins Ausland attestiert, mit den Vorgaben des Landes vereinbar zu sein. Aber Remmel ist nicht mehr lange Umweltminister. Der FDP-Landtagsabgeordnete Hennig Höne geht davon aus, dass bei den schwarz-gelben Koalitionsverhandlungen die Müllverbrennung auf den Tisch komme.

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