Interview mit der Projektleiterin der Skulptur-Projekte: Imke Itzen
„Das kriegen wir hin!“

Münster -

Noch zehn Tage, dann werden die Skulptur-Projekte 2017 eröffnet. Seit über zwei Jahren laufen die Vorbereitungen; an vielen Stellen der Stadt haben vor Kurzem die Bauarbeiten begonnen, jetzt müsste der Tag im Ausstellungsteam mehr als 24 Stunden haben.

Dienstag, 30.05.2017, 23:02 Uhr aktualisiert: 30.05.2017, 23:10 Uhr
Kopfüber ins Vergnügen: Für Projektleiterin Imke Itzen hat die kritische Bauphase der Skulptur-Projekte begonnen.
Kopfüber ins Vergnügen: Für Projektleiterin Imke Itzen hat die kritische Bauphase der Skulptur-Projekte begonnen. Foto: G. H. Kock

Noch zehn Tage, dann werden die Skulptur-Projekte 2017 eröffnet. Seit über zwei Jahren laufen die Vorbereitungen; an vielen Stellen der Stadt haben vor Kurzem die Bauarbeiten begonnen, jetzt müsste der Tag im Ausstellungsteam mehr als 24 Stunden haben. Im Mittelpunkt der fast drei Dutzend Baustellen steht Imke Itzen. Die Projektleiterin der Skulptur-Projekte muss die Vorstellungen der Künstler in die Tat umsetzen. Gerhard H. Kock von dieser Zeitung hat Itzen zwischen zwei Terminen ein paar Fragen gestellt:

Derzeit rackern an allen Ecken und Enden Münsters die Bauarbeiter für die Skulptur-Projekte. Wie schlafen Sie zurzeit?

Itzen: (lacht) Wenn ich schlafe, schlafe ich gut. Ich bekomme zwar nicht viel Schlaf; aber ich bin noch entspannt genug, um Schlaf zu finden. Die Arbeit macht viel Spaß. Gerade jetzt.

In zehn Tagen wird die Ausstellung eröffnet. Werden alle Skulptur-Projekte rechtzeitig fertig?

Itzen: Ich bin zum Glück umgeben von einem ganz tollen Team von Mitarbeitern, deswegen sage ich jetzt mal: Ja! Bei vielleicht zwei Projekten könnte es knapp werden.

Wie viele Projekte sind es?

Itzen: Wir haben 36 Neuproduktionen und zwei Leihgaben, die im Rahmen des Skulpturen-Tausches beim „Heißen Draht“ aus Marl kommen. In den 36 münsterischen Projekten stecken vier Performances, die sowieso erst ab der Eröffnung am 10. Juni zu erleben sein werden. Die restlichen 34 sind Baustellen größerer oder kleinerer Art.

Sie waren bereits vor zehn Jahren im Skulptur-Projekte-Team dabei. Was sind heute die Unterschiede zu 2007?

Itzen: Das sind definitiv die performativen Arbeiten. 2007 gab es ja bereits ein Projekt mit dem durch die Stadt wandelnden Bettler von Dora Garcia, „Beggar’s opera“. Diesmal haben wir vier solcher Arbeiten. Da gibt es keine Baustellen, aber teilweise viel Personal, was untergebracht werden muss, von den entsprechenden Verträgen ganz zu schweigen. Das ist dann kein Standard-„Ich baue dir eine Skulptur“-Vertrag, sondern da geht es um andere Formen der Kooperation, um Versicherungsfragen und so weiter.

Beispiel?

Itzen: Nehmen wir die Performance von Alexandra Pirici im Friedenssaal. Permanent werden während der Ausstellung sechs Performer zu sehen sein, das sind zwei Teams, also zwölf Personen, geprobt haben wir mit 14 – der personelle Aufwand ist bei solchen Aktionen halt größer: die Unterbringung, Versicherungsfragen und so weiter. Hinzukommt, dass wir durch die performativen Arbeiten, aber nicht nur durch die, mehr Arbeiten in Innenräumen haben als 2007.

Stemmen Sie das aus eigenen Kräften?

Itzen: Aus den Erfahrungen von 2007 haben wir diesmal die Personalstruktur im Team dahingehend umstrukturiert, dass wir insgesamt zwei Personen in der Bauleitung haben, die uns vom Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW zur Verfügung gestellt wurden, plus ein externes Bauleitungsteam. Vier sind jeweils vor Ort, drei kümmern sich um Fragen der Bauordnung und Genehmigungen. Auch der Bereich der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit wurde aufgestockt.

Wie viel Aufsichtspersonal wird es während der Skulptur-Projekte geben?

Itzen: Wir werden circa 130 Personen als Aufsichten einstellen. Die müssen ja in Schichten arbeiten. Das Projekt „Erkmen“ läuft extra, weil wir da jeweils permanent vier Rettungsschwimmer über die gesamte Laufzeit brauchen: je einer auf jeder Seite, einer auf dem Steg und ein „Ins-Wasser-Springer“.

Gibt es Problemkinder?

Itzen: „Problemkinder“ habe ich jeden Tag drei neue – und fünf Lösungen für die zwei von gestern.

Ihr Lieblingsprojekt?

Itzen: Wir haben diesmal wirklich extrem gute Projekte dabei. Persönlich würde ich die Performance von Pirici im Friedenssaal nennen und Koki Tanaka, der einen Film mit Münsteranern produziert hat, die die Frage verhandeln: Wie lebt man zusammen? Das finde ich sehr zeitgemäß, das berührt mich. Auch die Bronze-Figuren von Nicole Eisenman sind großartig.

Was werden die Publikumsmagnete sein?

Itzen: Die Unterwasser-Brücke von Ayse Erkmen, weil sie visuell und zugleich unglaublich haptisch ist. Man kann sehen, wie Leute übers Wasser laufen, man kann es selber machen. Und attraktiv ist Wasser immer.

Wie funktioniert die Kooperation mit der Stadt?

Itzen: Die läuft gut. Man merkt, dass diese Stadtgesellschaft 40 Jahre Skulptur-Projekte hinter sich hat. Wir haben nirgendwo eine ablehnende Haltung erfahren. Im Gegenteil. Das gilt für die Bürger und die Verwaltung.

Das klingt einfach . . .

Itzen: Nun ja, man darf nicht vergessen, dass wir mit öffentlichen Geldern arbeiten. Da gibt es verständlicherweise Regularien. Die werden immer restriktiver. Das hat sicher gute Gründe. Das bedeutet allerdings umgekehrt für ein Kunstprojekt wie die Skulptur-Projekte ein Arbeiten in sehr engem Rahmen. Das ist schwierig bei Dingen, wie wir sie tun: Wir produzieren alles neu. Wir machen nichts 08/15, sondern bei uns entstehen Dinge, die es so noch nie gab. Die Ideen der Künstler bringen alle, uns und die Verwaltung, an den Rand der Möglichkeiten: Wir bauen gerade einen Steg unter Wasser ohne Geländer. Und das kriegen wir hin!

Wie viele Journalisten werden erwartet?

Itzen: Es liegen bislang 500 Akkreditierungen vor. Ein Großteil kommt aus den USA und Europa. Aber es liegen auch Anmeldungen aus Ländern wie China, Südkorea, Neuseeland, Brasilien, Indien, Kolumbien, Hongkong, Israel oder Taiwan vor.

Auf wie viele Besucher darf / muss sich Münster einstellen?

Itzen: Wir rechnen immer mit rund 600 000 Besuchern. Die Touren für die Individualbesucher sind seit April schon sehr gut gebucht. Was erstaunlicherweise besser laufen könnte, ist die Nachfrage nach öffentlichen Führungen und nach Workshops für Schulen – die sind nämlich kostenlos.

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