Etliche Kunstwerke werden gereinigt
Alte Skulpturen in neuem Glanz

Münster -

Kurz vor der Eröffnung der Skulptur-Projekte 2017 am 10. Juni laufen die Restaurierungsarbeiten an den Skulpturen der vergangenen Ausstellungen auf Hochtouren. 38 Werke sind in Münster geblieben, 21 von ihnen sind im Besitz des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL).

Donnerstag, 01.06.2017, 09:00 Uhr
Steht wieder:  Dan Grahams Pavillon.  Das LWL-Museum für Kunst und Kultur hat anlässlich der kommenden Skulptur Projekte den Pavillon von Dan Graham aus dem Jahr 1987 wieder im Schlossgarten aufgestellt.
Steht wieder:  Dan Grahams Pavillon.  Das LWL-Museum für Kunst und Kultur hat anlässlich der kommenden Skulptur Projekte den Pavillon von Dan Graham aus dem Jahr 1987 wieder im Schlossgarten aufgestellt. Foto: LWL/Hanna Neander

Die Skulpturen werden regelmäßig gesäubert und überarbeitet, bei einigen sind jetzt jedoch aufwendigere Maßnahmen nötig gewesen, die das LWL-Museum für Kunst und Kultur anlässlich der fünften Ausgabe der Skulptur-Projekte durchgeführt hat.

Dazu gehört der „Study Garden“ (Skulptur Projekte 1987) von Siah Armajani im Garten des Geomuseums der Universität. Die Sitzgruppe, die zum Studium im Freien einlädt, wurde restauriert und gereinigt. Der Garten wird von der Uni Münster neu gestaltet, berichtet der LWL.

Mehr zum Thema:

Auch das „Brunnenprojekt für Münster“ (Skulptur-Projekte 1987) des Künstlers Guiseppe Penone plätschert nun wieder auf dem ehemaligen Hörsterfriedhof. Hier musste die Wasserverteilungsanlage erneuert werden.

Überarbeitet und gesäubert

Ein weiteres Projekt, das neue Aufmerksamkeit bekommt, ist Matt Mullicans Bodenrelief (Skulptur-Projekte 1987) auf dem naturwissenschaftlichen Campus der Universität hinter dem Coesfelder Kreuz. Der Konzeptkünstler platzierte die Bodenskulptur auf der Grünfläche zwischen drei Gebäuden der Universität.

Inmitten der Zweckbauten mit Hörsälen und Laboratorien verlegte er auf einer rechteckigen Rasenfläche 35 Granitplatten, die ein Zeichenmosaik aufweisen. Da das Bodenrelief nicht mehr betreten werden darf, hat das LWL-Museum mit dem Künstler eine Wegeführung über einen Holzsteg entwickelt, der um das stark beschädigte Kunstwerk herumführt. Ab 10. Juni werden Besucher über den Parkplatz an der Corrensstraße 40 auf das Grundstück geleitet.

Wissenswertes über die Skulptur-Projekte 2017

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  • Was ist die Mission der Skulptur-Projekte?

    Die Skulptur-Projekte sind 1977 entstanden, weil die Münsteraner mit zeitgenössischer Kunst nichts anzufangen wussten. Klaus Bußmann und Kasper König luden deshalb Künstler ein, am Ort Kunst zu realisieren. Von Anfang an spielte die Vermittlung von und der lebendige Austausch über Kunst eine zentrale Rolle.

    Foto: imago/Rüdiger Wölk stock&people
  • Was gibt es zu sehen?

    35 Skulpturen sind ab dem 10.  Juni in Münster an ganz unterschiedlichen Orten in der Stadt zu sehen. Alles kostenlos und öffentlich zugänglich. Die Werke sind ganz unterschiedlich, denn der Skulpturbegriff ist weit gefasst. 

    Eine Karte der Standorte der Skulpturen finden Sie hier .

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Wie nähert man sich den Skulptur-Projekten am besten

    Die Projekte sind über das Stadtgebiet weiter verstreut. Daher ist das beste Verkehrsmittel das Fahrrad. Aber auch zu Fuß lassen sich viele Arbeiten erkunden. Wer alles sehen möchte, sollte drei Tage einplanen. Thematisch ist die beste Annäherung eine Haltung aus Neugier und Skepsis. Merke: Ärger kann der beste Weg zu neuen Erkenntnissen sein. Muss aber nicht.

    Natürlich gibt es auch zu den Skulptur-Projekten eine  App  – und die will Begleiter, Navigationsgerät und Guide in einem sein. Jedes Projekt hat seinen eigenen QR-Code, der gescannt wird. Sechs verschiedene Routen leiten zu Fuß oder per Rad durch die Stadt. 

    Führungen zu den Skulpturen und Installationen werden neben Deutsch, Englisch, Niederländisch und Französisch auch auf Arabisch, Dari/Farsi, Kurdisch und Russisch. Dazu gibt es Führungen in Gebärdensprache, in leichter deutscher Sprache sowie auf Deutsch mit multisensorischer Ausrichtung.

    Wer die Ausstellung mit dem Fahrrad erkunden will, kann eine Leeze unter info@skulptur-projekte-bybike.de buchen.

    Neben Führungen werden auch Workshops für Jung und Alt und zusätzlich in leichter Sprache angeboten.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Wie gestaltet sich das Zusammenspiel von Stadt und Künstlern?

    Die Künstler besuchen Münster in der Regel Monate vorher und schauen sich die Stadt an. Sie suchen einen Ort für ihre Ideen, oder der Ort gibt ihnen die Ideen. Zusammen mit der Leitung der Skulptur-Projekte wird dann versucht, wie die teils schrägen Vorstellungen Realität werden können.

    Foto: Oliver Werner
  • Welche Themen beschäftigen die Künstler der Skulptur-Projekte?

    Die Skulptur-Projekte finden im „westfälischen Rhythmus“, also alle zehn Jahre statt. Seit 2007 haben vor allem die sozialen Medien eine neue Wirklichkeit geschaffen, und die Welt ist noch enger zusammengerückt. Globalisierung, Vernetzung, Ausbeutung, Frieden – das sind Themen, mit denen sich die Künstler diesmal beschäftigen.

    Foto: Landesmuseum/Jan Bockholt
  • Was geschieht nach den Skulptur-Projekten mit den Kunsterken?

    Die Arbeiten werden immer nur für die gut 100 Tage der Ausstellung produziert. Danach werden sie abgebaut. Es sei denn, der Künstler lässt sie einfach stehen und die Stadt auch . . . Oder Münster will Kunstwerke behalten; dann werden sie vom Künstler gekauft. Gelegentlich muss das Objekt für eine dauerhafte Aufstellung überarbeitet werden.

    Foto: Karin Höller
  • Was passiert am Eröffnungstag?

    Die Skulptur-Projekte werden am 10. Juni um 17 Uhr im Museum für Kunst und Kultur des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe offiziell eröffnet. Anschließend geht es zur Eröffnungsparty auf das Kulturgelände Hawerkamp. Dafür stehen ab 19 Uhr Shuttlebusse vor dem Museum zur Verfügung. Die Ausstellung „Skulptur-Projekte“ ist bis zum 1. Oktober von 10 bis 22 Uhr geöffnet.

    Foto: Klaus Meyer
  • Was war der größte Aufreger der vorangegangenen Skulptur-Projekte?

    Da gab es viele: 1977 wollte eine Horde Linke die Kugeln von Claes Oldenburg in den Aasee rollen, als Protest gegen die bürgerliche Kunst. 1987 stellte Katharina Fritsch eine quietschgelbe Madonna zwischen Kirche und Kaufhaus als Verweis auf die Kommerzialisierung der Religion, das wurde als Beleidigung aufgefasst, die Figur mehrfach zerstört und drei Mal wieder aufgestellt. 1997 wieder was Kirchliches: Ayse Erkmen wollte Projekte mit dem Dom realisieren, der Klerus verweigerte sich, da ließ sie Heiligen-Figuren aus dem Museum mit einem Hubschrauber über der Kathedrale kreisen. Es gab einen Riesenaufschrei. 2007 wurde der Wohnwagen von Michael Asher gestohlen, der seit 1977 jedes Mal an damals definierten Orten aufgestellt wurde, soweit es diese noch gab.

    Foto: dpa
  • Muss ich mich mit Kunst auskennen?

    Nein. Besser ist sogar der unbefangene Blick. Der Reiz von Kunst im öffentlichen Raum ist gerade, dass der Besucher kein Museum, keine Galerie betreten muss. Kopfschütteln und sich Wundern ist ausdrücklich erwünscht. Wer ein tieferes Verständnis erwerben will, für den gibt es bei den Skulptur-Projekten umfangreiche Angebote der Kunstvermittlung.

    Foto: dpa
  • Was hat die Stadt Münster von den Skulptur-Projekten?

    Aufmerksamkeit und Impulse. Es gibt in der Geschichte Münsters im Grunde lediglich drei Ereignisse von Weltrang: die Wiedertäufer-Zeit, den Westfälischen Frieden und die Skulptur-Projekte. Es werden 700 000 Besucher aus aller Welt erwartet. Das ist eine unbezahlbare Werbung für Münster und das Münsterland. Für die Münsterländer bedeutet die Auseinandersetzung mit zeitgenössischer Kunst eine wichtige Anregung, eine Übung, um wach zu bleiben und offen zu sein für jedwede Veränderung. Kunst trainiert im besten Fall den kritischen Geist. Und Spaß darf es auch machen.

    Foto: imago/Rüdiger Wölk stock&people
  • Welchen Stellenwert haben die Skulptur-Projekte in der Kunstwelt?

    Die Skulptur-Projekte gehören wie die documenta in Kassel oder die Biennale in Venedig zu den weltweit bedeutendsten Ausstellungen. Die Ausstellung in Münster gilt zudem als die Referenz-Adresse für Kunst im öffentlichen Raum. In den vergangen 40 Jahren ist die Westfalen-Metropole zu einem einzigartigen kunsthistorischen „Museum“ geworden.

    Foto: imago/Kraft
  • Wer macht mit?

    35 internationale Künstler aus 19 Ländern, darunter bekannte Namen wie Pierre Huyghe (Foto), Gregor Schneider, Thomas Schütte und Nicole Eisenman, sind mit dabei. Aus dem indischen Mumbai kommt ist die experimentelle Filmemacherin Shaina Anand, aus Kamerun der Multimedia-Künstler Hervé Youmbi. Der Klangkünstler Emeka Ogboh stammt aus Lagos (Nigeria). Gäste, aber auch Ur-Münsterländer sind aufgefordert, ihre gewohnten Wege zu verlassen und die Kunst und damit auch die Stadt neu zu entdecken. 

    Foto: dpa
  • Gibt es begleitende Ausstellungen zu den Skulptur-Projekten?

    • Berthold Socha: Fotografien 1977 - 1987 - 1997 - 2007
      Eine Fotoausstellung mit Aufnahmen von Berthold Socha lässt im Stadtmuseum die vier vergangenen Skulptur Projekte in Münster Revue passieren. Die rund 80 Aufnahmen des münsterschen Fotografen verstehen sich nicht als kunsthistorische Dokumentation, sondern als Erkundung der Beziehungen der Skulpturen zu Zeit und Raum. Vor allem geht es Socha darum, das Verhältnis zwischen dem Kunstwerk und seinem Publikum einzufangen wie hier beim Eindruck von Jorge Pardo gebauten Aasee-Steg aus dem Jahr 1997 (Foto). Der Fotograf führt am Samstag, 3. Juni, um 16 Uhr selbst durch die Ausstellung. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich (3 / 2 Euro). Treffpunkt ist das Museumsfoyer. 
      Stadtmuseum Münster, DI bis FR 10 bis 18 Uhr, SA, SO 11 bis 18 Uhr
    • Skulptur-Projekte Archiv - Michael Asher
      Michael Ashers Caravan, der an verschiedenen Stellen der Stadt geparkt war, war skurril, populär, witzig, beliebt, begehrt. Die Ausstellung rahmt Ashers Ideen und Exponate mit Entwürfen, Fotos und Archivalien.
      LWL-Museum für Kunst und Kultur, DI bis SO 10 bis 18 Uhr, an jedem zweiten FR (außer 9. Juni) im Monat bis 22 Uhr.
    • Beuys und Oldenburg: Making-of für die Skulptur-Projekte 1977
      Stadtmuseum Münster, DI bis FR 10 bis 18 Uhr, SA, SO 11 bis 18 Uhr
    Foto: Berthold Socha
  • DAS BUCH ZUR SCHAU

    Gerhard Heinrich Kock, Kultur-Redakteur der Westfälischen Nachrichten, erzählt die Geschichten hinter den bisherigen vier Auflagen der Skulptur-Projekte. Er erinnert an Aufreger und Trittbrettfahrer, beginnende Karrieren und zugeschüttete Kirchtürme. Eine kurzweilige und kenntnisreiche Einstimmung auf das Kultur-Event des Jahres.

    Gerhard Heinrich Kock: Skulpturen-Geschichten, 152 Seiten, Aschendorff Verlag, 9,95 Euro

    Foto: Aschendorff Verlag

Das Museum hat jedoch nicht nur Skulpturen restauriert und gereinigt. Wie bereits 2007 wurde der spiegelnde, begehbare Pavillon „Oktogon für Münster“ (Skulptur Projekte 1987) von Dan Graham wieder in der südlichen Allee des Schlossgartens aufgestellt.

Der „Adler“ (Skulptur Projekte 2007) der amerikanischen Künstlerin Martha Rosler vor dem Eingang der Münster-Arkaden hat hingegen den Winter nicht überstanden und musste aus sicherheitstechnischen Gründen demontiert werden. Das LWL-Museum prüft Möglichkeiten, wie er erhalten werden kann.

Diese Skulpturen aus den vergangenen Jahren stehen noch in Münster:

Die Spielorte der diesjährigen Skulptur-Projekte

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