Faszinierendes Jugendtanzprojekt des Sinfonieorchesters
Großartiger Todestanz

Münster -

Igor Strawinskys Ballettmusik „Le Sacre du Printemps“ war bei der Uraufführung 1913 in Paris das Skandalstück schlechthin. Was heute als „Klassiker der Moderne“ bezeichnet wird, stieß damals wegen der rhythmischen Verschlingungen und klanglichen Dissonanzen auf Unverständnis.

Freitag, 02.06.2017, 17:03 Uhr
Einschwebende Tänzer: Ein Bild, das sich den Besuchern im Theater besonders einprägte.
Einschwebende Tänzer: Ein Bild, das sich den Besuchern im Theater besonders einprägte. Foto: Rüdiger Wölk

Kann dieser schwere Stoff ausgerechnet in einer Inszenierung mit Schülern zünden? Vor einigen Jahren probierten dies schon die Berliner Philharmoniker sehr erfolgreich aus. Das Ergebnis ist im Film „Rhythm is it“ dokumentiert.

Als „Tanzprojekt 2017“ wurde „Le Sacre“ am Donnerstagabend im voll besetzten Großen Haus des Theaters mit Schülerinnen und Schülern der Waldschule Kinderhaus, der Geistschule (auch mit Lehrern), der Gesamtschule Mitte sowie mit drei Studentinnen der Uni Münster aufgeführt. Fabrizio Ventura dirigierte das in bester Form musizierende Sinfonieorchester Münster.

Mit Mohan C. Thomas, der in der Berliner Fassung unter Royston Maldoom seine Erfahrungen sammelte, setzte man auf einen mit dem Stück und der Arbeit mit Schülern erfahrenen Choreografen. Tanz-Solisten waren die hinreißenden ­Tyshea Suggs und Julia Torggler von der Essener „Tanzmoto Dance Company“.

Mit Strawinskys „Der Feuervogel“ erklang in konzertanter Form bereits in der ersten Konzerthälfte ein Schlüsselwerk aus der Zeit des Übergangs der Romantik in die Moderne. Möglicherweise hätte der ein oder andere Zuhörer besser folgen können, wenn auch dieses Stück szenisch präsentiert worden wäre. Trotz mehrsprachiger thematischer Einführung und trotz größter Präzision und Ausdruckskraft des Orchesters: Immer dann, wenn kreischende Dissonanzen erklangen, wurde in Taschen gekramt und getuschelt.

Höchste Aufmerksamkeit hingegen beim „Sacre“ – trotz aller Polyrhythmik und Polytonalität. Sparsam war der Umgang mit Requisiten und Bühnenbild: Ein bisschen Stroboskop und an einigen Stellen einschwebende Tänzer langten aus, um die russische Heidensage über das Mädchen, das sich zu Tode tanzt, großartig zu inszenieren. Mit großer Konzentration und Disziplin tanzten die Schülerinnen und Schüler die kunstvollen Choreographien. Julia Torgglers Seilakrobatik zu Beginn und Tyshea Suggs ekstatisches Tanz-Solo gegen Ende gaben dem Ganzen die perfekte Note.

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