Mordprozess gegen Ehemann
Bedrohung endete in Bluttat

Münster -

Monate, bevor sie mutmaßlich von ihrem Ex-Ehemann erstochen wurde, meldete sich eine 46-Jährige bereits bei der Polizei und berichtete von Gewaltausbrüchen. Das wurde beim Prozess vor dem Landgericht bekannt.

Dienstag, 06.06.2017, 19:00 Uhr aktualisiert: 06.06.2017, 19:49 Uhr
 
  Foto: dpa/Friso Gentsch

Im Mordprozess gegen den 56-jährigen Golam A., der seine von ihm getrennt lebende Frau mit dem Küchenmesser umgebracht haben soll, will die 2. Große Strafkammer am Landgericht am 19. Juni um 14 Uhr das Urteil verkünden. Das kündigte die Vorsitzende Richtern Gabriele Böhner am fünften Verhandlungstag gegen den aus Kabul stammenden Beschuldigten an.

Mehrere Kriminalbeamte wurden am Dienstag als Zeugen gehört. Ein Mitarbeiter aus der Kriminalwache schilderte einen Vorfall wenige Wochen vor dem Mord. Die Ehefrau sei nachts bei der Polizei erschienen, weil sie sich durch Golam A. extrem bedroht gefühlt habe.

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Bereits 2012, als die Ehe in die Brüche ging, soll der Angeklagte laut Aussage der Frau Gas und Benzin bereit gestellt haben, um die Familie umzubringen, falls die 46-Jährige nicht den Scheidungsantrag zurücknehmen sollte. Gewaltausbrüche seien aber auch danach „nicht ungewöhnlich gewesen“, so die Ehefrau im Juli 2016 bei der Polizei.

Verlust der Familienehre

Einmal stand er angeblich mit einem Blumenstrauß vor dem Kindergarten, als sie gerade einen Enkel abholen wollte. Doch sie wollte keine Versöhnung mehr, sagte sie der Polizei. Die Scheidung selbst habe er als Verlust der Familienehre empfunden und vor dem Grabe seiner Eltern geschworen, sie zurück in die Familie zu holen.

Die Frau hoffte allerdings, dass die Großfamilien das Problem unter sich regeln und den Mann dauerhaft zurück nach Afghanistan bringen würden. Dazu kam es aber nicht. Am 25. Oktober 2016 erschien der Mann an der Wohnung der Frau in Gievenbeck. Dort soll er laut Staatsanwaltschaft die Frau erstochen und im Gesicht verstümmelt haben. Der Mann wurde noch am Tatort festgenommen.

Am 8. Juni wird der Psychologe Prof. Dr. Norbert Leygraf sein Gutachten vorstellen, die Plädoyers sind für den 13. Juni geplant.

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