Brandbrief der Anlieger
Im Bahnhofsviertel geht die Angst um

Münster -

Bei den Anwohnern der kleinen Bahnhofstraße geht die Angst um. Vor allem die Drogenszene bereitet ihnen Sorgen. Die Polizei betont, dass ihr die Situation bewusst sei – und kündigt weitere Maßnahmen an.

Donnerstag, 08.06.2017, 07:00 Uhr aktualisiert: 08.06.2017, 07:13 Uhr
An der kleinen Bahnhofstraße halten sich in letzter Zeit verstärkt Drogenkonsumenten und -händler auf, kritisieren Anlieger. Sie haben sich nun in einem Brief an den Polizeipräsidenten und den Oberbürgermeister gewandt.
An der kleinen Bahnhofstraße halten sich in letzter Zeit verstärkt Drogenkonsumenten und -händler auf, kritisieren Anlieger. Sie haben sich nun in einem Brief an den Polizeipräsidenten und den Oberbürgermeister gewandt. Foto: Oliver Werner

Die Anlieger der kleinen Bahnhofstraße schlagen Alarm. Der Bereich entwickele sich zu einem „Ghetto“, Drogenhandel, sexuelle Belästigungen und Pöbeleien gegenüber Passanten seien Alltag geworden. „Ich wohne seit 48 Jahren hier“, sagt Gabriele Gröcker, „so schlimm wie im Moment war es noch nie“.

Brandbrief an die Polizei

Die Bewohner der kleinen Bahnhofstraße – die die Postfiliale am Hauptbahnhof mit der Hafenstraße verbindet – sowie eines Teilbereichs der Hafenstraße haben sich zusammengetan und einen Brandbrief an Polizeipräsident und Oberbürgermeister geschrieben. „Wir hoffen, dass wir die Behörden wachrütteln können“, sagt Gröcker – denn so könne es nicht weitergehen: „Ich habe jeden Tag Angst.“

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Ausdrücklich betont die Nachbarschaft, dass sich ihre Kritik nicht gegen die Obdachlosen wende – mit denen komme man gut klar. Sorgen bereitet den Anliegern der nach ihrer Einschätzung ausufernde Drogenhandel. „Autos aus Münster, Warendorf, Coesfeld, Borken fahren vor, in manchen sitzen Kinder. Die Fahrer kaufen Drogen, fahren weiter“, hat Gröcker beobachtet.

Polizei erhöht Kontrollen

„Uns ist die Situation bekannt“, betont ein Sprecher der Polizei. Die Behörde habe daher den Kontrolldruck erhöht. So habe es Mitte Mai im Bereich der früheren Westfalen-Tankstelle mehrere Festnahmen gegeben. An diesem Tag habe man vor allem Schwarzafrikaner angetroffen, so der Polizeisprecher.

Besonders Marihuana, Amphetamine und Heroin würden in diesem Bereich gehandelt. Auch für die Zukunft kündigt die Polizei „offene und verdeckte Maßnahmen an“. Eine deutliche Zunahme des Drogenhandels mag die Polizei nicht sehen – die Szene sei nach dem Abriss der Westfalen-Tankstelle einfach sichtbarer.

Tankstellenabriss macht Szene sichtbarer

Das betonen auch der Grundstückseigentümer, die Westfalen AG, und die Stadt. „Die Szene ist stärker ins Blickfeld gerückt“, so Stadt-Sprecher Joachim Schiek. Tendenziell hielten sich dort jedoch nicht mehr Personen auf als früher. Wenn aktuell ein anderer Eindruck entstehe, könne das auch am sommerlichen Wetter der letzten Wochen liegen. „Da ist die Szene etwas größer als im Winter.“

„Als die Tankstelle stand, wollte das Elend niemand wahrhaben“, sagt Richard Halberstadt, CDU-Ratsherr aus dem Bahnhofsviertel. Nach dem Abriss halten sich dort nach seiner Beobachtung verstärkt junge Osteuropäer auf, „die sich in der Drogenszene sehr aggressiv verhalten“. Von den Anliegern habe er in letzter Zeit „Brandbriefe ohne Ende“ erhalten. Um die aktuellen Probleme in den Griff zu bekommen, brauche es Konzepte – „aber auch Geld“. 

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