Provinzdenken auf dem Dach des Hauptbahnhofs
Wo liegt wohl „Münster (Westf)“?

Münster -

Die Liste der Deutschen Bahn hat 96 Seiten und umfasst die offiziellen Namen aller Bahnhöfe zwischen Nordsee und Alpen. Der Eintrag für Münster, immerhin seit 2014 mit mehr als 300.000 Einwohnern gesegnet, lautet: „Münster (Westf) Hauptbahnhof“. Und da die Bahn diesen Eintrag nicht verschweigen möchte, hat sie ihn in riesigen Lettern oben auf den neu gebauten Hauptbahnhof gesetzt.

Donnerstag, 08.06.2017, 09:00 Uhr
Die Regionalbezeichnung „Westf“ führen bedeutsame Bahnhöfe wie Capelle, Mersch oder Löhne im Namen. Die 30 größten deutschen Städte verzichten auf derlei Ergänzungen im Namen, nur nicht Münster, immerhin Platz 20 in der Einwohnerstatistik.
Die Regionalbezeichnung „Westf“ führen bedeutsame Bahnhöfe wie Capelle, Mersch oder Löhne im Namen. Die 30 größten deutschen Städte verzichten auf derlei Ergänzungen im Namen, nur nicht Münster, immerhin Platz 20 in der Einwohnerstatistik. Foto: Oliver Werner

Schaut man sich nun die Liste der deutschen Großstädte an, dann muss man feststellen, dass eben dieser Schriftzug am Hauptbahnhof die Stadt in puncto Großstadt-Feeling um gefühlte 100 Jahre zurückwirft. Der Grund: Unter den Hauptbahnhöfen in den 30 größten deutschen Städten ist Münster der einzige, bei dem erklärt wird, wo besagte Stadt denn liegt: Münster in Westfalen halt.

Münster in den Niederungen der Povinzialität

Gemäß dieser Logik müsste es auch heißen: Bremen an der Weser, Bonn am Rhein, Wuppertal im Bergischen Land oder Hannover an der Leine. Heißt es aber nicht.

Das Schicksal einer erklärenden Klammer beim Namen des Hauptbahnhofs teilt Münster nur mit „Frankfurt (Main)“, wo es aber immerhin darum geht, den dortigen Bahnhof von „Frankfurt (Oder)“ zu unterscheiden.

Baustelle Hauptbahnhof

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  • Sieht fast schon so aus, als könnte man hereinspazieren: die Westseite des Hauptbahnhofs in Münster bleibt aber noch bis zum 24. Juni geschlossen.

    Foto: Oliver Werner
  • Über der Eingangshalle wurde jetzt ein großer Schriftzug angebracht.

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  • Die Taxi-Vorfahrt nimmt auch schon Gestalt an.

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  • Und was hat es mit dieser Baustelle gegenüber, auf der anderen Seite der Bahnhofstraße, auf sich?

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  • Hier wird ein Infostand für die Skulptur-Projekte aufgebaut.

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So aber wandert Münster durch die Niederungen der Provinzialität und hat auf der 96 Seiten langen Namensliste viele Verbündete etwa „Calau (Niederlausitz)“, „Roitzsch (Kreis Bitterfeld)“, „Müden (Mosel)“ oder „Niedernhausen (Taunus)“. Manche Käffer sind halt so klein, dass man schon sagen muss, wo man sie findet.

So ist es auch für die Auffindbarkeit des Bahnhofs Altdorf durchaus von Vorteil, dass die Ortsbezeichnung ergänzt wird um den Hinweis „bei Nürnberg“. Die Idee, den Eintrag für Nürnberg um die Regionalbezeichnung Franken zu ergänzen, hatte aber niemand. Jeder weiß, wo Nürnberg liegt.

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Könnte man sich Bahnhofsnamen vorstellen wie „Kiel (Ostsee)“, „Stuttgart (am Neckar)“ oder gar „München (Bayern)“? Nein, natürlich nicht. Der geneigte Leser der Namensliste erfährt zwar, dass ein „München (bei Bad Berka)“ existiert. Aber die bayrische Hauptstadt zu degradieren, indem man das Attribut Bayern hinzufügt, wäre undenkbar.

Gefahr erkannt, Gefahr gebannt

Münsters Degradierung indes wird besonders dann deutlich, wenn man erkundet, mit wem sich die Hauptstadt Westfalens den Namenszusatz „Westf“ teilt. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit seien folgende Zen­tren der Mobilität genannt: Capelle, Löhne, Mersch, Steinhagen und Westheim.

Nun werden kundige Bahnexperten einwenden, dass die Spezifizierung „Westf“ Münster nach dem Vorbild Frankfurts vor Verwechslungen schützt. In der Tat: Man könnte den wichtigsten Verkehrsknotenpunkt des Münsterlandes leicht verwechseln mit Bad Münster am Stein-Ebernburg, ein 4200 Seelen zählender Stadtteil von Bad Kreuznach.

Bilder aus dem neuen Bahnhof

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  • Bilder vom Bahnhofsumbau.

    Foto: Oliver Werner
  • Bilder vom Bahnhofsumbau.

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  • Bilder vom Bahnhofsumbau.

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  • Die Container hinter dem Bahnhof gehören bald der Vergangenheit an.

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  • Die Container hinter dem Bahnhof gehören bald der Vergangenheit an.

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Große Gefahr droht auch von Münster-Sarmsheim, dem 2900 Einwohner starken Ortsteil der Verbandsgemeinde Rhein-Nahe. Und dann gibt es auch noch Münster bei Dieburg in Hessen. Dort leben immerhin 15.000 Münsteraner, die alle die Möglichkeit haben, mit der Rodgaubahn ins 27,8 Kilometer entfernte Offenbach zu pendeln.

Gefahr erkannt, Gefahr gebannt: Bevor jemand auf den Gedanken kommt, Münster sei eine Großstadt, bleibt der Schriftzug „Westf“ hoch oben auf dem Hauptbahnhof wohl für die nächsten 100 Jahre bestehen.

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