Mordprozess gegen Afghanen vor Landgericht
Angeklagter offenbar „voll schuldfähig“

Münster -

Der wegen Mordes an seiner Ex-Frau angeklagte Golam A. ist voll schuldfähig. Das sagte am Donnerstag ein Gutachter vor dem Landgericht.

Donnerstag, 08.06.2017, 18:00 Uhr aktualisiert: 13.06.2017, 18:45 Uhr
Der Angeklagte (Mitte) soll voll schuldfähig sein.
Der Angeklagte (Mitte) soll voll schuldfähig sein. Foto: hpe

Der wegen Mordes an seiner Ex-Frau angeklagte Architekt Golam A. ist voll schuldfähig. Zu diesem Ergebnis kommt der psychiatrische Sachverständige Prof. Dr. Norbert Leygraf im Gutachten über den 56-Jährigen. Der aus Afghanistan stammende Beschuldigte soll seine getrennt von ihm lebende Frau (46) im Oktober 2016 mit Messerstichen getötet haben. „Heimtückisch und aus niedrigen Beweggründen“, so die Anklage der Staatsanwaltschaft.

Beruflichen Abstieg nicht verwunden

„Es gibt keine Hinweise auf eine Psychose, schwere Depression oder krankhafte seelische Störung“, so Leygraf, der deutschlandweit zu den renommiertesten Gutachtern zählt, am Donnerstag beim Landgerichtsprozess. Offenbar habe Golam A. in einer Beziehung, in der sich die Frau zunehmend emanzipierte und beruflich in Deutschland erfolgreicher als er selbst war, „nicht mehr der Patriarch sein“ können. Sie arbeitete in Roxel in einem Architekturbüro, er fand nur einen Job als Taxifahrer. Im Iran und Afghanistan war er ein angesehener Architekt.

Schließlich habe er die „Verselbstständigungstendenzen seiner Frau nicht mehr ausgehalten“, mutmaßt Leygraf. Immer dann, wenn Golam A. aus Afghanistan wieder einmal nach Deutschland kam und versuchte, seiner in Gievenbeck wohnenden Ex-Frau die Scheidung auszureden, soll es bei ihm depressive Probleme gegeben haben – „Anpassungsstörungen“, so Leygraf.

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Verlobung vom Vater geplant

Der Vater von Golam A. war ein hoher Offizier in Afghanistan und uneingeschränkter Herr im Hause. Offenbar habe der Beschuldigte diese Rolle auch nach dem Umzug nach Deutschland auf seine Ehe übertragen wollen. Das sei ihm aber nicht gelungen. Seine Frau, damals 14, lernte er erst bei der vom Vater geplanten Verlobung kennen.

„Als die Töchter vom Tod ihrer Mutter erfuhren, war ihnen sofort klar, dass der Vater sie umgebracht hat“, meinte ein Polizist, der als Zeuge geladen war und sie nach der Tat vernommen hatte. Am 13. Juni werden die Plädoyers gehalten.

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