Ausstellung über Artenvielfalt im Wandel
Amerikanische Kiefernwanze als vergrößerter „Neubürger“

Münster -

In ihrer Heimat als Schädling bekämpft, interessiert sie hierzulande Biologen und Tierfreunde: Als neue Art ist die „Amerikanische Kiefernwanze“ nach Westfalen verschleppt worden. Das kleine Insekt können Besucher im LWL-Museum für Naturkunde in Münster ab dem 30. Juni auch ohne Mikroskop groß erleben.

Freitag, 09.06.2017, 11:00 Uhr
Die Präparationstechnische Volontärin Elena Peter stellte das Modell der amerikanischen Kiefernwanze für die neue Ausstellung „Vom Kommen und Gehen“ her.
Die Präparationstechnische Volontärin Elena Peter stellte das Modell der amerikanischen Kiefernwanze für die neue Ausstellung „Vom Kommen und Gehen“ her. Foto: LWL/Steinweg

Als Teil der neuen Dauerausstellung „Vom Kommen und Gehen“ über westfälische Artenvielfalt im Wandel wird dieser „Neubürger“ vorgestellt, berichtet der Landschaftsverband in einer Mitteilung.

Elena Peter, Volontärin in der geologischen Präparationswerkstatt des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) in Münster, hat das Tier in monatelanger Feinarbeit als Modell vergrößert.

Vier Monate Arbeit für das Modell einer Wanze

Insgesamt vier Monate hat die Museumspräparatorin Peter an dem Anschauungsmodell der Wanze im Maßstab 1:20 gearbeitet, „komplett per Hand und in Eigenregie“, wie sie berichtet. Zu Beginn ihrer Arbeit lag eine maßstabsgetreue Darstellung der Kiefernwanze vor – jedoch nur als Fotografie. „Unser Museumsfotograf hat mehrere Nahaufnahmen eines rund 1,5 Zentimeter großen Tieres gemacht und die dann auf 30 Zentimeter Körperlänge vergrößert“, erklärt Peter. Der schwierigste Arbeitsschritt ergab sich anfangs, mit der Ausformung des Wanzen-Körpers aus einem quadratischen Block Polyurethan-Hartschaum.

Besondere Herausforderung: die Haare der Kiefernwanze haben verschiedene Farben

Eineinhalb Monate verbrachte Peter mit dem Modellieren der Gliedmaßen. „Unter dem Mikroskop erkennt man, dass die Härchen der Kiefernwanze verschiedenfarbig sind“, so Peter. Zur realistischen Umsetzung griff sie daher auf verschiedene Materialien aus dem Tierreich zurück, die ihr die Präparationswerkstatt bot.

Von den Rocky Mountains ins Münsterland: Was rein geografisch gegensätzlich anmutet, hat die amerikanische Kiefernwanze nicht daran gehindert, sich im Flachland Westfalens zu verbreiten. In Amerika wird sie besonders in Baumschulen gefürchtet. 2004 stießen Biologen auf das deutschlandweit erste Exemplar in Warendorf – möglicherweise ein „blinder Passagier“ in Pferdeboxen oder Containern aus Übersee. Als Neobiont (griechisch „neues Leben“) gibt die in Deutschland noch als unschädlich eingestufte Wanze ein greifbares Beispiel zum Themenschwerpunkt „Artenwandel“, den die Ausstellung des Museums in den Fokus rückt.

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