Berufstätige Mütter diskutieren mit Wirtschaftsjournalistin
Kraftakt für Job und Familie

Münster -

Die Liste der Mängel ist weiterhin lang: Ein auf bastelnde Mütter ausgelegtes Schulsystem und ein berufstätige Mütter behinderndes Ehegattensplitting sind laut Stefanie Bilen nur zwei Beispiele für eine Gesellschaft, die sich noch immer schwer tut, das klassische Rollenbild ad acta zu legen.

Freitag, 09.06.2017, 16:00 Uhr aktualisiert: 09.06.2017, 17:35 Uhr
Bei der Diskussion mit Stefanie Bilen (r., v.l.n.r): Moderatorin Daniela Kooijman, Dr. Friedhelm Höfner, Dr. Sabine Brandenburg. Torsten Brandenburg und Dr. Meike Schäffler.
Diskussion mit Stefanie Bilen (r.): Moderatorin Daniela Kooijman (v.l.), Dr. Friedhelm Höfner, Torsten Brandenburg, Dr. Sabine Brandenburg und Dr. Meike Schäffler Foto: bsc

Zusammen mit vier weiteren Gästen und vielen interessierten Zuhörern diskutierte die Wirtschaftsjournalistin und Autorin des Buches „Mut zu Kindern und Karriere“ am Donnerstagabend auf einer vom Verein „Working Moms Münster“ organisierten Veranstaltung Lösungsmodelle, wie sich Beruf und Familie vereinbaren lassen.

„In Deutschland findet ein Umdenken statt, aber es gibt noch immer kein flächendeckendes Angebot für die Kinderbetreuung in hoher Qualität“, resümierte Bilen.

Bis heute seien weder berufstätige Frauen noch Väter in Elternzeit gesellschaftlich voll akzeptiert. „Mein Eindruck ist, dass selbst viele Frauen noch in der alten Klischeewelt leben“, kritisierte der als Dozent und Berater tätige Podiumsgast Torsten Brandenburg. Auch er musste sich anfangs kritische Kommentare anhören. Er und seine als Professorin arbeitende Frau Dr. Sabine Brandenburg haben für sich ein Modell entwickelt, das sie „Kid-Sharing“ nennen: Beide arbeiten in Teilzeit und kümmern sich je zur Hälfte um das Kind.

Dr. Friedhelm Höfner, mittlerweile Geschäftsführer der Outlaw GmbH, blieb ebenfalls beim ersten Kind zu Hause.

Einen anderen Weg geht dagegen Dr. Meike Schäffler, Vorstand der Westfalen AG und Vollzeitbeschäftigte. Von der Geburt des ersten ihrer zwei Kinder an organisiert sie deren Betreuung mithilfe ihrer Großfamilie und über das Au-pair-Programm.

„Es gibt nicht das eine richtige Modell“, sagte Schäffler allerdings auch und erntete mit dieser Analyse breite Zustimmung. Schließlich stehe jede junge Familie irgendwann vor der schwierigen Entscheidung der Betreuung und sehe sich etlichen Hürden ausgesetzt. Das war auch Grundtenor unter den Podiumsgästen: Es sei längst nicht alles so einfach, wie es im Laufe der Diskussion womöglich wirke.

Denn die Vorbehalte unflexibler Arbeitgeber, fehlende Kita-Plätze und das weiterhin fortbestehende Lohnungleichgewicht zwischen Frauen und Männern beeinflussten die Wahl des persönlichen Betreuungsmodells enorm, hieß es.

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