Abfallwirtschaftsbetriebe wollen gegensteuern
Zu viel Kunststoff im Biomüll

Münster -

Rund 16.000 Tonnen Biomüll werden Jahr für Jahr mit Hilfe der brauen Tonnen in Münster entsorgt. Das Problem dabei, so Manuela Feldkamp, Pressesprecherin der Abfallwirtschaftsbetriebe Münster (AWM): „Wir haben rund zehn Prozent Fehlwürfe.“ Sprich: In dem Biomüll befinden sich Kunststoffverpackungen, Plastiktüten, Flaschen oder schlicht Restmüll.

Sonntag, 11.06.2017, 10:00 Uhr aktualisiert: 11.06.2017, 10:12 Uhr
Ob die Biotonnen richtig befüllt werden, wird – wie hier in Greven – in einigen Kommunen überprüft. In Münster gibt es rund zehn Prozent „Fehlwürfe“, monieren die Abfallwirtschaftsbetriebe.
Ob die Biotonnen richtig befüllt werden, wird – wie hier in Greven – in einigen Kommunen überprüft. In Münster gibt es rund zehn Prozent „Fehlwürfe“, monieren die Abfallwirtschaftsbetriebe. Foto: Gunnar A. Pier

Das ist für die AWM nicht nur ärgerlich, sondern gefährdet das Recycling. Denn Ziel der Aufarbeitung des Biomülls samt Feinaufbereitung und Rotteprozess ist es, am Ende nutzbaren Kompost zu gewinnen.

Ziel: Nutzbarer Kompost

Soll dieser Kompost den Vorschriften der Düngemittelverordnung entsprechen, dann darf er maximal 0,4 Prozent Fremdstoffe enthalten. Für Kunststoffe, etwa Folien, gilt sogar eine Obergrenze von 0,1 Prozent. Soll der AWM-Kompost darüber hinaus das RAL-Gütesiegel bekommen, sind die Anforderungen noch strenger.

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Die Sorge der Entsorger: Restmüll in der Biotonne stört die Kompostierung

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Manuela Feldkamp spricht Klartext: „Entspricht der aus Bioabfällen erzeugte Kompost nicht diesen Kriterien, muss er entsorgt werden.“ Sprich: Aus Biomüll wird „normaler“ Restmüll.

Viel wäre nach Auskunft der Pressesprecherin schon gewonnen, wenn die Münsteraner konsequent dazu übergehen würden, den Biomüll nicht in Plastiktüten zu packen und diese dann in die Biotonne zu werfen. Zwar sei es mechanisch möglich, die Tüte in der Behandlungsanlage aufzureißen. „Dabei geht aber ein relativ hoher Anteil des wertvollen Bioabfalls verloren.“

Groß angelegte Kampagnen

Dabei helfe es auch nichts, kompostierbare Tüten zu verwenden. „Die Anlage kann nicht zwischen normalen Plastiktüten und abbaubaren Beuteln aus Maisstärke unterscheiden.“ In beiden Fällen liege entsorgungstechnisch ein „Störstoff“ vor.

Kompostierbare Tüten als Alternative

Eine Alternative zu Papiertüten oder gar Plastiktüten können kompostierbare Kunststofftüten sein, die unter anderem aus Maismehl hergestellt werden – erkennbar am „Sämling“-Logo. Doch sie sind nicht in jedem Fall die Lösung.

Dem Kompostwerk in Saer­beck bereiten sie keine Probleme, wie Tests ergeben haben: Am Ende der Vergärung haben sich die Bio-Tüten zersetzt.

Anders sieht es beispielsweise in Coesfeld aus. Dort werden Fremdstoffe bereits vor dem Gärprozess aussortiert. Weil dabei nicht unterschieden werden kann zwischen Plastiktüten und kompostierbaren Tüten, werden diese ebenso aussortiert und landen mit in der Verbrennung.

Auf jeden Fall im Biomüll falsch sind Plastiktüten, die aus recyceltem Kunststoff hergestellt wurden. Plastik bleibt eben Plastik – auch wenn es wiederverwertet wurde. (gap)

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Mit einer groß angelegten Kampagne möchten die AWM in den kommenden Monaten darauf hinwirken, dass Biomüll möglichst sortenrein in der Biotonne landet. Das heißt im Umkehrschluss für die AWM aber auch, dass der Biomüll nicht in der Restmülltonne landen darf.

Hier ergibt sich nämlich ein weiteres Problem. Trockener Restmüll lässt sich besser sortieren als nasser. Biomüll ist meist sehr feucht und erschwert deshalb den Sortiervorgang.  

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