Gespräch mit Kasper König
40 Jahre Skulptur-Projekte

Münster -

Kasper König, Kurator der Skulptur-Projekte, ist nachdenklich. Das mag daran liegen, dass er ein Glas Wein in der Hand hält. Es mag auch an der speziellen Atmosphäre des Haverkamp-Geländes liegen, das König als so „wohltuend unaufgeräumt“ empfindet. 

Montag, 12.06.2017, 08:00 Uhr aktualisiert: 12.06.2017, 08:11 Uhr
Bewegender Moment: Der künstlerische Leiter der Skulptur-Projekte 2017, Kasper König (r.), trifft seinen alten Weggefährten Klaus Bußmann.
Bewegender Moment: Der künstlerische Leiter der Skulptur-Projekte 2017, Kasper König (r.), trifft seinen alten Weggefährten Klaus Bußmann. Foto: Oliver Werner

Vor allem aber dürfte es daran liegen, dass er am Ende eines langen Tages angekommen ist, an dem er in Grußworten, Statements und Interviews immer wieder davor gewarnt hat, die Kunst zu vereinnahmen. Es war aber auch ein Tag, an dem er eben diese Vereinnahmung auf Schritt und Tritt gespürt hat. Vereinnahmung durch Lob. Vereinnahmung durch Euphorie. Vereinnahmung durch Masse.

Münster ist „seine“ Stadt, die Stadt „seiner“ Skulptur-Projekte. Aber Münster ist auch die Stadt, mit der Kasper König hadert. „Die Münsteraner haben das Bedürfnis, ihre Stadt immer wieder durch die chemische Reinigung zu schicken“, ist einer dieser Sätze, die ihm auf dem Herzen liegen.

Skulturprojekte offiziell eröffnet

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  • Foto: Oliver Werner
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  • Foto: Helmut P. Etzkorn
  • Foto: Oliver Werner
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  • Volles Haus im Landesmuseum bei der Eröffnung der Skulpturprojekte. Foto: Oliver Werner
  • Volles Haus im Landesmuseum bei der Eröffnung der Skulpturprojekte. Foto: Oliver Werner
  • Volles Haus im Landesmuseum bei der Eröffnung der Skulpturprojekte. Foto: Oliver Werner
  • Volles Haus im Landesmuseum bei der Eröffnung der Skulpturprojekte. Foto: Oliver Werner
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  • Volles Haus im Landesmuseum bei der Eröffnung der Skulpturprojekte. Foto: Oliver Werner
  • Volles Haus im Landesmuseum bei der Eröffnung der Skulpturprojekte. Foto: Oliver Werner
  • Volles Haus im Landesmuseum bei der Eröffnung der Skulpturprojekte. Foto: Oliver Werner

Der Kalender der Stadt werde zugepflastert „mit zu vielen Events, zu vielen Flohmärkten und so ein Kram“. Auch städtebaulich werde die Stadt „durchgestylt, durchgeplant und zugebaut“, teilweise mit Gebäuden, über deren Architektur Kasper König ein vernichtendes Urteil fällt, derweil er auf einem der gelben Bänke sitzt und die Party um sich herum beobachtet: „Unter aller Sau“, schreibt Kasper König den Architekten ins Stammbuch.

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In den vergangenen Jahren hat der 73-Jährige Kunstprofessor, Kurator und Museumsleiter nahezu seine gesamte Kraft darauf verwandt, um den Zehn-Jahres-Rhythmus der Skulptur-Projekte zu wahren – und so gesehen eine weitere Form der Vereinnahmung abzuwehren, Vereinnahmung durch Beschleunigung.

Münster erlebt derzeit eine dramatische Beschleunigung in Form von Wachstum und Wandel. Kasper König scheut davor zurück, dies zu kritisieren, denn er selbst hat in den 40 Jahren der Skulptur-Projekte zu diesem Wandel beigetragen wie kaum ein anderer. Also bleibt er ein bisschen philosophisch: „Manchmal ist das, was man nicht tut, wichtiger als das, was man tut.“

 

Skulptur-Projekte: Alle Künstler - alle Werke

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  • Bei den fünften Skulptur-Projekten im Jahr 2017 sind 35 Werke zu sehen. Hier alle beteiligten Künstler und sämtliche Projekte im Kurzporträt:

    Foto: Matthias Ahlke
  • Ei Arakawa:

    Ein Mini-Museum mit sieben Gemälden plus Musik auf grüner Wiese vor Haus Kump – vor allem abends schön.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Nairy Baghramian:

    pseudounfertige Skulpturen auf Schraubenschlüsseln finden sich am Erbdrostenhof.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Aram Bartholl:

    Lagerfeuer-Feeling in gedachter Endzeit gibt es an drei Standorten: H1-Tunnel, Pumpenhaus und Fernsehturm.

    Foto: Henning Rogge
  • Cosima von Bonin/Tom Burr

    Die schwere Moore-Plastik am Landesmuseum wird scheinbar vom Tieflader abgeholt. Auf der Kiste steht „Fragile“ für „Zerbrechlich“.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Andreas Bunte:

    hängt am H1-Vorplatz, Stadthaus-1-Innenhof und bei der VHS Plakate mit Fotos einer Installation auf. Via QR-Code gibt es Töne und Bilder.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Gerard Byrne

    Gerard Byrne setzt im Klaviersaal der Stadtbücherei das Verhältnis von Musik, Sprache und Bild in Szene.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Camp:

    (Shaina Anand und Ashok Sukumaran) spannt an der Theaterruine ein Netzwerk, das Informationen über das Theater und die Umgebung vermittelt.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Michael Dean

    Michael Dean verhängt den Lichthof des Landesmuseums mit transparenter Folie und zeigt darin Schriftzeichen-Skulpturen.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Jeremy Deller:

    hat Kleingärtner zehn Jahre lang Tagebuch schreiben lassen. Respektable 33 Bücher werden ausgestellt.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Nicole Eisenman:

    hat einen Brunnen für die Kreuzschanze schaffen, der aus unbekleideten Frauen besteht.

    Foto: Oliver Werner
  • Ayşe Erkmen:

    lässt Menschen im Hafen über eine Brücke unter Wasser gehen.

    Foto: Oliver Werner
  • Lara Favaretto:

    stellt am Ludgeriplatz gegenüber ein Denkmal für Kolonialkriegsopfer einen Spardosen-Monolithen für Flüchtlinge auf.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Hreinn Friðfinnsson:

    platziert auf einer Wiese im Sternbuschpark sein Edelstahl-Hausskelett.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Ludger Gerdes:

    hat 1989 über dem Ordnungsamt Marl das Leuchtschild „Angst“ anbringen lassen; bis zum 1. Oktober hängt es am Aegidiimarkt.

    Foto: Gerhard Kock
  • Pierre Huyghe:

    stellt die ehemalige Eissporthalle auf den Kopf für ein Habitat.

    Foto: Oliver Werner
  • John Knight:

    vermisst das neue Landesmuseum mit einer überdimensionierten Wasserwaage.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Justin Matherly:

    stellt den Nietzsche-Felsen in der Nähe des Hauptbahnhofs auf Gehhilfen und thematisiert dessen Erweckungserlebnis.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Christian Odzuck:

    stellt eine dem Gebäude der Oberfinanzdirektion nachempfundene Architektur aus recyceltem Material der abgerissenen OfD auf die Brache.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Peles Empire:

    (Barbara Wolff, Katharina Stöver) machen den Archetyp des Prinzipalmarkt-Giebels gegenüber dem Aegidiimarkt begehbar.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Alexandra Pirici:

    lässt Tänzer im Friedenssaal Bewegungen zum Thema Frieden und Staaten aufführen.

    Foto: Oliver Werner
  • Mika Rottenberg:

    eröffnet gegenüber dem Gefängnis in einem ehemaligen Asia-Laden einen Asia-Laden mit Videos.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Xavier Le Roy mit Scarlet Yu:

    lassen Münsteraner in der Innenstadt pantomimisch Skulpturen darstellen, um mit Fremden ins Gespräch zu kommen.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Sany:

    (oder besser: Samuel Nyholm) zeigt seine fallenden Figuren als Brennmalerei auf Holz an mehreren Stellen in der City.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Gregor Schneider:

    hat im Landesmuseum die Wohnung von N. Schmidt eingerichtet.

    Foto: Henning Rogge
  • Thomas Schütte:

    zeigt auf dem ehemaligen Zoo-Gelände die Reinform des Tempels in Rostrot.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Nora Schultz:

    will mit Installation und Videos die Wucht der Architektur des neuen Landesmuseums brechen.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Emeka Ogboh macht die Weltmusik des in Münster begrabenen Komponisten Moondog im Hamburger Tunnel hörbar und ließ in Belgien Bier unter dem Einfluss von Musik aus Lagos brauen.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Michael Smith:

    lädt über 65-Jährige ein, sich kostengünstig Tattoos von Arbeiten internationaler Künstler stechen zu lassen.

    Foto: Martin Kalitschke
  • Hito Steyerl:

    stellt „Hell-YeahWeFuckDie“ als Leuchten in die LBS – Wörter, die in Popsongs der Gegenwart häufig sind – und thematisiert zudem, wie Menschen mit Robotern umgehen.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Koki Tanaka:

    zeigt in der Johannisstraße 18/20 Videos von Workshops mit Münsteranern, die darüber nachgedacht haben, wie Menschen zusammenleben und Unbekanntes teilen.

    Foto: Henning Rogge
  •  Oscar Tuazon:

    bereichert eine Industriebrache am Stadthafen mit einer Art öffentlichem Betonkamin.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Bárbara Wagner und Benjamin de Burca:

    singen in der Uralt-Disco „Elephant Lounge“ Schmalz-Schlager mit kritischen Texten: „Bye Bye Deutschland! Eine Lebensmelodie.“

    Foto: Matthias Ahlke
  • Cerith Wyn Evans kühlt eine Glocke von St. Stephanus auf Winter-Temperatur. Zu den üblichen Gottesdienstzeiten (samstags um 17 Uhr und sonntags um 10.30 Uhr) können die Menschen hören, ob dies einen Unterschied macht - und wenn welchen.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Hervé Youmbi:

    hängt zwischen die Bäume des alten Überwasserfriedhofs über die Bronzefiguren Masken, die Motive aus Afrika mit dem Horrorgesicht aus den „Scream“-Filmen kombiniert – ein Maskenball der besondern Art.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Gintersdorfer/Klaßen starten im Pumpenhaus ihre öffentlichen Performance-Proben „Erniedrigung ist nicht das Ende der Welt“. (Symbolfoto)

    Foto: pd

 

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