Bahnhofsmission feierte ihr 110-jähriges Bestehen
Immer ein offenes Ohr

Münster -

Die Bahnhofsmission feierte am Samstag mit einem Gottesdienst auf dem Bremer Platz ihr 110-jähriges Bestehen.

Montag, 12.06.2017, 09:00 Uhr
Die ehrenamtlichen Mitarbeitenden der Bahnhofsmission mit Leiterin Christine Kockmann feierten mit ihren Gästen auf dem Bremer Platz.
Die ehrenamtlichen Mitarbeitenden der Bahnhofsmission mit Leiterin Christine Kockmann feierten mit ihren Gästen auf dem Bremer Platz. Foto: Caritasverband

Lange ist ein Sonderzug unterwegs gewesen, der nun endlich den finalen Bahnhof erreicht. Die Reisenden öffnen schnell die Türen und strömen aus dem Zug in die Stadt. Es sind viele unterschiedliche Menschen dabei. Auf der einen Seite sind es wohlhabende Menschen, die sich einen schönen Tag in der Stadt machen wollen. Auch junge Menschen sind dabei, die etwas erleben wollen. Und zu guter Letzt auch viele arme Menschen, die gar nicht wissen, wo sie hinwollen und auf fremde Hilfe angewiesen sind. Mit dieser Metapher beschrieb Pfarrer Karl-Heinz Köster vom evangelischen Kirchenkreis die Arbeit der Bahnhofsmission.

Feier am sozialen Brennpunkt

Ganz bewusst hatte sich Christine Kockmann, Leiterin der Bahnhofsmission, dafür entschieden, das Fest auf dem Bremer Platz auszurichten. Am sozialen Brennpunkt der Stadt halten sich jene Menschen auf, um die sich die Bahnhofsmission ganz besonders kümmert. „Wir haben jeden Tag mit ganz unterschiedlichen Menschen zu tun. Reisende, die Hilfe brauchen oder alte Menschen, die Ansprache suchen“, sagt Kockmann. Sie bedankte sich bei den derzeit 54 ehrenamtlichen Helfern, die vor allem für sozial benachteiligte Menschen ein offenes Ohr haben.

Die Gesellschaft verändert sich immer. Am Bahnhof merkt man es zuerst.

Irmtraud Krahl, Ehrenamtliche bei der Bahnhofsmission

Ein Beispiel für herausragendes Engagement ist Irmtrud Krahl. Die Rentnerin ist seit 25 Jahren bei der Bahnhofsmission tätig. „Die Gesellschaft verändert sich immer. Am Bahnhof merkt man es zuerst“, meint Krahl. Sie erinnert sich an eine Frau, die vom Ehemann verprügelt wurde. Diese Frau wurde von Irmtraud Krahl an ein Frauenhaus vermittelte. Später sei sie mit ihren Kindern zur Bahnhofsmission gekommen und habe sich für die Hilfe bedankt. Krahl half auch einem Mann, der Suizid begehen wollte. An der Bahnhofsmission schätzt sie vor allem das Miteinander unter den ehrenamtlichen Helfern, das sie als sehr harmonisch beschreibt.

Jennifer Uhle, Sinologie-Studentin und seit fünf Jahren bei der Bahnhofsmission

Mitgefühl ist wichtig, aber kein Mitleid

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In Kontakt ist Krahl häufig mit Jennifer Uhle. Die 29-jährige Sinologie-Studentin ist seit fünf Jahren bei der Bahnhofsmission involviert. Sie begleitet neben Kindern auch demente Menschen auf Zugfahrten, die auf Hilfe angewiesen sind. Seit sie bei der Bahnhofsmission arbeitet, sind alltägliche Dinge für sie nicht mehr so selbstverständlich wie in der Vergangenheit. Die Schicksale der Menschen wolle sie aber nicht zu nah an sich herankommen lassen. „Mitgefühl ist wichtig, aber kein Mitleid“, sagt Uhle.

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