Kein Geld für längere Öffnungszeiten
Hafen-Steg: Schotten dicht um 20 Uhr

Münster -

Der überwältigende Publikumszuspruch für das Hafen-Kunstwerk der Istanbulerin Ayşe Erkmen stößt inzwischen buchstäblich an Grenzen. Obwohl am Wochenende Tausende Besucher bei herrlichstem Wetter bis in den Abend hinein den Kreativkai bevölkerten, wurde der Hafensteg bereits um 20 Uhr abgesperrt.

Montag, 12.06.2017, 20:00 Uhr aktualisiert: 12.06.2017, 20:51 Uhr
Abends um 20 Uhr verriegeln Mitarbeiter einer Sicherheitsfirma den Zugang zu dem Steg von Ayşe Erkmen. Es fehlt das Geld für eine längere Öffnung.
Abends um 20 Uhr verriegeln Mitarbeiter einer Sicherheitsfirma den Zugang zu dem Steg von Ayşe Erkmen. Es fehlt das Geld für eine längere Öffnung. Foto: Dirk Anger

Von mittags um 12 Uhr bis abends um 20 Uhr dauert die Schicht der beauftragten Sicherheitsfirma aus Dinslaken – und ohne Sicherheitskräfte ist ein Betreten des Stegs nicht erlaubt, folglich die Absperrungen.

Zwar sei die 20-Uhr-Regelung in dem aktuellen Sicherheitskonzept für das Kunstwerk festgeschrieben, erklärt Michael Thomas vom städtischen Ordnungsamt. Gleichwohl sei aus Sicherheitsgründen eine darüber hinausgehende Öffnung denkbar. „Mit Einbruch der Dunkelheit muss Schluss sein.“ Alles andere sei eher eine finanzielle Frage.

Glosse: Leiden für die Kunst

Bin ich jetzt ein Kunstbanause? Vielleicht. Mir jedenfalls hat der außergewöhnliche Kunstgenuss im Hafenbecken nicht nur uneingeschränkt Freude bereitet. Aus ganz persönlichen Motiven. mehr...

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Ähnlich sieht es auch Ulla Gerhards, Pressesprecherin der Skulptur-Projekte 2017. Künstlerische Vorgaben im Hinblick auf die Öffnungszeiten gebe es nicht. Gleichwohl sei das Budget „vollkommen ausgereizt“. Ohnehin seien die Kosten, um die Sicherheitsauflagen für den Steg zu erfüllen, immens.

Durchgehend während der Öffnungszeiten müssen vier Fachkräfte für die Sicherheit, allesamt Rettungsschwimmer, sowie ein Taucher am Hafenbecken präsent sein.

Mit anderen Worten: Verlängerte Öffnungszeiten, etwa am Wochenende, kann es nur geben, wenn ein Dritter, etwa ein Sponsor, die Kosten übernimmt.

Kommentar zum Unterwasser-Steg: Ein bisschen mehr!

Nein, ganz überraschend kommt der große Andrang am Unterwasser-Steg im Hafen gewiss nicht. Dass sich das Kunstwerk der türkischen Künstlerin Ayşe Erkmen zu einem Publikumsrenner entwickeln würde, hatten nicht wenige im Vorfeld der Skulptur-Projekte gemutmaßt. Und dürfen sich nach dem Eröffnungswochenende bestätigt sehen. mehr...

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Mit der Künstlerin derweil abgesprochen ist die Obergrenze von maximal 60 Besuchern zeitgleich auf dem Steg. Hier kommen künstlerische Erwägungen und Sicherheitsapsekte zusammen.

Der Realisierung des Projektes „On Water“ ging eine lange Debatte voraus. Wiederholt wurde kolportiert, dass der Steg hinsichtlich seiner behördlichen Genehmigungen alle Beteiligten vor besonderen Herausforderungen gestellt habe.

Diskussionen über die Öffnungszeiten dürften sich möglicherweise auch an anderer Stelle ergeben, etwa an der Eissporthalle an der Grevener Straße. Nur eine Minderheit der Skulpturen ist rundum frei zugänglich, bei den meisten ist das Kunstwerk in einem Gebäude untergebracht. Für all diese Standorte gilt die Öffnungszeit täglich von 10 bis 20 Uhr, freitags bis 22 Uhr.

Mehr zum Thema

Erstes Wochenende der Skulptur-Projekte: Zwischen Party und Magie [11.06.2017]

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Skulptur-Projekte: Alle Künstler - alle Werke

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  • Bei den fünften Skulptur-Projekten im Jahr 2017 sind 35 Werke zu sehen. Hier alle beteiligten Künstler und sämtliche Projekte im Kurzporträt:

    Foto: Matthias Ahlke
  • Ei Arakawa:

    Ein Mini-Museum mit sieben Gemälden plus Musik auf grüner Wiese vor Haus Kump – vor allem abends schön.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Nairy Baghramian:

    pseudounfertige Skulpturen auf Schraubenschlüsseln finden sich am Erbdrostenhof.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Aram Bartholl:

    Lagerfeuer-Feeling in gedachter Endzeit gibt es an drei Standorten: H1-Tunnel, Pumpenhaus und Fernsehturm.

    Foto: Henning Rogge
  • Cosima von Bonin/Tom Burr

    Die schwere Moore-Plastik am Landesmuseum wird scheinbar vom Tieflader abgeholt. Auf der Kiste steht „Fragile“ für „Zerbrechlich“.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Andreas Bunte:

    hängt am H1-Vorplatz, Stadthaus-1-Innenhof und bei der VHS Plakate mit Fotos einer Installation auf. Via QR-Code gibt es Töne und Bilder.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Gerard Byrne

    Gerard Byrne setzt im Klaviersaal der Stadtbücherei das Verhältnis von Musik, Sprache und Bild in Szene.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Camp:

    (Shaina Anand und Ashok Sukumaran) spannt an der Theaterruine ein Netzwerk, das Informationen über das Theater und die Umgebung vermittelt.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Michael Dean

    Michael Dean verhängt den Lichthof des Landesmuseums mit transparenter Folie und zeigt darin Schriftzeichen-Skulpturen.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Jeremy Deller:

    hat Kleingärtner zehn Jahre lang Tagebuch schreiben lassen. Respektable 33 Bücher werden ausgestellt.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Nicole Eisenman:

    hat einen Brunnen für die Kreuzschanze schaffen, der aus unbekleideten Frauen besteht.

    Foto: Oliver Werner
  • Ayşe Erkmen:

    lässt Menschen im Hafen über eine Brücke unter Wasser gehen.

    Foto: Oliver Werner
  • Lara Favaretto:

    stellt am Ludgeriplatz gegenüber ein Denkmal für Kolonialkriegsopfer einen Spardosen-Monolithen für Flüchtlinge auf.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Hreinn Friðfinnsson:

    platziert auf einer Wiese im Sternbuschpark sein Edelstahl-Hausskelett.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Ludger Gerdes:

    hat 1989 über dem Ordnungsamt Marl das Leuchtschild „Angst“ anbringen lassen; bis zum 1. Oktober hängt es am Aegidiimarkt.

    Foto: Gerhard Kock
  • Pierre Huyghe:

    stellt die ehemalige Eissporthalle auf den Kopf für ein Habitat.

    Foto: Oliver Werner
  • John Knight:

    vermisst das neue Landesmuseum mit einer überdimensionierten Wasserwaage.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Justin Matherly:

    stellt den Nietzsche-Felsen in der Nähe des Hauptbahnhofs auf Gehhilfen und thematisiert dessen Erweckungserlebnis.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Christian Odzuck:

    stellt eine dem Gebäude der Oberfinanzdirektion nachempfundene Architektur aus recyceltem Material der abgerissenen OfD auf die Brache.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Peles Empire:

    (Barbara Wolff, Katharina Stöver) machen den Archetyp des Prinzipalmarkt-Giebels gegenüber dem Aegidiimarkt begehbar.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Alexandra Pirici:

    lässt Tänzer im Friedenssaal Bewegungen zum Thema Frieden und Staaten aufführen.

    Foto: Oliver Werner
  • Mika Rottenberg:

    eröffnet gegenüber dem Gefängnis in einem ehemaligen Asia-Laden einen Asia-Laden mit Videos.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Xavier Le Roy mit Scarlet Yu:

    lassen Münsteraner in der Innenstadt pantomimisch Skulpturen darstellen, um mit Fremden ins Gespräch zu kommen.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Sany:

    (oder besser: Samuel Nyholm) zeigt seine fallenden Figuren als Brennmalerei auf Holz an mehreren Stellen in der City.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Gregor Schneider:

    hat im Landesmuseum die Wohnung von N. Schmidt eingerichtet.

    Foto: Henning Rogge
  • Thomas Schütte:

    zeigt auf dem ehemaligen Zoo-Gelände die Reinform des Tempels in Rostrot.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Nora Schultz:

    will mit Installation und Videos die Wucht der Architektur des neuen Landesmuseums brechen.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Emeka Ogboh macht die Weltmusik des in Münster begrabenen Komponisten Moondog im Hamburger Tunnel hörbar und ließ in Belgien Bier unter dem Einfluss von Musik aus Lagos brauen.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Michael Smith:

    lädt über 65-Jährige ein, sich kostengünstig Tattoos von Arbeiten internationaler Künstler stechen zu lassen.

    Foto: Martin Kalitschke
  • Hito Steyerl:

    stellt „Hell-YeahWeFuckDie“ als Leuchten in die LBS – Wörter, die in Popsongs der Gegenwart häufig sind – und thematisiert zudem, wie Menschen mit Robotern umgehen.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Koki Tanaka:

    zeigt in der Johannisstraße 18/20 Videos von Workshops mit Münsteranern, die darüber nachgedacht haben, wie Menschen zusammenleben und Unbekanntes teilen.

    Foto: Henning Rogge
  •  Oscar Tuazon:

    bereichert eine Industriebrache am Stadthafen mit einer Art öffentlichem Betonkamin.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Bárbara Wagner und Benjamin de Burca:

    singen in der Uralt-Disco „Elephant Lounge“ Schmalz-Schlager mit kritischen Texten: „Bye Bye Deutschland! Eine Lebensmelodie.“

    Foto: Matthias Ahlke
  • Cerith Wyn Evans kühlt eine Glocke von St. Stephanus auf Winter-Temperatur. Zu den üblichen Gottesdienstzeiten (samstags um 17 Uhr und sonntags um 10.30 Uhr) können die Menschen hören, ob dies einen Unterschied macht - und wenn welchen.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Hervé Youmbi:

    hängt zwischen die Bäume des alten Überwasserfriedhofs über die Bronzefiguren Masken, die Motive aus Afrika mit dem Horrorgesicht aus den „Scream“-Filmen kombiniert – ein Maskenball der besondern Art.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Gintersdorfer/Klaßen starten im Pumpenhaus ihre öffentlichen Performance-Proben „Erniedrigung ist nicht das Ende der Welt“. (Symbolfoto)

    Foto: pd

 

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