Glosse
Leiden für die Kunst

Münster -

Bin ich jetzt ein Kunstbanause? Vielleicht. Mir jedenfalls hat der außergewöhnliche Kunstgenuss im Hafenbecken nicht nur uneingeschränkt Freude bereitet. Aus ganz persönlichen Motiven.

Montag, 12.06.2017, 20:00 Uhr
Glosse : Leiden für die Kunst
Foto: Helmut P. Etzkorn

Natürlich, der Blick über das bunte Hafentreiben direkt aus dem Wasser heraus ist einzigartig. Besonders ist das gruppendynamische Erlebnis, gemeinsam mit Dutzenden fremden Wassertretern von einer Seite des Ufers auf die andere zu waten. Das verbindet, ist äußerst kommunikativ.

Vormals unvorstellbar ist, wie einem das dreckige Hafenwasser sanft um die nackten Waden spielt. Nicht nur deshalb muss man für den Gang über das Wasser – oder besser über den Unterwasserbrückensteg – der Künstlerin Ayşe Erkmen wirklich schmerzfrei sein. Ich dagegen leide für die Kunst. Denn: Jeder Schritt mit den nackten Füßen auf den abgetauchten Gitterrosten tut richtig weh.

Mit Kneippen oder einer Gitterrost-Massage hat das nichts gemein. Die 64 Meter durch das Wasser bis zur anderen Seite werden plötzlich lang.

Es schlägt die Stunde der Kavaliere. Einer zog seine Flip-Flops aus und stellte sie seiner Dame zur Verfügung. Ein anderer legte seine Frau über die Schulter und trug sie zum rettenden Ufer.  Ralf Repöhler

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