„Show me the Body“ spielte im Gleis 22
Kurz, heftig und schneidend

Münster -

Kurz aber heftig: Das New Yorker Trio „Show me the Body“ zeigte im Gleis 22 eine herrlich lärmige Mixtur aus Punk, Rap und Noise. In wahrer Punk-Tradition war nach nicht einmal 30 Minuten alles vorbei.

Montag, 12.06.2017, 22:00 Uhr aktualisiert: 13.06.2017, 11:27 Uhr
Sänger Julian Pratt (vorne l.) spielte immer wieder ein durchgängig verzerrtes Banjo.
Sänger Julian Pratt (vorne l.) spielte immer wieder ein durchgängig verzerrtes Banjo. Foto: Jörn Krüßel

Schon der Bandname und der Titel des ersten Albums „Body War“ suggerieren „vollen Körpereinsatz“. Die junge Band, alle Mitglieder sind gerade Anfang 20, spielt rohen und sehr lauten, in der Hardcore-Szene New Yorks verwurzelten Punk. Dieser Punk steht in der amerikanischen DIY-Tradition, die sich auf Bands wie Sonic Youth, Suicide oder Fugazi beruft. „Show me the Body“ haben diese Ethos verinnerlicht, spontane und selbst organisierte Guerilla-Auftritte kommen regelmäßig vor.

Ihre sehr eigene Interpretation von Klangästhetik wird schon deutlich, wenn man Sänger Julian Pratt auf der Bühne sieht. Statt einer Gitarre spielt er durchgängig ein Banjo. Das ist aber ebenso durchgängig verzerrt. Ein fieser, schneidender Sound ist das Ergebnis. Dagegen stehen der drückende Bass von Harlan Steed und die krachenden und teils monotonen No-Wave-Rhythmen von Schlagzeuger Noah Cohen-Corbett. Spielt Pratt nicht sein Banjo, ist es ihm eine Herzensangelegenheit, die Bühnenbarriere zu überwinden und sich vor der Bühne pogend auszulassen oder im Moshpit dann tatsächlich vollen Körpereinsatz zu zeigen.

All das hatten die drei auch ins Gleis 22 mitgebracht. Leider hielt sich der Andrang in Grenzen, sodass die Atmosphäre eines Punk-Konzertes, das von der Interaktion von Band und Publikum lebt, nicht aufkommen wollte. Trotzdem gaben die drei alles, und mit der Musik konnten die Besucher die alternative Attitüde New Yorker Jugendzentren aufsaugen.

Zu kaufen gab es das Album von „Show me the Body“ ausschließlich auf Tape – eine Reminiszenz an die eigene „Do It Yourself“- und Oldschool-Einstellung.

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