Meteoriten-Analyse
Forscher aus Münster: Jupiter ist ältester Planet des Sonnensystems

Münster -

Jupiter ist nicht nur der größte Planet des Sonnensystems, sondern auch der älteste, wie Planetologen der Uni Münster jetzt berichten. Ihnen ist es erstmals gelungen, sein Alter zu bestimmen. Jetzt muss die Frühgeschichte des Sonnensystems neu geschrieben werden.

Dienstag, 13.06.2017, 10:20 Uhr aktualisiert: 13.06.2017, 10:31 Uhr
Meteoriten-Analyse : Forscher aus Münster: Jupiter ist ältester Planet des Sonnensystems
Der Jupiter ist nicht nur der größte, sondern - wie jetzt erforscht wurde - auch der älteste Planet des Sonnensystems. Foto: D. Peach/Chilescope team/esa/dpa

Bisher war das Alter Jupiters nicht bekannt – es gab nur Schätzungen. Dies liegt unter anderem daran, dass es keine Gesteinsproben des Planeten gibt und Forscher daher keine direkten Messungen durchführen können. Die Münsteraner zogen nun durch Untersuchungen an Meteoriten Rückschlüsse auf das Alter von Jupiter. Die Studie ist in der aktuellen Ausgabe des Fachmagazins "Proceedings of the National Academy of Science of the United States of America" online veröffentlicht .

Jupiter war demnach spätestens eine Million Jahre nach Bildung des Sonnensystems auf die zwanzigfache Masse der heutigen Erde angewachsen. Das Sonnensystem entstand vor mehr als 4,5 Milliarden Jahren. Nach Erreichen der 20 Erdmassen dauerte es weitere drei Millionen Jahre, bis die Entstehung Jupiters abgeschlossen war. "Trotz seiner großen Masse entstand Jupiter also nach kosmischen Maßstäben extrem schnell innerhalb von nur vier Millionen Jahren. Zwar haben theoretische Modelle bereits vorhergesagt, dass Jupiter schnell entstanden sein muss, aber diese Voraussagen sind sehr ungenau", urteilt Dr. Thomas Kruijer, Erstautor der Studie. Zum Vergleich: Die Erde, die nur etwa ein 380stel der Masse Jupiters hat, benötigte ungefähr 100 Millionen Jahre für ihre Entstehung.

Frühgeschichte des Sonnensystems wird neu geschrieben

Das sehr schnelle Wachstum von Jupiter hat laut den münsterschen Planetologen wichtige Implikationen für die frühe Entwicklung des Sonnensystems und die Entstehungsgeschichte der vier sonnennächsten Planeten Merkur, Venus, Erde und Mars ("terrestrische Planeten", auch Gesteinsplaneten genannt). So seien durch das Wachstum von Jupiter wasserreiche Asteroide aus dem äußeren in das innere Sonnensystem gebracht worden, wo sie unter anderem in die Erde eingebaut worden sein könnten. Diese wasserreichen Asteroide seien also möglicherweise die Quelle des irdischen Wassers.

Das schnelle Wachstum von Jupiter habe aber auch verhindert, dass große Mengen von Material in das innere Sonnensystem gelangten. Das könne erklären, warum Mars relativ klein geblieben sei und warum es in unserem Sonnensystem im Gegensatz zu vielen extrasolaren Sternensystemen keine "Super-Erden", also besonders große terrestrische Planeten, gäbe. "Dass wir Meteorite haben, welche jenseits von Jupiter entstanden sind, ist eine völlig neue Erkenntnis", unterstreicht Thorsten Kleine. "Sie verändert unser Verständnis des frühen Sonnensystems nachhaltig."

Mehr zur Studie

Die Arbeit entstand im Rahmen des Sonderforschungsbereichs/Transregio (TRR) 170 "Late accretion onto terrestrial planets" ("Spätes Wachstum erdähnlicher Planeten") an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster (WWU) und wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft sowie dem europäischen Forschungsrat (ERC) unterstützt.

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