Mordprozess gegen Mann aus Afghanistan
Staatsanwalt fordert Höchststrafe

Münster -

Im Prozess gegen den Mann aus Afghanistan, der seine von ihm getrennt lebende Ehefrau im Oktober 2016 in ihrer Gievenbecker Wohnung getötet hat, hat der Staatsanwalt eine lebenslange Freiheitsstrafe wegen Mordes gefordert. Die Verteidigung plädiert auf eine Verurteilung wegen Totschlags.

Dienstag, 13.06.2017, 18:19 Uhr aktualisiert: 13.06.2017, 18:46 Uhr
Der Angeklagte und einer seiner Verteidiger
Der Angeklagte und einer seiner Verteidiger

Die Nebenklägerin im Mordprozess gegen den Mann aus Afghanistan vertritt die Kinder des Opfers. Sie vermisste am Dienstagmorgen am Ende des Prozesses vor dem Landgericht „Reue, eine Entschuldigung des Angeklagten an seine drei Kinder“, deren Leben er ebenfalls mit seiner Tat am 25. Oktober vergangenen Jahres zerstört habe.

Als die frühere Scheidungsanwältin der Ehefrau des 56 Jahre alten Angeklagten, die auf bestialische Weise getötet worden war, in ihrem Plädoyer so sprach, brach der Angeklagte in einen Weinkrampf aus.

Tatmotive: gekränkte Familienehre, religiöse Gefühle

Der Staatsanwalt hatte zuvor eine lebenslange Freiheitsstrafe wegen Mordes gefordert. Er forderte von der zweiten großen Strafkammer, zusätzlich für den studierten Architekten die besondere Schwere der Schuld festzustellen. Das bedeutet, dass ein zu lebenslanger Freiheitsstrafe Verurteilter nicht damit rechnen kann, nach 15 Jahren aus dem Gefängnis entlassen werden zu können.

Gekränkte Familienehre, religiöse Gefühle, die Folgen des Lebens in verschiedenen Gesellschaften – all das, so betonte der Staatsanwalt, sei nicht Gegenstand seiner Abwägung. Er konzentrierte sich auf den Tathergang, wie er sich ihm nun nach der Vernehmung zahlreicher Zeugen und den Testaten mehrerer Gutachter erschließe.

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Danach hat der Angeklagte am Nachmittag des Tattages seine Frau, die vor ihm in ständiger Angst und von ihm getrennt lebte, durch Heimtücke dazu gebracht, die Tür ihrer Wohnung im dritten Obergeschoss des Mehrfamilienhauses an der Hensen­straße zu öffnen. Der Angeklagte, ausgestattet mit einem Messer mit 20 Zentimeter langer Klinge, Pfefferspray, Mundschutz und Einmalhandschuhen hat nach dem Resümee des Staatsanwalts in klarer, langfristig geplanter Tötungsabsicht die Wohnung betreten und die Frau massiv mit Spray und Messer attackiert. Er fügte ihr viele tiefe Stichwunden zu.

Symbolische Demütigung

Ein zweites Mordmerkmal sieht der Staatsanwalt darin verwirklicht, dass der Täter das Gesicht seiner Frau verstümmelte. Er schnitt ihr unter anderem die Nase ab. Teile des Gesichtes, die nachher nicht gefunden wurden, habe er in der Toilette der Wohnung heruntergespült – um sein Opfer symbolisch weiter zu demütigen.

Die Verteidiger blieben in ihrem Plädoyer bei ihrer bereits zu Anfang des Prozesses erklärten Version: Der Angeklagte sei in die Wohnung gegangen, um einen weiteres Mal eine Versöhnung mit der scheidungswilligen Frau zu versuchen. Die tödliche Tat habe er im „Affektsturm“ begangen. Sie plädierten dafür, den Mann wegen Totschlags zu verurteilen, also zu einer Freiheitsstrafe von einem bis zu zehn Jahren.

Letzte Worte des Angeklagten

Der Angeklagte hatte das letzte Wort – und als er sich nach einer Verhandlungspause gefasst hatte, sagte er: „Ich entschuldige mich bei meinen Kindern.“ Sonst nichts.

Das Urteil soll am kommenden Montag (19. Juni) gesprochen werden.

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