Faltplan zur Skulpturenausstellung
Manchmal etwas orientierungslos

Münster -

Der Faltplan zur Skulpturenausstellung stößt nicht nur auf Beifall. Bei der ersten Auflage waren die Erläuterungen zu den Künstler nicht zu lesen. Jetzt arbeitet das Team von den Skulptur-Projekten an der dritten Auflage und feilt immer noch an den Feinheiten.

Samstag, 24.06.2017, 08:00 Uhr aktualisiert: 28.06.2017, 08:34 Uhr
Der Faltplan für die Skulpturen-Ausstellung in Münster stößt nicht überall auf positive Resonanz.
Der Faltplan für die Skulpturen-Ausstellung in Münster stößt nicht überall auf positive Resonanz. Foto: Matthias Ahlke

Der Faltplan zur Skulpturen-Ausstellung 2017 geht im LWL-Museum am Domplatz schnell weg. Drei Euro kostet dieser Übersichtsplan, mit dem viele Gäste der Ausstellung zurzeit durch die Stadt spazieren – manche aber trotz des groben Stadtplans etwas orientierungslos.

Beim ersten Besucheransturm waren nach Angaben von Jana Duda, Pressesprecherin der Skulptur-Projekte, nach der Eröffnung jeweils 20 000 Faltpläne sowohl in deutscher als auch in englischer Sprache schnell vergriffen. Dabei stellte sich heraus, dass sich einige Fehler eingeschlichen hatten. Manche Standorte seien nicht eindeutig gekennzeichnet worden, so Duda. Erstellt wurde der Plan übrigens von den Grafikern Urs Lehni und Lex Trüb in der Schweiz. Inzwischen sei vor allem die deutsche Auflage des Faltplanes zunehmend gefragt.

Skulptur-Projekte: Alle Künstler - alle Werke

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  • Bei den fünften Skulptur-Projekten im Jahr 2017 sind 35 Werke zu sehen. Hier alle beteiligten Künstler und sämtliche Projekte im Kurzporträt:

    Foto: Matthias Ahlke
  • Ei Arakawa:

    Ein Mini-Museum mit sieben Gemälden plus Musik auf grüner Wiese vor Haus Kump – vor allem abends schön.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Nairy Baghramian:

    pseudounfertige Skulpturen auf Schraubenschlüsseln finden sich am Erbdrostenhof.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Aram Bartholl:

    Lagerfeuer-Feeling in gedachter Endzeit gibt es an drei Standorten: H1-Tunnel, Pumpenhaus und Fernsehturm.

    Foto: Henning Rogge
  • Cosima von Bonin/Tom Burr

    Die schwere Moore-Plastik am Landesmuseum wird scheinbar vom Tieflader abgeholt. Auf der Kiste steht „Fragile“ für „Zerbrechlich“.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Andreas Bunte:

    hängt am H1-Vorplatz, Stadthaus-1-Innenhof und bei der VHS Plakate mit Fotos einer Installation auf. Via QR-Code gibt es Töne und Bilder.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Gerard Byrne

    Gerard Byrne setzt im Klaviersaal der Stadtbücherei das Verhältnis von Musik, Sprache und Bild in Szene.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Camp:

    (Shaina Anand und Ashok Sukumaran) spannt an der Theaterruine ein Netzwerk, das Informationen über das Theater und die Umgebung vermittelt.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Michael Dean

    Michael Dean verhängt den Lichthof des Landesmuseums mit transparenter Folie und zeigt darin Schriftzeichen-Skulpturen.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Jeremy Deller:

    hat Kleingärtner zehn Jahre lang Tagebuch schreiben lassen. Respektable 33 Bücher werden ausgestellt.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Nicole Eisenman:

    hat einen Brunnen für die Kreuzschanze schaffen, der aus unbekleideten Frauen besteht.

    Foto: Oliver Werner
  • Ayşe Erkmen:

    lässt Menschen im Hafen über eine Brücke unter Wasser gehen.

    Foto: Oliver Werner
  • Lara Favaretto:

    stellt am Ludgeriplatz gegenüber ein Denkmal für Kolonialkriegsopfer einen Spardosen-Monolithen für Flüchtlinge auf.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Hreinn Friðfinnsson:

    platziert auf einer Wiese im Sternbuschpark sein Edelstahl-Hausskelett.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Ludger Gerdes:

    hat 1989 über dem Ordnungsamt Marl das Leuchtschild „Angst“ anbringen lassen; bis zum 1. Oktober hängt es am Aegidiimarkt.

    Foto: Gerhard Kock
  • Pierre Huyghe:

    stellt die ehemalige Eissporthalle auf den Kopf für ein Habitat.

    Foto: Oliver Werner
  • John Knight:

    vermisst das neue Landesmuseum mit einer überdimensionierten Wasserwaage.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Justin Matherly:

    stellt den Nietzsche-Felsen in der Nähe des Hauptbahnhofs auf Gehhilfen und thematisiert dessen Erweckungserlebnis.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Christian Odzuck:

    stellt eine dem Gebäude der Oberfinanzdirektion nachempfundene Architektur aus recyceltem Material der abgerissenen OfD auf die Brache.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Peles Empire:

    (Barbara Wolff, Katharina Stöver) machen den Archetyp des Prinzipalmarkt-Giebels gegenüber dem Aegidiimarkt begehbar.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Alexandra Pirici:

    lässt Tänzer im Friedenssaal Bewegungen zum Thema Frieden und Staaten aufführen.

    Foto: Oliver Werner
  • Mika Rottenberg:

    eröffnet gegenüber dem Gefängnis in einem ehemaligen Asia-Laden einen Asia-Laden mit Videos.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Xavier Le Roy mit Scarlet Yu:

    lassen Münsteraner in der Innenstadt pantomimisch Skulpturen darstellen, um mit Fremden ins Gespräch zu kommen.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Sany:

    (oder besser: Samuel Nyholm) zeigt seine fallenden Figuren als Brennmalerei auf Holz an mehreren Stellen in der City.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Gregor Schneider:

    hat im Landesmuseum die Wohnung von N. Schmidt eingerichtet.

    Foto: Henning Rogge
  • Thomas Schütte:

    zeigt auf dem ehemaligen Zoo-Gelände die Reinform des Tempels in Rostrot.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Nora Schultz:

    will mit Installation und Videos die Wucht der Architektur des neuen Landesmuseums brechen.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Emeka Ogboh macht die Weltmusik des in Münster begrabenen Komponisten Moondog im Hamburger Tunnel hörbar und ließ in Belgien Bier unter dem Einfluss von Musik aus Lagos brauen.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Michael Smith:

    lädt über 65-Jährige ein, sich kostengünstig Tattoos von Arbeiten internationaler Künstler stechen zu lassen.

    Foto: Martin Kalitschke
  • Hito Steyerl:

    stellt „Hell-YeahWeFuckDie“ als Leuchten in die LBS – Wörter, die in Popsongs der Gegenwart häufig sind – und thematisiert zudem, wie Menschen mit Robotern umgehen.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Koki Tanaka:

    zeigt in der Johannisstraße 18/20 Videos von Workshops mit Münsteranern, die darüber nachgedacht haben, wie Menschen zusammenleben und Unbekanntes teilen.

    Foto: Henning Rogge
  •  Oscar Tuazon:

    bereichert eine Industriebrache am Stadthafen mit einer Art öffentlichem Betonkamin.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Bárbara Wagner und Benjamin de Burca:

    singen in der Uralt-Disco „Elephant Lounge“ Schmalz-Schlager mit kritischen Texten: „Bye Bye Deutschland! Eine Lebensmelodie.“

    Foto: Matthias Ahlke
  • Cerith Wyn Evans kühlt eine Glocke von St. Stephanus auf Winter-Temperatur. Zu den üblichen Gottesdienstzeiten (samstags um 17 Uhr und sonntags um 10.30 Uhr) können die Menschen hören, ob dies einen Unterschied macht - und wenn welchen.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Hervé Youmbi:

    hängt zwischen die Bäume des alten Überwasserfriedhofs über die Bronzefiguren Masken, die Motive aus Afrika mit dem Horrorgesicht aus den „Scream“-Filmen kombiniert – ein Maskenball der besondern Art.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Gintersdorfer/Klaßen starten im Pumpenhaus ihre öffentlichen Performance-Proben „Erniedrigung ist nicht das Ende der Welt“. (Symbolfoto)

    Foto: pd

Neue Auflagen mit Korrekturen

Neben der manchmal nicht eindeutigen Standortangabe war es für die Käufer der ersten Faltplan-Serie besonders schwierig, die rosa Schrift auf der Rückseite zu lesen. Dort sind sämtliche Künstler, die an der Skulpturen-Ausstellung 2017 teilnehmen, verzeichnet. Aber auch die Adressen, wo die Kunst steht. Die passenden Buslinien, die die Besucher nutzen können, sind angegeben. Darüber hinaus gibt es Hinweise zu den sogenannten Satelliten. Die Rückmeldungen, dass der Plan schlecht zu lesen sei, bekamen die Produzenten der Pläne im LWL-Museum von den Käufern. Schon die zweite Auflage wurde darum mit deutlicheren Farb-Akzenten in einer Auflage von 15 000 Stück in deutscher Sprache und 10 000 Stück in englischer Sprache gedruckt. Allerdings, sagt Duda, sei die Schriftgröße nicht verändert worden.

Jetzt feilt die Skulptur-Projekte-Pressestelle am Entwurf der dritten Auflage. In Ruhe möchte man weitere Korrekturen einfließen lassen und die Karte verbessern. Jana Duda spricht von einem „Learning by doing“- Prozess. Erfahrungsgemäß lerne man im Laufe der Zeit, an welchen Stellen es hakt. Dass nicht jeder glücklich darüber ist, das sei ihnen bewusst. „Aber da sind wir sehr robust.“ Duda: „Wir haben das Gefühl, dass der Faltplan viel Service bietet.“

Regen-Klischee als "poetischer Text-Anfang"

Weniger zum Schmunzeln könnten Münsteraner dagegen den Textbaustein zu Beginn der Informationen auf der Rückseite des Faltplanes empfinden. Duda spricht von einem Text mit Augenzwinkern. In der Tat aber könnte der ihrer Meinung nach „poetische Textanfang“ bei den Münsteranern Missfallen erzeugen. Da heißt es beispielsweise: „Sie befinden sich in Münster. Es regnet in Strömen, Sie müssen sich unterstellen, um einen Blick auf die Karte zu werfen. Ah gut, das Projekt scheint sich in einem Gebäude zu befinden . . .“

Der Spruch, dass es in Münster entweder regnet oder die Glocken läuten, trifft schon länger nicht mehr zu. Denn seit Eröffnung der Skulptur-Projekte hat es in dieser Stadt nur minimal geregnet.

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