Kreisverkehre in Münster
Es läuft nicht immer rund

Münster -

In Münster gibt es besonders in den Außenbezirken immer mehr Kreisverkehre. Weil dort langsamer gefahren wird und die Lage übersichtlicher als an klassischen Kreuzungen ist, gibt es weniger Unfälle. Radfahrer sind aber dennoch gefährdet, wenn die Regeln nicht beachtet werden.

Sonntag, 25.06.2017, 12:00 Uhr
Innerorts haben Radler und Fußgänger wie hier an der Von-Esmarch-Straße den Vorrang vor Autos im Kreisverkehr.
Innerorts haben Radler und Fußgänger wie hier an der Von-Esmarch-Straße den Vorrang vor Autos im Kreisverkehr. Foto: hpe

Weniger Staus, der Verkehr fließt gleichmäßiger, und nachts muss an menschenleeren Straßen niemand lange vor einer roten Ampel warten: Kreisverkehre schießen auch in Münster wie Pilze aus dem Boden und kaum ein Neubaugebiet kommt ohne die runden Fahrspuren aus. Doch nicht imme r läuft alles rund in den Kreiseln.

„Praktisch, weniger Konfliktpunkte, aber dennoch nicht ungefährlich“, meint Polizei-Verkehrssicherheitsberater Christoph Becker. Und „nur wenn alle aufmerksam sind und zur Not auch mal auf ihr Vorfahrtsrecht verzichten“, klappt es laut Polizei auch mit dem harmonischen Nebeneinander von Radler, Fußgänger und Autofahrer.

Ludgerikreisel ist besonders unfallträchtig

Besonders unfallträchtig und für Radfahrer leider auch immer wieder lebensgefährlich ist Münsters sehr hoch frequentierter Ludgerikreisel. 38 000 Autos und 12.000 Radler kommen sich dort täglich mehr oder weniger in die Quere. ... Mehr dazu

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Radfahrer und Fußgänger haben Vorrang

Mal abgesehen vom Spezialfall Ludgerikreisel gilt für alle innerstädtischen Kreisverkehre eine klare Regel: Radfahrer und Fußgänger haben Vorrang, der Autoverkehr muss warten. Becker: „Es kommt bei geschätzt einer Millionen Fahrradfahrten pro Tag quasi zwangsläufig immer wieder zu gefährlichen Situationen. Radfahrer geben kein Handzeichen, wenn sie den Kreisverkehr verlassen. Andere fahren entgegengesetzt der Fahrtrichtung, und damit rechnet ein Autofahrer nicht.“

Und Autofahrer blinken nicht beim Verlassen des Kreisels, obwohl das Pflicht ist. Auch der obligatorische Schulterblick wird laut Polizei gerne vergessen, die Folgen sind Unfälle mit verletzten Radlern.

ADFC will eine einheitliche Regelung

Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) fordert die sofortige Abschaffung der unterschiedlichen Vorfahrtsregelungen in Münsters Kreisverkehren. ... Mehr dazu

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Geisterfahrten nahezu vorprogrammiert

Außerhalb der geschlossenen Ortschaft sind die Regeln genau umgedreht. Hier haben die Autofahrer Vorrang und alle anderen Verkehrsteilnehmer müssen warten. „Außerorts ist es eher unproblematisch, Unfälle sind an diesen Kreisverkehren selten“, so Becker. Allerdings sind Kreisverkehre außerhalb geschlossener Ortschaften häufig nicht beleuchtet und weil es manchmal nur auf eine Seite der Landstraße einen Radweg gibt, sind Geisterfahrten im Kreisverkehr nahezu vorprogrammiert.

Kunst im Kreisel

Kunstwerke auf der Kreisinsel werden von Becker eher als kritisch angesehen. „Die Verkehrssituation ist ohnehin schon anspruchsvoll, da sollte besser nichts im Kreis stehen, das ablenkt“, so der Verkehrssicherheitsberater. Bäume und Mauern sind dort ohnehin tabu, weil starre Hindernisse die Unfallfolgen verschlimmern würden.

Innenring nicht überfahren

Was auch kaum ein Autofahrer weiß: Der oftmals betonierte, gepflasterte oder nur mit einem weißen Streifen markierte Innenring ist Teil der Mittelinsel und darf von Pkws nicht überfahren werden. Ausgenommen sind Busse und Lastwagen, die sonst im wahrsten Sinne des Wortes im Kreisel die Kurve nicht kriegen würden.

Beim Thema „Lastwagen“ hat die Polizei ebenfalls eine klare Botschaft an die Radfahrer. Becker: „Wer im toten Winkel fährt, sollte im zweifel besser auf sein Vorfahrtsrecht verzichten, wenn ein schweres Fahrzeug abbiegt.“

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