Klassenfahrten
Trotz Terrorgefahr nach London

Münster -

London ist ein beliebtes Ziel für Klassenfahrten. Doch die britische Hauptstadt wurde schon mehrfach von terroristischen Anschlägen erschüttert. Verändert das die Reisepläne von Schulen?

Montag, 26.06.2017, 08:00 Uhr
Der Big Ben in London ist wohl einer der bekanntesten Wahrzeichen. Auch Münsters Schüler werden ihn in Zukunft noch zu sehen bekommen – zumindest, wenn die Terrorgefahr nicht weiter steigt.            
Der Big Ben in London ist wohl einer der bekanntesten Wahrzeichen. Auch Münsters Schüler werden ihn in Zukunft noch zu sehen bekommen – zumindest, wenn die Terrorgefahr nicht weiter steigt.             Foto: dpa

Eine Fahrt mit einem roten Doppeldecker-Bus und ein Erinnerungsfoto am Big Ben: London ist für viele Klassenfahrten ein beliebtes Ziel. Doch die britische Hauptstadt wurde – wie Paris oder Brüssel – mehrfach Ziel terroristischer Anschläge. Davon lassen sich die münsterischen Schulen aber nicht abhalten.

Hendrik Snethkamp ist Schulleiter am Ratsgymnasium und macht deutlich: „Wir haben uns einstimmig dafür ausgesprochen.“ Die Siebtklässler fahren jedes Jahr nach England und verbringen zwei Tage in London. Für Snethkamp gehört das zum Bildungsauftrag der Schule dazu. Er findet: „Es ist wichtig, Ängste ernst zu nehmen. Aber wir sind auch Teil einer freien Gesellschaft.“

Weder von der Stadtverwaltung noch von der Bezirksregierung gibt es Ratschläge. „Die Entscheidung liegt bei den Schulleitern“, machte eine Sprecherin der Bezirksregierung deutlich.

Entscheidung in Haltern

Das Halterner Joseph-König-Gymnasium hat ihre für Herbst geplanten Ausflüge nach London abgesagt. Schulleiter Ulrich Wessel hat dies wegen der anhaltenden Terrorgefahr in Englands Hauptstadt entschieden. Insgesamt 73 Schülerinnen und Schüler der Halterner Schule werden im Herbst zwar nach Südengland fahren, aber der Abstecher nach London entfällt. Wegen des Germanwings-Absturzes, bei dem vor zwei Jahren 16 Schülerinnen und Schüler sowie zwei Lehrerinnen auf der Rückreise von einem Spanien-Austausch ums Leben kamen, wolle er die Verantwortung für eine Fahrt nach London nicht übernehmen, sagte Wessel.

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Am Johann-Conrad-Schlaun-Gymnasiums, wo Dr. Lothar Jansen Rektor ist, sollen alle geplanten Fahrten stattfinden. „Wenn es eine aktuell gefährdende Situation gibt, muss man neu entscheiden“, erklärt er. Der Schulleiter betont: „Terroristen könnten auch auf den Schulhof eindringen.“

Auch am Pascalgymnasium werde spontan entschieden, sagt Schulleiter Ralf Brameier: „Was nach den Sommerferien ist, weiß ich nicht.“ Er gibt aber zu: „Mit Fahrten nach London hätte ich im Moment ein Problem.“ Die geplanten Fahrten „werden stattfinden, es sei denn die Lage verschärft sich“. Für ihn hat die Sicherheit höchste Priorität: „Auf keinen Fall käme ich auf die Idee, Schüler oder Kollegen Gefahren auszusetzen.“

An der Geschwister-Scholl-Realschule steht in zwei Wochen eine Fahrt nach England an. Das Programm wurde etwas verändert, so Schulleiter Clemens Krause: „Die Schüler werden keine öffentlichen Verkehrsmittel nutzen.“ Sorgen macht er sich nicht: „Wir schätzen die Bedrohungslage nicht so hoch ein.“ Er sagt: „Wir müssen damit leben und die Schüler müssen lernen, damit umzugehen.“

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