Der Chor Canticum novum präsentierte „Klänge des Nordens“
So klar wie Quellwasser

Münster -

Wenn „Klänge des Nordens“ annonciert werden, denkt man sofort an Weite und ein ganz spezifisches Licht. Und natürlich an den nordischen Ton, für den traditionell der Name Edvard Grieg bürgt. Eben jener fehlte aber auf der Liste der zwölf Komponisten, die am Sonntag in der Herz-Jesu-Kirche erklangen. Eine Überraschung. Dass aber Michael Schmutte und sein exzellenter Chor „Canticum novum“ dies nordische Dutzend klar wie Quellwasser interpretieren würden, überraschte natürlich nicht.

Montag, 26.06.2017, 17:21 Uhr
Michael Schmutte (vorne) und sein Chor „Canticum novum“ brachten „Klänge des Nordens“ zu Gehör.
Michael Schmutte (vorne) und sein Chor „Canticum novum“ brachten „Klänge des Nordens“ zu Gehör. Foto: zin

Die Chortradition Schwedens und Norwegens trug besonders im 20. Jahrhundert Früchte – so war der Großteil der Komponisten Zeitgenossen. Und auch das Baltikum war mit schönen, ausdrucksvollen Chorstücken vertreten. Jedes Werk kam in seiner transparenten Klangstruktur dem Charakter von Canticum novum wunderbar entgegen. Wie gewohnt wurden die sakralen Bögen ausdrucksvoll intoniert, schwebende Melismen entfalteten sich im Raum, ohne hallig zu zerfließen.

Ob geistlich oder volkstümlich – Schmutte „malte“ die Stücke so, wie man ihn kennt: mit feinem Pinsel und leichter Hand. Wenn das „Sanctus“ (1999) von Jan Sandström zunächst basslos emporschwebt, klingt es schwerelos. Alles sehr episch und langsam, eine quasi zeitlose Frömmigkeit zele-brierend, die weder archaisch noch modern klingt. Das Sanctus von Ola Gjeilo ist zehn Jahre später entstanden und scheute keine chromatischen Reibungen.

Der Volksliedton („Uti vår hage“), den Hugo Alfvén (1872-1960) in kunstvollen Chorsatz übertrug, war ebenso schwelgerisch wie die Hymne an Sankt Martin von Vaclovas Augustinas. In atemloser Stille lauschte das Publikum diesem fein austarierten, sakralen Chorklang, der ab und zu von moderneren Techniken durchbrochen wurde.

Da wäre etwa die Motette „Fürchte dich nicht“, von Sven-David Sandström vor zehn Jahren komponiert. Da zischten die Konsonanten scharf durch die Lippen der Sängerschaft („Ffff-ffü-fürchte“), zitterten und bebten ängstlich auf rhythmisch schwankendem Grund. Das machte Eindruck und war subtil gemacht.

Ähnlich lautmalerisch klang das Stück von Peteris Vasks (geboren 1946). Der lettische Pfarrerssohn hatte – wie in vielen seiner Stücke – das „Volksgefängnis Sowjetunion“ (Vasks) hier mit einkomponiert. Ziles ziņa, die symbolische „Botschaft der Meise“, lässt den Chor das hämische Lachen eines Kriegsherren lachen und die Choristen durch die Zähne zischen. Und wenn ein dissonantes Fortissimo kommt, dann klingt bei Canticum novum auch das noch schön.

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