Mo., 26.06.2017

Veterinäramt ermittelt wegen möglicher Tierversuche an der Medizinischen Fakultät Illegales Tierlabor entdeckt

Münster - 

Die Spitze der Westfälischen Wilhelms-Universität (WWU) ist entsetzt über einen möglichen Tierskandal an der Medizinischen Fakultät. Wie Uni und Stadt Münster am Mittwochabend bestätigten, wurden im Keller einer Einrichtung der Fakultät 77 Mäuse in einem offensichtlich illegalen Tierlabor entdeckt. Nach Informationen unserer Zeitung soll es sich dabei um die Hautklinik handeln.

Von Ralf Repöhler

Das städtische Veterinäramt wurde eingeschaltet und ermittelt in aufwendigen Befragungen, ob es sich in diesem Fall ausschließlich um illegale Tierhaltung handelt, was eine Ordnungswidrigkeit wäre, oder um illegale Tierversuche, was eine strafrechtliche Relevanz hätte. Fest steht bereits: Einen vergleichbaren Fall gab es bislang nicht an der WWU.

Die Medizinische Fakultät hat auf Anordnung des Veterinäramtes und mit sofortiger Wirkung die nicht genehmigte Haltungseinrichtung für Versuchsmäuse geschlossen. Ein anonymer Hinweis war am Dienstag eingegangen, die Verantwortlichen der Fakultät hatten daraufhin sofort den Raum inspiziert und das Veterinäramt informiert.

Die Betreuung der Mäuse wurde der Zentralen Tierexperimentellen Einrichtung (ZTE) der Medizinischen Fakultät übertragen, die eine Haltungserlaubnis hat. Sechs Tiere mussten laut Universität allerdings „wegen ihres schlechten Zustandes“ und auf Anordnung der Amtstierärztin getötet werden. Die übrigen Mäuse seien in einem guten Zustand.

Das Veterinäramt muss in einer umfangreichen Detailarbeit klären, wie viele Personen von der nicht genehmigten Einrichtung wussten und wer Zugang zu dem Raum hatte, der offenbar über einen längeren Zeitraum genutzt worden war.

Der Dekan der Fakultät, Prof. Dr. Matthias Herrmann, und der Rektor der Universität, Prof. Dr. Johannes Wessels, sagten dem Veterinäramt ihre Unterstützung zu. Wessels: „Wir sind entsetzt über diesen Vertrauensbruch und über dieses Verhalten, weil sich die Universität einem verantwortungsvollen Umgang mit Tierexperimenten verpflichtet fühlt.“ Dienstrechtliche Konsequenzen seien sehr wahrscheinlich, was von den laufenden Untersuchungen und Befragungen abhänge.

Der Sprecher der Stadt Münster, Joachim Schiek, bestätigt, dass dieser Einrichtung der Medizinischen Fakultät keine Erlaubnis zur Tierhaltung vorlag. Sollten sich Experimente herausstellen, die für die Tiere mit Schmerzen und Leiden verbunden waren, würden Strafanzeigen fällig werden, so Schiek. 



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