Das „Fyal“ erlebt seine zweiten Skulptur-Projekte
Kunst und Kult

Münster -

Es ist Mittwochmittag, und das Wetter ist mal wieder genau so, wie es Münster immer nachgesagt wird. Es gießt in Strömen. Von einem Augenblick auf den nächsten wird es voll in der Szene-Kneipe Fyal am Geisbergweg. In der langen Schlange vor der Theke stehen tropfende Studenten neben Markt-Besuchern, denen es so gerade noch gelungen ist, ihre Einkaufstüten ins Trockene zu retten.

Donnerstag, 29.06.2017, 11:00 Uhr
Jens Abeler mit seinem Hund „Schröder“. Den beiden kann man praktisch täglich im Fyal am Geisbergweg begegnen.
Jens Abeler mit seinem Hund „Schröder“. Den beiden kann man praktisch täglich im Fyal am Geisbergweg begegnen. Foto: kal

Während vorne Kaffee in Tassen gefüllt wird, hetzt Jens Abeler nach draußen, um Sitzkissen und Zuckerstreuer einzusammeln. Seit zehn Jahren ist er der Chef des Fyal – und längst nicht mehr aus der münsterischen Szene wegzudenken. Das gilt auch für seinen Hund „Schröder“, einen Hush Puppy, der Dauergast in den sozialen Medien ist. Moment – hatte er nicht früher zwei Hush Puppys? „Richtig – der zweite lebt heute bei Freunden in Freiburg“, stellt Abeler klar.

Derzeit erleben er und das Fyal eine ganz besondere Zeit. Es sind mal wieder Skulptur-Projekte – wie damals, vor zehn Jahren, als das Fyal seine Pforten öffnete. Anfangs als temporäres Kunst- und Kneipen-Projekt angedacht, entschied sich Inhaber David Deilmann nach Ende der Skulptur-Projekte 2007 indes schnell, das Fyal vom Provisorium zur Dauereinrichtung zu machen.

Von der Aushilfskraft zum Chef

Mittlerweile ist Jens Abeler 37. Seine Karriere beim Fyal verlief steil. Als es öffnete, war er als Aushilfskraft dabei – nur wenige Monate später war er bereits Chef. Noch immer grinst er breit, wenn er die Abkürzung auflöst. Fyal steht für „Fuck you art lovers“ – frei übersetzt: „Kunstliebhaber, ihr könnt uns mal.“ So richtig ernst war das freilich nie gemeint. Zum einen hat die Kneipe damals wie heute gerade Kunstfans als potenzielle Kunden im Visier. Zum anderen kann man sich beim Blick durch den Raum nur allzu gut vorstellen, dass die Leute, die hier gerade sitzen, einiges für Kunst übrig haben.

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Und schließlich ist das Fyal selbst ein Ort der Kunst. Seit Anfang an gibt es hier Kunstausstellungen, manche Fotografen oder Maler haben es mittlerweile weit gebracht, erzählt Jens Abeler. Aktuell sind Arbeiten des Berliner Kollektivs „Inner Fields“ zu sehen, im Juli ist eine Lichtinstallation im Schacht hinter dem Fyal geplant, weitere spontane Pop-Up-Aktionen werden noch hinzukommen, verspricht der Chef

Aus Münster nicht mehr wegzudenken

Mittlerweile hat der Regen nachgelassen. Allmählich wird es wieder leerer im Fyal, dessen Publikum an diesem Mittwochmittag bunt gemischt ist. Neben drei Frauen mit Säuglingen sitzen Studenten mit Apple-Laptops, eine ältere Frau hält am Fenster eine Zeitung ins Licht, ein Ehepaar studiert den Plan der Skulptur-Projekte. Im Hintergrund: wummernde House-Musik. „Ich glaube, dass das Fyal nicht mehr aus Münster wegzudenken ist“, sagt Jens Abeler und schiebt hinterher: „Ja, wir sind wohl mittlerweile sowas wie eine Kult-Kneipe geworden.“

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Am Samstag (1. Juli) ab 10 Uhr gibt es Musik vor dem Fyal.

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