Betrugsprozess
Sohn kassiert sieben Jahre Pension des toten Vaters

Münster -

Der Vater, ein pensionierter Lehrer, starb schon 2007. Doch der Sohn meldete der pensionszahlenden Behörde nicht dessen Tod und kassierte die monatliche Zahlungen. Jetzt steht er wegen Betrugs vor Gericht.

Freitag, 14.07.2017, 15:12 Uhr aktualisiert: 14.07.2017, 16:03 Uhr
 
  Foto: dpa

Als der 86-jährige Vater, ein pensionierter Lehrer 2007 gestorben war, machte der mit ihm zusammenlebende Sohn dem Amt für Besoldung und Versorgung (LBV) NRW davon keine Mitteilung. Die Pension, 2400 Euro monatlich, ging weiter auf das Konto ein, zu dem der Sohn Zugang hatte. Sieben Jahre ging das so, bis der Betrug aufflog. Deswegen steht der jetzt 50 Jahre alte Sohn seit Freitag vor der neunten Strafkammer des Landgerichts.

Verurteilung wegen schwerer Körperverletzung

Der Angeklagte, der rund 305  000 Euro kassierte, sitzt bereits in Haft, denn im vergangenen Jahr wurde er unter anderem wegen mehrfacher gefährlicher Körperverletzung bereits zu einer dreijährigen Freiheitsstrafe verurteilt. Die Gewalttaten waren unmittelbare Reaktion auf das Ausbleiben der Pensionszahlungen Anfang 2015.

Da nämlich hatte das LBV Recherchen angestellt und durch eine Nachfrage beim Einwohnermeldeamt Münster vom lange zurückliegenden Tod des Pensionsempfängers erfahren. In den Jahren zuvor hatte der Sohn mehrere Nachfragen der Behörde jeweils mit Briefen mit der gefälschten Unterschrift des toten Vaters beantwortet. Ein Verdacht war beim LBV aufgekommen weil der vermeintliche Pensionsempfänger, anders als vor 2007, niemals mehr Beihilfe für die private Krankenversicherung beantragt hatte.

Schüsse auf Passanten

Der im münsterischen Viertel "Klein-Muffi" lebende Sohn, der nach Abitur und Bundeswehrdienst keinen Beruf erlernt hat und ohne eigenes Einkommen lebte, zog im Februar und im August 2015 mit Schreckschusswaffen auf die Straße. Am Hafenweg schoss er einen 36-Jährigen Passanten aus unmittelbarer Nähe an und verletzte ihn, an der Manfred-von-Richthofenstraße schoss er im August 2015 auf einen 28-jährigen Fußgänger. Ihm setze er die Waffe an den Hinterkopf und drückte ab.

Einige Tage später ging er mit zwei historischen Vorderlader-Pistolen in eine Rechtsanwaltskanzlei in Bahnhofsnähe und bedrohte dort die Mitarbeiter mit den scharfen, mit Pulver geladenen Waffen, als ein Anwältin es ablehnte, für ihn ein Mandat wegen des Pensionsbetruges zu übernehmen. Seitdem er in der Kanzlei von der Bundespolizei überwältigt wurde, sitzt er in Haft – und das neue Verfahren wird ihm wohl eine Verlängerung der Strafe einbringen, wie der Richter am Freitag andeutete.

Der Mann machte es dem Gericht schwer, er lehnte seinen Pflichtverteidiger und ein psychologisches Gutachten ab. Ansonsten beantwortete er die Fragen des Richters mit dahergenuschelten Zahlenkolonnen oder der Feststellung: „Ich bin Beamter“, er habe schließlich mehr als drei Jahre lang Landesbesoldung erhalten. Die Äußerungen des Richters begleitete er mit unverständlicher Dauerrede.

Keine Aussage

Da er es aber klar ablehnte, Aussagen zu machen, hat das Gericht nun Zeugen geladen. Das Urteil wird in der kommenden Woche erwartet.

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