Einrichtung wird aufgegeben
Flüchtlinge verlassen Finanzamt

Münster -

Die Flüchtlingseinrichtung an der Münzstraße, im ehemaligen Finanzamt, wird aufgegeben. Bis Mitte August müssen die letzten Bewohner ausziehen.

Dienstag, 18.07.2017, 20:00 Uhr aktualisiert: 18.07.2017, 20:20 Uhr
Entfernten am Dienstag das Johanniter-Schild von der Einrichtung an der Münzstraße: (v.l.) Sofian El Garnaoui (Hausmeister), die Sozialarbeiter Sascha Medricky und Laura Stach, Johanniter-Regionalvorstand Udo Schröder-Hörster, Sozialarbeiter Daniel Nießen und Heinz Lembeck vom städtischen Sozialamt.
Entfernten am Dienstag das Johanniter-Schild von der Einrichtung an der Münzstraße (v.l.): Sofian El Garnaoui (Hausmeister), die Sozialarbeiter Sascha Medricky und Laura Stach, Johanniter-Regionalvorstand Udo Schröder-Hörster, Sozialarbeiter Daniel Nießen und Heinz Lembeck vom städtischen Sozialamt. Foto: Matthias Ahlke

Mit dem ehemaligen Finanzamt Münster-Innenstadt an der Münzstraße wurde Ende 2015 eine der prominentesten Immobilien in der Altstadt zu einer Unterkunft für Flüchtlinge. Nachdem die Zahl der Bewohner zuletzt immer mehr zurückging, wird die Einrichtung nun wieder aufgegeben. Anfang 2016 lebten hier mehr als 170 Flüchtlingen. Aktuell sind es nur noch 57, sie müssen bis zum 15. August das 1929 erbaute Gebäude verlassen, dessen künftige Nutzung noch nicht feststeht.

Für Udo Schröder-Hörster, Regionalvorstand der Johanniter, endet mit der Aufgabe der Unterkunft „eine Erfolgsgeschichte“. „Die Mitarbeiter haben hervorragende Arbeit geleistet, zudem haben wir viel Unterstützung von der Flüchtlingshilfe und aus der Nachbarschaft erfahren“, bilanziert Schröder-Hörster. „Die Akzeptanz war sehr groß.“ Die Einrichtung sei „störungsfrei übernommen und betrieben“ worden und werde nun störungsfrei geschlossen – woran auch die Bewohner ihren Anteil hätten. Auch wenn die Immobilie als Verwaltungsbau keine optimale Lösung gewesen sei, sei sie von den Flüchtlingen sehr gut angenommen worden, betont Schröder-Hörster. So gut, dass es vielen Bewohnern schwer falle, nun woanders hinzuziehen.

In mehreren Wellen hat ein Teil der Bewohner die Unterkunft bereits in den vergangenen Monaten verlassen. In diesen Fällen sei es gelungen, Wohnungen auf dem freien Markt oder aber freie Plätze in anderen Heimen zu finden, ohne dass Kinder ihre Tagesstätten oder Schulen wechseln mussten, so Heinz Lembeck vom Sozialamt. Schwieriger gestalte sich die Situation bei den 57 verbliebenen Flüchtlingen, sie müssten wohl mit „einschneidenden Konsequenzen“ rechnen.

Bis Ende 2017 wird die Stadt 2000 der einstmals rund 4000 Wohnheim-Plätze für Flüchtlinge abbauen, berichtet Lembeck. Und er geht davon aus, dass die Stadt auch danach „an der Schließungsschraube“ drehen wird – vorausgesetzt, die Flüchtlingssituation ändert sich nicht wieder.

Nachdem die Finanzbeamten das Behördengebäude verlassen hatten, zogen vorübergehend Studenten ein. Sie mussten schließlich auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise ausziehen. Wie es nun, nach dem Auszug der Flüchtlinge, mit der Immobilie weitergeht, ist noch unklar.

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Bis zum 31. Oktober läuft der Mietvertrag zwischen dem Besitzer – dem Bau- und Liegenschaftsbetrieb (BLB) – und der Stadt. „Bis dahin wird die Stadt das Gebäude wieder für eine Nutzung als Büro- bzw. Verwaltungsgebäude herrichten“, so BLB-Sprecherin Rebecca Keller am Dienstag.

In der Zwischenzeit werde der BLB prüfen, ob er den bereits vor der Nutzung des Gebäudes als Flüchtlingsunterkunft angestoßenen Verkaufsprozess weiterführt – oder ob er das Gebäude „angesichts veränderter aktueller Rahmenbedingungen“ einem Landeskunden zur Verfügung stellt. Nach Informationen unserer Zeitung soll auch die Fachhochschule Münster Interesse an einer Nutzung bekundet haben.

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