Zwangsabschaltung des Stromes bei Schwankungen
Im Notfall würde es andere treffen

Münster -

Bei (zu) starken Schwankungen im Stromnetz können einzelne Versorger gezwungen werden, in ihrem Bereich Abschaltungen vorzunehmen. Auch in Münster?

Donnerstag, 20.07.2017, 07:00 Uhr aktualisiert: 20.07.2017, 07:10 Uhr
Wenn Stromproduktion und Stromverbrauch nicht in Übereinklang zu bringen sind, kommt es zu gefährlichen Schwankungen im Netz. Örtlich begrenzte Stromabschaltungen könnten die Folge sein. Die Gefahr ist in Münster aber vergleichsweise gering.
Wenn Stromproduktion und Stromverbrauch nicht in Übereinklang zu bringen sind, kommt es zu gefährlichen Schwankungen im Netz. Örtlich begrenzte Stromabschaltungen könnten die Folge sein. Die Gefahr ist in Münster aber vergleichsweise gering.

Es ist bislang eine reine Vorsichtsmaßnahme. Aber eine, die gleichwohl insbesondere bei Stadtwerken für Diskussionsstoff sorgen. Die Rede ist vom Kaskaden-Prinzip in der Energieversorgung, das seit einigen Monaten gesetzlich festgeschrieben ist und die Gefahr eines bundesweiten oder gar internationalen Stromausfalls minimieren soll.

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Abschaltungen gegen Ausfälle

Konkret bedeutet dies: Bei nicht mehr beherrschbaren Schwankungen im Stromnetz sind kontrollierte Stromabschaltungen in bestimmten Regionen vorgeschrieben, um großflächige, unkontrollierbare Stromausfälle zu vermeiden.

„Das Kaskaden-Prinzip soll den Domino-Effekt verhindern“, so drückt es Martin Schuster aus, Pressesprecher der Stadtwerke Münster. Im Internet kursieren Informationen, wonach lokalen Stromversorgern bei Zwangsabschaltungen eine Vorwarnzeit von zwölf Minuten bleibt.

Hinter den Kulissen wird nun eifrig darüber diskutiert, ob nun einzelne Versorger besonders schnell als „Bauernopfer“ herhalten müssen.

Stromausfälle in Deutschland

Stromausfälle sind in Deutschland bislang sehr selten. Kritiker gehen aber davon aus, dass die Gefahr von gefährlichen Spannungsschwankungen im Stromnetz zunehmen werden, da die Stromproduktion bei Windrädern und Sonnenkollektoren nur schwer kalkulierbar sei. Vermehrte und auch längere Stromausfälle seien eine mögliche Folge davon. Auf der anderen Seite investieren die Energieversorger auch viel Geld in die Steuerung des Stromnetzes. Sie halten die Situation für beherrschbar. 

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Münster in günstiger Lage

Für das Versorgungsgebiet der Stadtwerke Münster bestreitet Schuster diese Gefahr energisch. Ganz abgesehen davon, dass Abschaltungen immer nur die „Ultima Ratio“ seien, „sind die Rahmenbedingungen in Münster vergleichsweise günstig“.

Schuster nennt die Details: Zwangsabschaltungen könnten vorzugsweise bei extremer Unterlast im Netz entstehen. Etwa wenn wichtige Kraftwerke ausfallen und gleichzeitig fehlende Sonne und fehlender Wind dafür sorgen, dass auch die regenerativen Energiequellen wegfallen. Auch in solchen Fällen sei eine von oben verordnete Zwangsabschaltung in Münster eher unwahrscheinlich, weil in einem solchen Fall das Hafenkraftwerk in Münster unter Volllast gefahren werden müsse, um die Unterlast auszugleichen. Stromabschaltungen wegen zu viel Strom im Netz kann sich Schuster ebenfalls kam vorstellen, weil es möglich sei, zwecks Gefahrenabwehr Windräder und Sollaranlagen „im Millisekundenbereich“ vom Netz zu nehmen.

Ganz anders sieht die Debatte in Bielefeld aus, wo bereits laut nachgefragt wurde, wie es denn möglich sei, die vorgeschriebenen örtlich begrenzten Abschaltungen „diskriminierungsfrei“ hinzubekommen.

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