Angeklagter muss drei Jahre und neun Monate in Haft
Jahrelang Pension für toten Vater kassiert

Münster -

Ein Mann hat sieben Jahre die Beamtenpension seines verstorbenen Vaters kassiert. Dafür wurde der jetzt 50 Jahre alte Sohn vom Landgericht zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren verurteilt. Er war in einem früheren Verfahren bereits wegen Körperverletzung verurteilt worden.

Donnerstag, 20.07.2017, 19:00 Uhr aktualisiert: 20.07.2017, 19:45 Uhr
 
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Der 50 Jahre alte Mann, der sieben Jahre lang die Pension seines toten Vaters kassierte, ist von der neunten Strafkammer des Landgerichts Münster für dieses Vergehen zu einer zweijährigen Haftstrafe verurteilt worden.

Der 50-Jährige hatte dem Landesamt für Besoldung und Versorgung (LBV) NRW nicht den Tod des Vaters, eines ehemaligen Lehrers, im Jahr 2007 gemeldet. Auf Schreiben der Behörde hin schickte er Briefe mit der gefälschten Unterschrift seines verstorbenen Vaters an das LBV.

Urteil mit Haftstrafe für Körperverletzung "zusammengezogen"

Das Urteil wurde mit einem früheren Urteil gegen den Mann aus dem Jahr 2016 „zusammengezogen“, wie es in der Rechtsprechung heißt. Damals war er bereits zu einer dreijährigen Haftstrafe wegen wiederholter gefährlicher Körperverletzung verurteilt worden. Die Gesamtstrafe fällt in einem solchen Fall immer niedriger aus, als die Summe beider Urteile ergeben würde. Der Münsteraner hat nun eine Gesamtstrafe in Höhe von drei Jahren und neun Monaten zu verbüßen.

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Festnahme nach Droh-Szenario

Der Mann sitzt seit September 2015 in Haft. Damals wurde er festgenommen, nachdem er in einer Rechtsanwaltskanzlei am Bahnhof die Mitarbeiter mit geladenen Waffen bedroht hatte. In den Monaten zuvor hatte er am Hafenweg und auf der Manfred-von-Richthofen-Straße zweimal auf unbeteiligte Passanten aus nächster Nähe mit Schreckschusswaffen geschossen und sie dabei verletzt. Danach war er jeweils geflüchtet.

Mit diesen Taten hatte der 50-Jährige darauf reagiert, dass ihm das LBV auf die Schliche gekommen war und Anfang 2015 die Überweisungen eingestellt hatte.

Angeklagter kassierte über 300 000 Euro

Der jetzt angeklagte Sohn, der keiner beruflichen Tätigkeit nachging und auch keine Berufsausbildung absolviert hat, hatte auf diese Weise rund 305  000 Euro zu Unrecht bezogen. Netto hatte der Mann durch den Betrug 2400 Euro monatlich zur Verfügung. Neben der Freiheitsstrafe muss er nach dem Urteil den finanziellen Schaden wieder gut machen und die Pension zurückzahlen.

Das Gericht erkannte den Verurteilten als voll schuldfähig an. Als Angeklagter hatte er eine psychiatrische Begutachtung abgelehnt. Im Prozess äußerte er sich kaum verständlich und wirr.

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