Prozess am Amtsgericht
Stollen verfehlte Schlagader knapp - Fußballer des SV Havixbeck verurteilt

Münster/Havixbeck -

Es war ein lebensgefährdender Angriff: Mit dem Stollenschuh voran war ein Spieler des SV Schwarz-Weiß Havixbeck dem Kinderhauser Kicker Fabian Bohn am 9. Oktober – wie berichtet – ins Gesicht gesprungen.

Montag, 24.07.2017, 17:50 Uhr aktualisiert: 24.07.2017, 17:56 Uhr
 
Eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und fünf Monaten verhängte das Amtsgericht Münster für den ehemaligen Havixbecker Spieler (r.). Foto: Johannes Oetz

Einen Rauswurf aus seinem Verein und eine lebenslange Sperre durch die Kreisspruchkammer hat der 30-jährige Angreifer dafür bereits kassiert. Am Montag folgten nun strafrechtliche Konsequenzen: Eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und fünf Monaten verhängte das Amtsgericht Münster, ausgesetzt zur Bewährung. 

Der brutale Angriff ereignete sich am Rande eines Fußballspiel in der Kreisliga B zwischen Westfalia Kinderhaus III und SW Havixbeck. Und er war nicht der  erste: Nach einem Zweikampf hatte der Angeklagte seinem Kontrahenten zunächst einen Kopfstoß  und einen Faustschlag verpasst. Der Schiedsrichter zückte dafür die Rote Karte. Bohn saß bereits auf der Ersatzbank. „Ich habe zur Motivation der Mannschaft geklatscht“, schilderte der 25-Jährige. Noch vom Platz aus habe der Angeklagte ihn mit einem Schienbeinschoner beworfen, sei dann losgerannt und ihm mit dem Fuß ins Gesicht gesprungen.

Angreifer entschuldigt sich

Erhebliche Verletzungen waren die Folge: mehrere abgebrochene Schneidezähne, eine Schnittverletzung unter dem rechten Auge, Schürfwunden am Hals, Blutergüsse und ein leichtes Schädel-Hirn-Trauma. Eine Woche war Bohn krankgeschrieben. Spätschäden etwa an den Zahnwurzeln seien noch nicht absehbar, berichtete der Spieler. Dabei hat er laut Attest noch Glück: Der Stollen habe das rechte Auge und die Halsschlagader um Millimeter verfehlt.

Der Angreifer habe sich in einem Telefonat tags darauf entschuldigt, so Bohn. „Es tut mir wirklich leid“, sagte der 30-Jährige auch im Prozess. Die Taten räumte er über seinen Anwalt ein. Der erklärte den Ausraster auch mit der Vorgeschichte seines Mandanten: In Serbien aufgewachsen bis zur fünften Klasse, sei er wegen der „kriegerischen Auseinandersetzungen“ nach Deutschland gekommen, habe die Schule wegen Sprachproblemen nicht fortsetzen können, es aber als Fußballer bis in die Oberliga geschafft. Eine Verletzung habe diese Karriere beendet. Im Spiel sei Weiteres hinzugekommen: Schmerzen durch einen Schlag gegen die verletzte Stelle bei dem Zweikampf, den der Spieler als nicht gepfiffenes Foul angesehen habe, die Rote Karte und Bohns Klatschen, das der Angeklagte auf seinen Verweis bezogen habe.

Teilnahme am Anti-Aggressionsprogramm

Bohns Anwalt indes fand deutliche Worte: Hier handele es sich nicht um unsportliches Verhalten, „das ist eine Straftat“. Er forderte 8000 Euro Schmerzensgeld, der Staatsanwalt eine Gesamtfreiheitsstrafe von 16 Monaten für beide Körperverletzungen – ohne Bewährung. „Der Rechtsfrieden muss wiederhergestellt werden“, sagte er und erinnerte daran, dass sich der Angriff bei einer öffentlichen Veranstaltung ereignet habe.

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Die Richterin hielt dem verheirateten Vater dreier Kinder zugute, dass er nicht vorbestraft ist und sich geständig und reuig zeigte. Die Freiheitsstrafe setzte sie auch wegen einer positiven Sozialprognose für drei Jahre zur Bewährung aus. Der Angeklagte muss 6000 Euro Schmerzensgeld sowie 1800 Euro an die Landeskasse zahlen und an einem Anti-Aggressionsprogramm teilnehmen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. 

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