Kinderhauser Landwirt schießt 40 Vögel ab
Taubenjagd empört Tierschützer

Münster -

Eine Taubenjagd mit rund 40 toten Tieren während der Schonzeit auf dem Hof des Landwirts Georg Schulze-Dieckhoff in Kinderhaus sorgt für Empörung bei Tierschützern. Weil es sich allerdings um eine sogenannte „Schwarmjagd“ handelte, war der Abschuss aus behördlicher Sicht offenbar erlaubt.

Donnerstag, 27.07.2017, 19:15 Uhr aktualisiert: 27.07.2017, 19:20 Uhr
Landwirt Georg Schulze-Dieckhoff zeigt die Schäden, die Tauben auf seinem Feld angerichtet haben..
Landwirt Georg Schulze-Dieckhoff zeigt die Schäden, die Tauben auf seinem Feld angerichtet haben.. Foto: hpe

„Durch den Tod der Elterntiere müssen jetzt die Jungvögel elendig verhungern. Gerade die Ringeltauben werden von ihren Eltern bis zu vier Monate gefüttert, bevor sie selbstständig sind“, sagt Tierschützerin Anke Voß. Zwei angeblich völlig ausgehungerte Tiere seien ihr inzwischen übergeben worden.

Nach einer Notversorgung sind die Vögel nun in einer Auffangstation untergebracht. Voß: „Ich mag mir gar nicht vorstellen, wie viele Ringeltaubenküken nun einem entsetzlichen Hungertod ausgesetzt werden. Das ist Tierquälerei.“

Schwärme dürfen gejagt werden, wenn die Ernte bedroht ist

Schulze-Dieckhoff hat inzwischen Post vom Ordnungsamt bekommen, das als Untere Jagdbehörde für Verstöße gegen Schonzeit-Regelungen zuständig ist. Der Landwirt begründet die Aktion vom 20. Juli auf den Getreidefeldern an seinem Hof. „Zur Vermeidung übermäßiger Wildschäden an landwirtschaftlichen Kulturen ist die Schonzeit in Münster für Ringeltauben zwischen Juni und Oktober aufgehoben. Die Jagd auf gefährdeten Flächen ist möglich, wenn ein ganzer Schwarm über den Acker herfällt.“

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Im konkreten Fall sollen es laut Schulze-Dieckhoff, der auch stellvertretender Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes ist, „zwischen 400 und 500 Tiere“ gewesen sein. Der Landwirt: „Die Tauben setzten sich auf das Getreide, das unter dem Starkregen schon genug gelitten hat. Sie drückten es zu Boden, fraßen die Körner und verkoteten das gesamte Areal. Wir können dieses Getreide nicht mehr ernten und als Tierfutter nutzen.“

"Jagd war völlig legal"

Die Jagd selbst habe drei Stunden gedauert, mit dabei seien auch ausgebildete Hunde gewesen. Diese hätten die toten Tiere dann aufgesammelt. „Wir haben die Tauben vergrätzt, jetzt sind sie leider irgendwo bei einem Berufskollegen“, so Schulze-Dieckhoff. Die erlegten Tiere wurden auf dem Hof „für ein leckeres Süppchen“ gerupft.

Für Ordnungsamtschef Martin Schulze Werner war die Jagd „völlig legal“, weil sie durch das Amtsblatt gedeckt sei. „Wir haben die Ausnahme der nicht anzeigepflichtigen Schwarmjagd“, so der Amtschef.

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