TedX
Plädoyer fürs Querdenken

Münster -

Könnte Julian ­Baehr ein Gesetz erlassen, würde er Plastiktüten verbieten. Doch an die Wirksamkeit von Verboten glaubt der Pharmaziestudent nicht. Baehr engagiert sich leidenschaftlich bei der Suche nach Alternativen für unseren Plastikkonsum. Bequem, praktisch und preisgünstig, sollte die sein.

Donnerstag, 27.07.2017, 23:00 Uhr
„Ohne TEDx wäre es nicht so weit gekommen“: Pharmaziestudent Julian Baehr (l.) und Christop Salzig, Kurator von TEDx Münster
„Ohne TEDx wäre es nicht so weit gekommen“: Pharmaziestudent Julian Baehr (l.) und Christop Salzig, Kurator von TEDx Münster Foto: con

Fünf Jahre liegen zwischen der ersten Idee von Julian Baehr für seine Aktivitäten, nun steht er kurz vor der Verwirklichung eines Start-Up-Unternehmens, das Mehrwegsportflaschen aus Bioplastik vertreiben will. „Ohne TEDx wäre es nicht so weit gekommen“, berichtet Baehr überzeugt, „aus einem Hirngespinst wurde ein realer Plan“. Momentan steckt er im Lernstress für den Abschluss seines Pharmaziestudiums, doch wenn er von seinen Ideen für eine bessere Umwelt spricht, leuchten seine Augen.

Alles begann damit, dass Baehr beim Surfen im Netz zufällig auf den TEDx-Beitrag von Boyan Slat stieß. „Der Inhalt hat mich total gepackt“, erinnert sich ­Baehr. Als er ein Jahr später während seines Thailandurlaubs tauchte, bestärkte dies seinen Wunsch, gegen die Vermüllung der Ozeane aktiv zu werden, allerdings so, dass flächendeckend ein Umbruch möglich wird. In dem Zusammenhang vermisst Baehr bei Slats Ansatz und dem Engagement der Nichtregierungsorganisationen Effektivität: „Das Problem wurde nicht gepackt.“

Bei einem vierwöchigen Praktikum im Institut für Molekulare Mikrobiologie und Biotechnologie der Universität Münster bei Professor Dr. Alexander Steinbüchel lernte er Details über ein Bakterium, das herkömmliches Plastik frisst und Grundstoff für Bioplastik ausscheidet, der wiederum gut abbaubar ist. Baehr sieht darin die geniale Alternative für herkömmlichen Plastik. Um seine Vorstellungen diesbezüglich publik zu machen, entdeckte der Student TEDx Münster, ein Format, das ihn begeistert: leere Bühne, kurze Redezeit, kein ablenkendes Szenarium und Konzentration aufs Wesentliche. Ermutigt vom Bruder und von Freunden bewarb sich Baehr bei TEDxMünster und erläuterte vor zwei Jahren auf der Bühne sein Konzept, mit dem Ziel, den jährlichen Verbrauch von 500 000 Kilogramm Mikroplastik in deutschen Kosmetikprodukten zu stoppen. für eine Umsetzung  dieser Idee erwies sich nach seinen Worten jedoch die Konkurrenz der Großkonzerne als zu stark. Er stellte die Idee daraufhin hintenan.

„TEDx“ – Technik, Entertainment und Design

Die TED-Konferenz ist in den USA legendär, ihre Videos sind bei Youtube rund eine Milliarde Mal abgerufen worden. Ein Ableger davon ist die „TEDx“ in Münster. TED, das steht für Technik, Entertainment und Design. Wobei der Name Konferenz eher irreführend ist. Es gibt kein Pult, keine Krawatten und auch keine Dauer-Power-Point-Präsentation. Bei TED geht es um die Idee, die es wert ist, weitererzählt zu werden. Ob sechs Regeln, wie die Arbeit einfacher wird, warum Diäten nicht funktionieren oder warum Busse Demokratie verkörpern. Das kleine „x“ steht für Independent, also unabhängig. Die TED-Macher vergeben Lizenzen an lokale Organisationen. Die sind kostenlos, schreiben aber genau vor, wie so eine Konferenz auszusehen hat. Und die Macher sollen auch kein Geld damit verdienen.

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Doch hoch motiviert durch das positive Echo auf seinen TEDx-Auftritt und zahlreiche neue Kontakte blieb sein Engagement. „Ich muss was tun“, sagte sich ­Baehr und erarbeitete mit Hilfe des BWL-Dozenten Dr. Ansgar Buschmann einen Förderantrag auf ein Start-up-Unternehmen, das Bioplastik-Sportflaschen vermarkten möchte. Nächsten Monat wird darüber entschieden, die Umsetzung ist zum Greifen nah.

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Befragt nach seinem Hobby, stutzt Baehr kurz und betitelt genau dieses Engagement gegen Plastikmüll als solches. Auch privat verzichtet er soweit möglich auf Plastik. Dafür setzt er sich voller Leidenschaft ein, bislang ohne einen Cent Profit. Falls nun der erste Förderantrag abgelehnt wird, reist ­Baehr für ein halbes Jahr nach Neuseeland zum Pharmaziepraktikum. So oder so, er engagiert sich weiter.

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Der nächste TEDx-Talk findet am 27. September von 14 bis 19 Uhr im Schloss statt. Tickets gibt es im Internet.

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