Wais Zakir aus Kabul hat im Großen Kiepenkerl eine Lehrstelle gefunden
„Das ist etwas für mich“

Münster -

Die Ausbildung zum Verfahrensmechaniker gab Wais Zakir wieder auf. Er merkte schnell: „Das ist nichts für mich.“ Der 21-Jährige freut sich um so mehr über seine Zusage für eine Ausbildung im Großen Kiepenkerl in Münster. Wais Zakir aus Kabul möchte Restaurantfachmann werden. Seine Lehre hat jetzt begonnen.

Mittwoch, 02.08.2017, 13:00 Uhr
Patric Castro Borges (l.), der im zweiten Ausbildungsjahr ist, und Niels Uphoff (r.), der ebenfalls im Großen Kiepenkerl gelernt hat und jetzt als Erster in der Gastronomie in Münster ein Duales Studium im Foodmanagement beginnt, kümmern sich um den Kollegen aus Kabul, Wais Zakir..
Patric Castro Borges (l.), der im zweiten Ausbildungsjahr ist, und Niels Uphoff (r.), der ebenfalls im Großen Kiepenkerl gelernt hat und jetzt als Erster in der Gastronomie in Münster ein Duales Studium im Foodmanagement beginnt, kümmern sich um den Kollegen aus Kabul, Wais Zakir.. Foto: gh

Seine Eltern hätten es gerne gesehen, wenn er beruflichen irgendwo im medizinischen Bereich Fuß gefasst hätte. „Warum soll ich was lernen, was mir keine Freude macht“, sagt dagegen der Azubi und jongliert das Weizenbier gekonnt zum Gast auf die Terrasse.

Deutschkenntnisse sind die Voraussetzung für die Ausbildung, sagt seine Chefin, Wilma von Westphalen. Die Sprachkenntnisse brachte der neue Azubi bereits mit. Seit dem Jahr 2004, seit seiner Herz-Operation in Bad Oeynhausen, hat er Kontakt zu Deutschland. Sechs Monate war er damals in der Klinik, dann kümmerten sich seine Pflegeeltern, Gisela und Ralf Bröenhorst, um den Jungen. Im Jahr 2011 erfolgte die zweite Operation, Wais Zakir blieb bei den Gasteltern in Löhne. Er besuchte die Gesamtschule, absolvierte seinen Realschulabschluss und ging auf ein Berufskolleg. Nebenbei verdiente er sich Geld in der Gastronomie.

Gastmutter Gisela Bröenhorst, erzählt der neue Azubi, entdeckte beim Besuch in Münster den Großen Kiepenkerl. Sie war überzeugt, das sei der richtige Ausbildungsplatz für ihn. Gisela Bröenhorst vereinbarte kurzfristig ein Bewerbungsgespräch. Zwei Tage trat der junge Mann zum Probearbeiten an, dann bekam er den Job. „Das ist was für mich“, freut sich Wais Zakir. Service, Sauberkeit und Freundlichkeit seien keine Herausforderungen für ihn, „das ist selbstverständlich“.

Im internationalen Team des Großen Kiepenkerls fühlt er sich wohl. Zakir hat sich ein Fahrrad gekauft. Was ihn ärgert ist die Rücksichtslosigkeit der Radfahrer gegenüber den Fußgängern. Daran müsse er sich gewöhnen. Auch an das westfälische Essen. Rinderrouladen und Schnitzel mag der Hobbykoch dennoch gerne.

Und bis zu seinem nächsten Besuch bei den Eltern in Afghanistan hofft er, dass diese auch seinen beruflichen Wechsel verdaut haben.

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