Angehende Postzusteller trainieren für Begegnung mit Hunden
Der will nicht nur spielen

Münster -

Eigentlich „wollen sie ja nur spielen“, doch fast 1000 Postzusteller bezahlen das jährlich in Deutschland mit einer tiefen Fleischwunde in Arm, Bein oder Gesäß. Hundeangriffe führen bei der Post nach wie vor am häufigsten zu Dienstunfällen. Was man entgegen den weit verbreiteten Einschätzung nach dem Motto „Der tut nix“ machen kann, erfuhren angehende Postzusteller am Donnerstag bei einer Hundeschulung auf dem DHL-Gelände an der Loddenheide.

Donnerstag, 03.08.2017, 19:30 Uhr aktualisiert: 03.08.2017, 19:50 Uhr
Der kleine Jack Russell hat sich festgebissen. Diesmal noch nicht im Arm des Zustellers, sondern im Trainingstuch. Hundeexperte Michael Pfaff zeigt den Post-Auszubildenden, worauf es bei der tierischen Begegnung ankommt.
Der kleine Jack Russell hat sich festgebissen. Diesmal noch nicht im Arm des Zustellers, sondern im Trainingstuch. Hundeexperte Michael Pfaff zeigt den Post-Auszubildenden, worauf es bei der tierischen Begegnung ankommt. Foto: hpe

Michael Pfaff, langjähriger Trainer für Diensthundeführer bei der Polizei, gibt Tipps zu klaren Erkennungszeichen, die auf ein aggressives Verhalten des Vierbeiners hindeuten. „Körper gespannt, Hinterbeine zum Sprung bereit, Rute steif nach oben, gefletschte Zähne.“ Spätestens jetzt ist für den Postboten „Schluss mit lustig“, und einfach wegrennen wäre die schlechteste aller Lösungen.

Leckerlis streng verboten

Weder hektische Bewegungen noch eine Augenfixierung des Tieres bauen nach Meinung des Ausbildern Provokationen zwischen Tier und Mensch ab, stattdessen helfe oft „Nichtbeachtung“. Bei gefährlichen Situationen sollte der Zusteller am besten den „geordneten Rückzug antreten“. Wenn gar nichts mehr helfe, kann man auch das Rad als Barriere nehmen oder „zur Not dem Hund das Paket ins Maul stopfen“.

Streng verboten sind das Anfüttern mit Leckerlis, Zusteller sollten auch in ihrem Stammrevier niemals sozialen Kontakt zum Tier des Kunden aufbauen. „Das wäre nicht loyal zu den Kollegen, die Angst vor Hunden haben und beispielsweise als Urlaubsvertretung im Revier austragen müssen“, meint Pfaff.

Der Angriff der "Trethupen"

Am häufigsten werden Zusteller gebissen, wenn sich die Tür öffnet. Gerade die „Trethupen“ schießen pfeilschnell durch den Spalt und schnappen zu. Der Tipp des Profis: „Mit einer Hand die Klinke von außen greifen und bei Gefahr wieder zuziehen. Ohnehin sei der Halter verantwortlich, im Zweifel gibt es eben keine Post mehr für Hundebesitzer, die ihr Tier nicht im Griff haben.

Eine coole Erfahrung, auch wenn ich nervös war.

Diandra Keck

„Zusteller sind für Hunde auch deshalb so reizvoll, weil sie die Gerüche aus den Revieren anderer Hunde mit sich bringen“, so Pfaff. Im Lehrgang erfahren schließlich alle Azubis, wie man ruhig und richtig reagieren kann. Diandra Keck (22) traut sich, mit dem Beißkissen einem Schäferhund gegenüber zu treten. „Eine coole Erfahrung, auch wenn ich nervös war“, sagt sie. Im Alltag weiß die Zustellerin jetzt aber, welche Fehler man machen kann. „Hunde riechen die Angst des Menschen“, nimmt sie als Botschaft mit.

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