Norbert L. Rumpkes „Flieger“
Künstler verärgert über Skulptur-Ergänzung

Münster -

Seit etwa 20 Jahren steht Norbert L. Rumpkes Skulptur „Der Flieger“ vor der Halle Münsterland. Irgendein Spaßvogel hat vor Kurzem eine Puppe huckepack draufgesetzt. Das dauert dem Künstler schon viel zu lange . . .

Freitag, 04.08.2017, 10:00 Uhr
„Der Flieger“ steht seit etwa 20 Jahren vor der Halle Münsterland. Die Schaufensterpuppe auf ihren Schultern ist erst vor Kurzem von Unbekannten aufgesetzt worden.
„Der Flieger“ steht seit etwa 20 Jahren vor der Halle Münsterland. Die Schaufensterpuppe auf ihren Schultern ist erst vor Kurzem von Unbekannten aufgesetzt worden. Foto: Matthias Ahlke

Der „Flieger“ hat einen Kopiloten – und das findet Norbert L. Rumpke allmählich nicht mehr lustig. Denn der „Flieger“ ist seine Schöpfung. Die Puppe jedoch, die irgendjemand in einer Nacht- und Nebelaktion auf deren Schultern gesetzt hat, gehört einfach nicht dazu.

Dabei sieht dieser Kopilot nicht einmal völlig unpassend aus: eine Schaufensterpuppe von dezenter Farbe und durchaus angemessener Proportion, die huckepack auf Rumpkes Skulptur gesetzt und dort fest vertäut wurde. Eine Ergänzung, ein witziger Kommentar vielleicht, nicht unbedingt eine Entstellung. Aber das Ganze dauert dem münsterischen Künstler einfach schon viel zu lange.

Wir freuen uns über die unverhoffte Skulptur auf der Skulptur.

Halle Münsterland

Ende Juni war die wilde Kunstaktion am Albersloher Weg bemerkt worden. Die Halle Münsterland nahm die Sache mit Humor und veröffentlichte eine Auswahl von Bildern auf ihrer Facebook-Seite: „Hurra, wir sind ein Teil der Skulptur-Projekte“, heißt es dazu. Und: „Wir freuen uns über die unverhoffte Skulptur auf der Skulptur.“

Skulptur-Projekte: Alle Künstler - alle Werke

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  • Bei den fünften Skulptur-Projekten im Jahr 2017 sind 35 Werke zu sehen. Hier alle beteiligten Künstler und sämtliche Projekte im Kurzporträt:

    Foto: Matthias Ahlke
  • Ei Arakawa:

    Ein Mini-Museum mit sieben Gemälden plus Musik auf grüner Wiese vor Haus Kump – vor allem abends schön.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Nairy Baghramian:

    pseudounfertige Skulpturen auf Schraubenschlüsseln finden sich am Erbdrostenhof.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Aram Bartholl:

    Lagerfeuer-Feeling in gedachter Endzeit gibt es an drei Standorten: H1-Tunnel, Pumpenhaus und Fernsehturm.

    Foto: Henning Rogge
  • Cosima von Bonin/Tom Burr

    Die schwere Moore-Plastik am Landesmuseum wird scheinbar vom Tieflader abgeholt. Auf der Kiste steht „Fragile“ für „Zerbrechlich“.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Andreas Bunte:

    hängt am H1-Vorplatz, Stadthaus-1-Innenhof und bei der VHS Plakate mit Fotos einer Installation auf. Via QR-Code gibt es Töne und Bilder.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Gerard Byrne

    Gerard Byrne setzt im Klaviersaal der Stadtbücherei das Verhältnis von Musik, Sprache und Bild in Szene.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Camp:

    (Shaina Anand und Ashok Sukumaran) spannt an der Theaterruine ein Netzwerk, das Informationen über das Theater und die Umgebung vermittelt.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Michael Dean

    Michael Dean verhängt den Lichthof des Landesmuseums mit transparenter Folie und zeigt darin Schriftzeichen-Skulpturen.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Jeremy Deller:

    hat Kleingärtner zehn Jahre lang Tagebuch schreiben lassen. Respektable 33 Bücher werden ausgestellt.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Nicole Eisenman:

    hat einen Brunnen für die Kreuzschanze schaffen, der aus unbekleideten Frauen besteht.

    Foto: Oliver Werner
  • Ayşe Erkmen:

    lässt Menschen im Hafen über eine Brücke unter Wasser gehen.

    Foto: Oliver Werner
  • Lara Favaretto:

    stellt am Ludgeriplatz gegenüber ein Denkmal für Kolonialkriegsopfer einen Spardosen-Monolithen für Flüchtlinge auf.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Hreinn Friðfinnsson:

    platziert auf einer Wiese im Sternbuschpark sein Edelstahl-Hausskelett.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Ludger Gerdes:

    hat 1989 über dem Ordnungsamt Marl das Leuchtschild „Angst“ anbringen lassen; bis zum 1. Oktober hängt es am Aegidiimarkt.

    Foto: Gerhard Kock
  • Pierre Huyghe:

    stellt die ehemalige Eissporthalle auf den Kopf für ein Habitat.

    Foto: Oliver Werner
  • John Knight:

    vermisst das neue Landesmuseum mit einer überdimensionierten Wasserwaage.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Justin Matherly:

    stellt den Nietzsche-Felsen in der Nähe des Hauptbahnhofs auf Gehhilfen und thematisiert dessen Erweckungserlebnis.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Christian Odzuck:

    stellt eine dem Gebäude der Oberfinanzdirektion nachempfundene Architektur aus recyceltem Material der abgerissenen OfD auf die Brache.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Peles Empire:

    (Barbara Wolff, Katharina Stöver) machen den Archetyp des Prinzipalmarkt-Giebels gegenüber dem Aegidiimarkt begehbar.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Alexandra Pirici:

    lässt Tänzer im Friedenssaal Bewegungen zum Thema Frieden und Staaten aufführen.

    Foto: Oliver Werner
  • Mika Rottenberg:

    eröffnet gegenüber dem Gefängnis in einem ehemaligen Asia-Laden einen Asia-Laden mit Videos.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Xavier Le Roy mit Scarlet Yu:

    lassen Münsteraner in der Innenstadt pantomimisch Skulpturen darstellen, um mit Fremden ins Gespräch zu kommen.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Sany:

    (oder besser: Samuel Nyholm) zeigt seine fallenden Figuren als Brennmalerei auf Holz an mehreren Stellen in der City.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Gregor Schneider:

    hat im Landesmuseum die Wohnung von N. Schmidt eingerichtet.

    Foto: Henning Rogge
  • Thomas Schütte:

    zeigt auf dem ehemaligen Zoo-Gelände die Reinform des Tempels in Rostrot.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Nora Schultz:

    will mit Installation und Videos die Wucht der Architektur des neuen Landesmuseums brechen.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Emeka Ogboh macht die Weltmusik des in Münster begrabenen Komponisten Moondog im Hamburger Tunnel hörbar und ließ in Belgien Bier unter dem Einfluss von Musik aus Lagos brauen.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Michael Smith:

    lädt über 65-Jährige ein, sich kostengünstig Tattoos von Arbeiten internationaler Künstler stechen zu lassen.

    Foto: Martin Kalitschke
  • Hito Steyerl:

    stellt „Hell-YeahWeFuckDie“ als Leuchten in die LBS – Wörter, die in Popsongs der Gegenwart häufig sind – und thematisiert zudem, wie Menschen mit Robotern umgehen.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Koki Tanaka:

    zeigt in der Johannisstraße 18/20 Videos von Workshops mit Münsteranern, die darüber nachgedacht haben, wie Menschen zusammenleben und Unbekanntes teilen.

    Foto: Henning Rogge
  •  Oscar Tuazon:

    bereichert eine Industriebrache am Stadthafen mit einer Art öffentlichem Betonkamin.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Bárbara Wagner und Benjamin de Burca:

    singen in der Uralt-Disco „Elephant Lounge“ Schmalz-Schlager mit kritischen Texten: „Bye Bye Deutschland! Eine Lebensmelodie.“

    Foto: Matthias Ahlke
  • Cerith Wyn Evans kühlt eine Glocke von St. Stephanus auf Winter-Temperatur. Zu den üblichen Gottesdienstzeiten (samstags um 17 Uhr und sonntags um 10.30 Uhr) können die Menschen hören, ob dies einen Unterschied macht - und wenn welchen.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Hervé Youmbi:

    hängt zwischen die Bäume des alten Überwasserfriedhofs über die Bronzefiguren Masken, die Motive aus Afrika mit dem Horrorgesicht aus den „Scream“-Filmen kombiniert – ein Maskenball der besondern Art.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Gintersdorfer/Klaßen starten im Pumpenhaus ihre öffentlichen Performance-Proben „Erniedrigung ist nicht das Ende der Welt“. (Symbolfoto)

    Foto: pd

Und gerade das ärgert Rumpke: „Die Halle Münsterland macht damit Werbung – ohne dass man mich vorher gefragt hat.“ Er habe sich wegen einer Erkrankung nicht darum kümmern können, sei aber davon ausgegangen, dass die Puppe umgehend entfernt werde. Was bis heute nicht geschehen ist.

„Der Flieger“

„Der Flieger“ gehört zu einer Reihe von Keilfiguren, an deren Konzept Rumpke schon seit über 30 Jahren arbeitet. Die Figur, die die Arme wie zum Abflug ausbreitet, stehe für den Traum vom Fliegen, letztlich für die Freiheit. Vor etwa 20 Jahren war sie von Rumpkes Galerist Claus Steinrötter an die Halle Münsterland verkauft worden – äußerer Anlass war die Messe „Take off“. Seitdem gehört sie zum Erscheinungsbild des Messe- und Congresszentrums.

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„Meine Figur ist meine Figur“, sagt Rumpke, der die Skulptur „wieder realisiert wissen“ will. Birgit Koch von der Halle Münsterland versichert, dass im Rahmen der „Sommerarbeiten“ die Stunde des anarchischen Kopiloten schlagen werde.

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