Skulptur-Projekte: kreative Besucher
Invasion der Steinmännchen

Münster -

Hinter dem Geologischen Museum haben Besucher der Skulptur-Projekte Hunderte Steinmännchen errichtet – und täglich kommen neue hinzu. Die Universität, Hausherr des Geländes, ist über diesen kreativen Ausbruch allerdings alles andere als amüsiert.

Freitag, 11.08.2017, 08:00 Uhr
Hunderte Steinmännchen sind in den vergangenen Wochen hinter dem Geologischen Museum errichtet worden.
Hunderte Steinmännchen sind in den vergangenen Wochen hinter dem Geologischen Museum errichtet worden. Foto: Oliver Werner

In den Hof hinter dem Geologischen Museum der Universität, versteckt zwischen Pferdegasse und Petrikirche gelegen, verirrt sich normalerweise kein Mensch. Seit Beginn der Skulptur-Projekte ist hier allerdings richtig viel los. Von morgens bis abends ist er von Kunst-Fans bevölkert, die Siah Armajanis Kunstwerk „Study Garden“, geschaffen für die Skulptur-Projekte 1987, besichtigen wollen.

Invasion der Steinmännchen

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  • Hinter dem Geologischen Museum haben Besucher der Skulptur-Projekte Hunderte Steinmännchen errichtet. Foto: Oliver Werner
  • Hinter dem Geologischen Museum haben Besucher der Skulptur-Projekte Hunderte Steinmännchen errichtet. Foto: Oliver Werner
  • Hinter dem Geologischen Museum haben Besucher der Skulptur-Projekte Hunderte Steinmännchen errichtet. Foto: Oliver Werner
  • Hinter dem Geologischen Museum haben Besucher der Skulptur-Projekte Hunderte Steinmännchen errichtet. Foto: Oliver Werner
  • Hinter dem Geologischen Museum haben Besucher der Skulptur-Projekte Hunderte Steinmännchen errichtet. Foto: Oliver Werner
  • Hinter dem Geologischen Museum haben Besucher der Skulptur-Projekte Hunderte Steinmännchen errichtet. Foto: Oliver Werner
  • Hinter dem Geologischen Museum haben Besucher der Skulptur-Projekte Hunderte Steinmännchen errichtet. Foto: Oliver Werner
  • Hinter dem Geologischen Museum haben Besucher der Skulptur-Projekte Hunderte Steinmännchen errichtet. Foto: Oliver Werner
  • Hinter dem Geologischen Museum haben Besucher der Skulptur-Projekte Hunderte Steinmännchen errichtet. Foto: Oliver Werner
  • Hinter dem Geologischen Museum haben Besucher der Skulptur-Projekte Hunderte Steinmännchen errichtet. Foto: Oliver Werner
  • Hinter dem Geologischen Museum haben Besucher der Skulptur-Projekte Hunderte Steinmännchen errichtet. Foto: Oliver Werner
  • Hinter dem Geologischen Museum haben Besucher der Skulptur-Projekte Hunderte Steinmännchen errichtet. Foto: Oliver Werner
  • Hinter dem Geologischen Museum haben Besucher der Skulptur-Projekte Hunderte Steinmännchen errichtet. Foto: Oliver Werner
  • Hinter dem Geologischen Museum haben Besucher der Skulptur-Projekte Hunderte Steinmännchen errichtet. Foto: Oliver Werner
  • Hinter dem Geologischen Museum haben Besucher der Skulptur-Projekte Hunderte Steinmännchen errichtet. Foto: Oliver Werner
  • Hinter dem Geologischen Museum haben Besucher der Skulptur-Projekte Hunderte Steinmännchen errichtet. Foto: Oliver Werner
  • Hinter dem Geologischen Museum haben Besucher der Skulptur-Projekte Hunderte Steinmännchen errichtet. Foto: Oliver Werner
  • Hinter dem Geologischen Museum haben Besucher der Skulptur-Projekte Hunderte Steinmännchen errichtet. Foto: Oliver Werner
  • Hinter dem Geologischen Museum haben Besucher der Skulptur-Projekte Hunderte Steinmännchen errichtet. Foto: Oliver Werner
  • Hinter dem Geologischen Museum haben Besucher der Skulptur-Projekte Hunderte Steinmännchen errichtet. Foto: Oliver Werner
  • Hinter dem Geologischen Museum haben Besucher der Skulptur-Projekte Hunderte Steinmännchen errichtet. Foto: Oliver Werner
  • Hinter dem Geologischen Museum haben Besucher der Skulptur-Projekte Hunderte Steinmännchen errichtet. Foto: Oliver Werner
  • Hinter dem Geologischen Museum haben Besucher der Skulptur-Projekte Hunderte Steinmännchen errichtet. Foto: Oliver Werner
  • Hinter dem Geologischen Museum haben Besucher der Skulptur-Projekte Hunderte Steinmännchen errichtet. Foto: Oliver Werner
  • Hinter dem Geologischen Museum haben Besucher der Skulptur-Projekte Hunderte Steinmännchen errichtet. Foto: Oliver Werner
  • Hinter dem Geologischen Museum haben Besucher der Skulptur-Projekte Hunderte Steinmännchen errichtet. Foto: Oliver Werner
  • Hinter dem Geologischen Museum haben Besucher der Skulptur-Projekte Hunderte Steinmännchen errichtet. Foto: Oliver Werner
  • Hinter dem Geologischen Museum haben Besucher der Skulptur-Projekte Hunderte Steinmännchen errichtet. Foto: Oliver Werner
  • Hinter dem Geologischen Museum haben Besucher der Skulptur-Projekte Hunderte Steinmännchen errichtet. Foto: Oliver Werner
  • Hinter dem Geologischen Museum haben Besucher der Skulptur-Projekte Hunderte Steinmännchen errichtet. Foto: Oliver Werner

Allein – es bleibt nicht bei der Besichtigung. Der Innenhof hat sich seit Anfang Juni zum kreativen Spielplatz der Kunstbesucher aus aller Welt entwickelt. Irgendwann fing jemand an, aus den Kieselsteinen, die im Hof liegen, ein Steinmännchen zu bauen – so eines, wie man es bei Wanderurlauben in den Alpen an jeder Weggabelung findet.

Armee aus Steinmännchen

Doch es blieb nicht bei einem Steinmännchen – mittlerweile stehen rund um das Kunstwerk Hunderte, und täglich kommen neue hinzu. Mal bestehen sie aus drei Kieselsteinen, mal aus zehn und mehr, die von unbekannten Kunstfreunden übereinandergestapelt wurden. Sie stehen auf Geländern und vor Kellerfenstern, auf Treppenstufen und Mauervorsprüngen, auf Ästen und in Astlöchern.

Längst fristet das Sitzbank-Kunstwerk ein Schattendasein. Zwar zücken die Kunst-Fans, die den Hof betreten, sofort die Kamera – doch sie lichten nicht etwa das Kunstwerk ab, sondern die Steinmännchen-Armee.

Universität nicht begeistert

Die Universität, auf deren Grund sich das alles abspielt, ist darüber alles andere als begeistert. „So kann es nicht bleiben“, sagt Uni-Sprecher Norbert Robers.

Die Kieselsteine sind nämlich nicht grundlos in den Hof gekippt worden – sie sind Bestandteil eines Gestaltungskonzepts, über das sich die Uni-Geologen lange den Kopf zerbrochen haben. Seitdem ist der Hof nicht mehr einfach nur ein Hof – sondern eine aus Sand, Pflanzen und Kieselsteinen bestehende Steppen- und Moränenlandschaft. So, wie es hier aussieht, sah früher einmal ganz Westfalen aus: Dies sei die Botschaft, die die Gestaltung vermitteln soll, sagt Robers.

Skulptur-Projekte: Alle Künstler - alle Werke

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  • Bei den fünften Skulptur-Projekten im Jahr 2017 sind 35 Werke zu sehen. Hier alle beteiligten Künstler und sämtliche Projekte im Kurzporträt:

    Foto: Matthias Ahlke
  • Ei Arakawa:

    Ein Mini-Museum mit sieben Gemälden plus Musik auf grüner Wiese vor Haus Kump – vor allem abends schön.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Nairy Baghramian:

    pseudounfertige Skulpturen auf Schraubenschlüsseln finden sich am Erbdrostenhof.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Aram Bartholl:

    Lagerfeuer-Feeling in gedachter Endzeit gibt es an drei Standorten: H1-Tunnel, Pumpenhaus und Fernsehturm.

    Foto: Henning Rogge
  • Cosima von Bonin/Tom Burr

    Die schwere Moore-Plastik am Landesmuseum wird scheinbar vom Tieflader abgeholt. Auf der Kiste steht „Fragile“ für „Zerbrechlich“.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Andreas Bunte:

    hängt am H1-Vorplatz, Stadthaus-1-Innenhof und bei der VHS Plakate mit Fotos einer Installation auf. Via QR-Code gibt es Töne und Bilder.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Gerard Byrne

    Gerard Byrne setzt im Klaviersaal der Stadtbücherei das Verhältnis von Musik, Sprache und Bild in Szene.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Camp:

    (Shaina Anand und Ashok Sukumaran) spannt an der Theaterruine ein Netzwerk, das Informationen über das Theater und die Umgebung vermittelt.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Michael Dean

    Michael Dean verhängt den Lichthof des Landesmuseums mit transparenter Folie und zeigt darin Schriftzeichen-Skulpturen.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Jeremy Deller:

    hat Kleingärtner zehn Jahre lang Tagebuch schreiben lassen. Respektable 33 Bücher werden ausgestellt.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Nicole Eisenman:

    hat einen Brunnen für die Kreuzschanze schaffen, der aus unbekleideten Frauen besteht.

    Foto: Oliver Werner
  • Ayşe Erkmen:

    lässt Menschen im Hafen über eine Brücke unter Wasser gehen.

    Foto: Oliver Werner
  • Lara Favaretto:

    stellt am Ludgeriplatz gegenüber ein Denkmal für Kolonialkriegsopfer einen Spardosen-Monolithen für Flüchtlinge auf.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Hreinn Friðfinnsson:

    platziert auf einer Wiese im Sternbuschpark sein Edelstahl-Hausskelett.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Ludger Gerdes:

    hat 1989 über dem Ordnungsamt Marl das Leuchtschild „Angst“ anbringen lassen; bis zum 1. Oktober hängt es am Aegidiimarkt.

    Foto: Gerhard Kock
  • Pierre Huyghe:

    stellt die ehemalige Eissporthalle auf den Kopf für ein Habitat.

    Foto: Oliver Werner
  • John Knight:

    vermisst das neue Landesmuseum mit einer überdimensionierten Wasserwaage.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Justin Matherly:

    stellt den Nietzsche-Felsen in der Nähe des Hauptbahnhofs auf Gehhilfen und thematisiert dessen Erweckungserlebnis.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Christian Odzuck:

    stellt eine dem Gebäude der Oberfinanzdirektion nachempfundene Architektur aus recyceltem Material der abgerissenen OfD auf die Brache.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Peles Empire:

    (Barbara Wolff, Katharina Stöver) machen den Archetyp des Prinzipalmarkt-Giebels gegenüber dem Aegidiimarkt begehbar.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Alexandra Pirici:

    lässt Tänzer im Friedenssaal Bewegungen zum Thema Frieden und Staaten aufführen.

    Foto: Oliver Werner
  • Mika Rottenberg:

    eröffnet gegenüber dem Gefängnis in einem ehemaligen Asia-Laden einen Asia-Laden mit Videos.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Xavier Le Roy mit Scarlet Yu:

    lassen Münsteraner in der Innenstadt pantomimisch Skulpturen darstellen, um mit Fremden ins Gespräch zu kommen.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Sany:

    (oder besser: Samuel Nyholm) zeigt seine fallenden Figuren als Brennmalerei auf Holz an mehreren Stellen in der City.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Gregor Schneider:

    hat im Landesmuseum die Wohnung von N. Schmidt eingerichtet.

    Foto: Henning Rogge
  • Thomas Schütte:

    zeigt auf dem ehemaligen Zoo-Gelände die Reinform des Tempels in Rostrot.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Nora Schultz:

    will mit Installation und Videos die Wucht der Architektur des neuen Landesmuseums brechen.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Emeka Ogboh macht die Weltmusik des in Münster begrabenen Komponisten Moondog im Hamburger Tunnel hörbar und ließ in Belgien Bier unter dem Einfluss von Musik aus Lagos brauen.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Michael Smith:

    lädt über 65-Jährige ein, sich kostengünstig Tattoos von Arbeiten internationaler Künstler stechen zu lassen.

    Foto: Martin Kalitschke
  • Hito Steyerl:

    stellt „Hell-YeahWeFuckDie“ als Leuchten in die LBS – Wörter, die in Popsongs der Gegenwart häufig sind – und thematisiert zudem, wie Menschen mit Robotern umgehen.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Koki Tanaka:

    zeigt in der Johannisstraße 18/20 Videos von Workshops mit Münsteranern, die darüber nachgedacht haben, wie Menschen zusammenleben und Unbekanntes teilen.

    Foto: Henning Rogge
  •  Oscar Tuazon:

    bereichert eine Industriebrache am Stadthafen mit einer Art öffentlichem Betonkamin.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Bárbara Wagner und Benjamin de Burca:

    singen in der Uralt-Disco „Elephant Lounge“ Schmalz-Schlager mit kritischen Texten: „Bye Bye Deutschland! Eine Lebensmelodie.“

    Foto: Matthias Ahlke
  • Cerith Wyn Evans kühlt eine Glocke von St. Stephanus auf Winter-Temperatur. Zu den üblichen Gottesdienstzeiten (samstags um 17 Uhr und sonntags um 10.30 Uhr) können die Menschen hören, ob dies einen Unterschied macht - und wenn welchen.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Hervé Youmbi:

    hängt zwischen die Bäume des alten Überwasserfriedhofs über die Bronzefiguren Masken, die Motive aus Afrika mit dem Horrorgesicht aus den „Scream“-Filmen kombiniert – ein Maskenball der besondern Art.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Gintersdorfer/Klaßen starten im Pumpenhaus ihre öffentlichen Performance-Proben „Erniedrigung ist nicht das Ende der Welt“. (Symbolfoto)

    Foto: pd

Steinmännchen waren hingegen kein fester Bestandteil dieser nacheiszeitlichen Landschaft. Und so werden sie demnächst wieder ins Kieselbett zurückwandern – „spätestens nach Ende der Skulptur-Projekte“, wie Robers klarstellt.

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