Pro & Contra
Beratungsgebühr im Einzelhandel

Verbraucher nutzen die Beratung im Einzelhandel, kaufen aber zunehmend im Internet. Ist es richtig, dass ein Händler eine Gebühr für den intensiven Beratungsservice einführt?

Samstag, 19.08.2017, 15:09 Uhr
 
  Foto: colourbox.com

Pro: Internet spart nicht

Geld für eine Beratung im Geschäft zu nehmen ist richtig. Die Verbraucher, die heute im Internet einkaufen, wissen tatsächlich nicht, was sie mit ihrem Verhalten anrichten. Sie werden immer dreister, stehen vor Auslagen, machen Fotos und profitieren von Beratungen in den Fachgeschäften. Dann bestellen sie zu Hause im Internet – und das ist ärgerlich.

Nur irgendwann ist der Handel futsch, dann ist das Gejammer groß, dann gibt es nichts mehr zum Anfassen oder Ausprobieren. Dann muss sich der Händler von seinem Geschäft trennen, weil er Personal und Miete nicht mehr bezahlen kann. Was dann? Dann ist eine Stadt tot. Was erhebliche Folgen für die Wirtschaft und für Arbeitsplätze haben dürfte.

Und der Verbraucher kann sich selbst um Beratung, Service und Reparaturen bemühen. Er darf seine Pakete packen und zurückschicken. Er darf persönlich mit dem Hersteller oder dem Onlinehändler über Reklamationen verhandeln – ob diese berechtigt sind oder nicht. Das kostet Zeit, Energie und Geld und ist übrigens nicht mehr so bequem wie der Einkauf im Internet, daran sollte man bei Bestellungen denken.  

Gabriele Hillmoth

Contra: Es zählt der Preis

In der Tat, fair ist das nicht: Beratung hier, Einkauf dort. Aber das hat es auch schon vor dem Internet gegeben. Damals lief der Kunde halt von Laden zu Laden, bis er die Gewissheit hatte, nur das Nötigste zu bezahlen.

Letztlich ist es doch der Preis, der zur Kaufentscheidung führt. Und dieser ist auch im Fachgeschäft nicht in Stein gemeißelt. Oft sind Händler bereit, dem selbstbewussten, gut vorinformierten Kunden bei hochpreisigen Artikeln Konditionen einzuräumen, die sich annähernd mit denen des Online-Handels messen können. Außerdem liefert das Internet ja nicht nur Preisvergleiche, sondern auch Produktinformationen und Kundenrezensionen gleich mit.

Eine Beratungsgebühr wirkt da nur abschreckend. Denn die kostenpflichtige Leistung, wenn sie denn überhaupt objektiv ist, könnte den Interessenten ja auch davon überzeugen, mit seinem Anliegen bei einem Mitbewerber besser aufgehoben zu sein. Dort wäre dann womöglich die nächste Beratungsgebühr fällig. Außerdem dürfte es vielen schwerfallen, für etwas zu bezahlen, dessen Wert sich ihnen möglicherweise niemals erschließt – sprich: die Katze im Sack.  

Uwe Wahlbrink

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