Als Hauptdarsteller in einem Skulptur-Projekt
Der „Elephant“ im Schlagerrausch

Münster -

Für den Münsteraner Markus Sparfeldt und seine Lebensgefährtin Stefani Teumner war das Singen bis vor kurzem kaum mehr als ein gemeinsames Hobby. Nun sind die beiden die Schlager-Stars des Skulptur-Projekts in der Elephant-Lounge.

Donnerstag, 24.08.2017, 12:00 Uhr
Mitwirkende im und am Skulptur-Projekt von Barbara Wagner und Benjamin de Burca, das hier in der „Elephant Lounge“ von Gerald Wissel (r.) in Endlos-Schleife läuft (v.l.): Pianist Jürgen Bleibel, Tontechniker Jochen Homann, Markus Sparfeldt und Stefani Teumner mit Baby Leonardo.
Mitwirkende im und am Skulptur-Projekt von Barbara Wagner und Benjamin de Burca, das hier in der „Elephant Lounge“ von Gerald Wissel (r.) in Endlos-Schleife läuft (v.l.): Pianist Jürgen Bleibel, Tontechniker Jochen Homann, Markus Sparfeldt und Stefani Teumner mit Baby Leonardo. Foto: Karin Völker

Es ist nicht ganz übertrieben, wenn man Markus Sparfeldt als Spätberufenen bezeichnet. Seine erwiesenermaßen gute Gesangsstimme trainiert der 49 Jahre alte Münsteraner erst seit drei Jahren. Jetzt ist Sparfeldt nicht nur als Schlagersänger zumindest in Münster berühmt, er ist auch Filmstar und Kunst. Die Skulptur-Projekte sind schuld.

Wer Markus Sparfeldt und seine Lebenspartnerin Stefani Teumner (24) privat und beruflich kennenlernen will, besucht in diesem Sommer die Elephant Lounge am Roggenmarkt. Hier läuft in Endlosschleife zehn Stunden täglich der Film der Skulptur-Projekte-Künstler Barbara Wagner und Benjamin de Burca.

Beitrag über deutschen Schlager

Die Brasilianerin und der Ire wollten einen Beitrag über den deutschen Schlager machen. Markus Sparfeldt, der im Berufsalltag die Zeitschrift „Der Monat“ in Münster herausbringt, und Stefani Teumner sind darin die Stars – und das ist alles purer Zufall. Dazu beigetragen hat Gerald Wissel, er betreibt die „Elephant Lounge“ – die von den Machern der Skulptur-Projekte als Ausstellungsort schnell ausgemacht wurde.

An einem Vormittag im August sitzt das ganze Ensemble des Films in der Disco bei schummrigem Licht, auf zwei Bildschirmen flimmern Sparfeldt und Teumner als Interpreten der Songs von Udo Jürgens und Helene Fischer – und als Paar mit Kinderwagen in Münster.

Skulptur-Projekte: Alle Künstler - alle Werke

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  • Bei den fünften Skulptur-Projekten im Jahr 2017 sind 35 Werke zu sehen. Hier alle beteiligten Künstler und sämtliche Projekte im Kurzporträt:

    Foto: Matthias Ahlke
  • Ei Arakawa:

    Ein Mini-Museum mit sieben Gemälden plus Musik auf grüner Wiese vor Haus Kump – vor allem abends schön.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Nairy Baghramian:

    pseudounfertige Skulpturen auf Schraubenschlüsseln finden sich am Erbdrostenhof.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Aram Bartholl:

    Lagerfeuer-Feeling in gedachter Endzeit gibt es an drei Standorten: H1-Tunnel, Pumpenhaus und Fernsehturm.

    Foto: Henning Rogge
  • Cosima von Bonin/Tom Burr

    Die schwere Moore-Plastik am Landesmuseum wird scheinbar vom Tieflader abgeholt. Auf der Kiste steht „Fragile“ für „Zerbrechlich“.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Andreas Bunte:

    hängt am H1-Vorplatz, Stadthaus-1-Innenhof und bei der VHS Plakate mit Fotos einer Installation auf. Via QR-Code gibt es Töne und Bilder.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Gerard Byrne

    Gerard Byrne setzt im Klaviersaal der Stadtbücherei das Verhältnis von Musik, Sprache und Bild in Szene.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Camp:

    (Shaina Anand und Ashok Sukumaran) spannt an der Theaterruine ein Netzwerk, das Informationen über das Theater und die Umgebung vermittelt.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Michael Dean

    Michael Dean verhängt den Lichthof des Landesmuseums mit transparenter Folie und zeigt darin Schriftzeichen-Skulpturen.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Jeremy Deller:

    hat Kleingärtner zehn Jahre lang Tagebuch schreiben lassen. Respektable 33 Bücher werden ausgestellt.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Nicole Eisenman:

    hat einen Brunnen für die Kreuzschanze schaffen, der aus unbekleideten Frauen besteht.

    Foto: Oliver Werner
  • Ayşe Erkmen:

    lässt Menschen im Hafen über eine Brücke unter Wasser gehen.

    Foto: Oliver Werner
  • Lara Favaretto:

    stellt am Ludgeriplatz gegenüber ein Denkmal für Kolonialkriegsopfer einen Spardosen-Monolithen für Flüchtlinge auf.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Hreinn Friðfinnsson:

    platziert auf einer Wiese im Sternbuschpark sein Edelstahl-Hausskelett.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Ludger Gerdes:

    hat 1989 über dem Ordnungsamt Marl das Leuchtschild „Angst“ anbringen lassen; bis zum 1. Oktober hängt es am Aegidiimarkt.

    Foto: Gerhard Kock
  • Pierre Huyghe:

    stellt die ehemalige Eissporthalle auf den Kopf für ein Habitat.

    Foto: Oliver Werner
  • John Knight:

    vermisst das neue Landesmuseum mit einer überdimensionierten Wasserwaage.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Justin Matherly:

    stellt den Nietzsche-Felsen in der Nähe des Hauptbahnhofs auf Gehhilfen und thematisiert dessen Erweckungserlebnis.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Christian Odzuck:

    stellt eine dem Gebäude der Oberfinanzdirektion nachempfundene Architektur aus recyceltem Material der abgerissenen OfD auf die Brache.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Peles Empire:

    (Barbara Wolff, Katharina Stöver) machen den Archetyp des Prinzipalmarkt-Giebels gegenüber dem Aegidiimarkt begehbar.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Alexandra Pirici:

    lässt Tänzer im Friedenssaal Bewegungen zum Thema Frieden und Staaten aufführen.

    Foto: Oliver Werner
  • Mika Rottenberg:

    eröffnet gegenüber dem Gefängnis in einem ehemaligen Asia-Laden einen Asia-Laden mit Videos.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Xavier Le Roy mit Scarlet Yu:

    lassen Münsteraner in der Innenstadt pantomimisch Skulpturen darstellen, um mit Fremden ins Gespräch zu kommen.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Sany:

    (oder besser: Samuel Nyholm) zeigt seine fallenden Figuren als Brennmalerei auf Holz an mehreren Stellen in der City.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Gregor Schneider:

    hat im Landesmuseum die Wohnung von N. Schmidt eingerichtet.

    Foto: Henning Rogge
  • Thomas Schütte:

    zeigt auf dem ehemaligen Zoo-Gelände die Reinform des Tempels in Rostrot.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Nora Schultz:

    will mit Installation und Videos die Wucht der Architektur des neuen Landesmuseums brechen.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Emeka Ogboh macht die Weltmusik des in Münster begrabenen Komponisten Moondog im Hamburger Tunnel hörbar und ließ in Belgien Bier unter dem Einfluss von Musik aus Lagos brauen.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Michael Smith:

    lädt über 65-Jährige ein, sich kostengünstig Tattoos von Arbeiten internationaler Künstler stechen zu lassen.

    Foto: Martin Kalitschke
  • Hito Steyerl:

    stellt „Hell-YeahWeFuckDie“ als Leuchten in die LBS – Wörter, die in Popsongs der Gegenwart häufig sind – und thematisiert zudem, wie Menschen mit Robotern umgehen.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Koki Tanaka:

    zeigt in der Johannisstraße 18/20 Videos von Workshops mit Münsteranern, die darüber nachgedacht haben, wie Menschen zusammenleben und Unbekanntes teilen.

    Foto: Henning Rogge
  •  Oscar Tuazon:

    bereichert eine Industriebrache am Stadthafen mit einer Art öffentlichem Betonkamin.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Bárbara Wagner und Benjamin de Burca:

    singen in der Uralt-Disco „Elephant Lounge“ Schmalz-Schlager mit kritischen Texten: „Bye Bye Deutschland! Eine Lebensmelodie.“

    Foto: Matthias Ahlke
  • Cerith Wyn Evans kühlt eine Glocke von St. Stephanus auf Winter-Temperatur. Zu den üblichen Gottesdienstzeiten (samstags um 17 Uhr und sonntags um 10.30 Uhr) können die Menschen hören, ob dies einen Unterschied macht - und wenn welchen.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Hervé Youmbi:

    hängt zwischen die Bäume des alten Überwasserfriedhofs über die Bronzefiguren Masken, die Motive aus Afrika mit dem Horrorgesicht aus den „Scream“-Filmen kombiniert – ein Maskenball der besondern Art.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Gintersdorfer/Klaßen starten im Pumpenhaus ihre öffentlichen Performance-Proben „Erniedrigung ist nicht das Ende der Welt“. (Symbolfoto)

    Foto: pd

Wissel kannte Sparfeldt und Teumner privat – und ihre Sangeskünste, die sie bei gelegentlichen professionellen Auftritten auf Party-Events unter Beweis gestellt hatten. Die beiden wiederum kennen Jochen Homann, der in der Sternstraße ein Tonstudio betreibt, und Homann wiederum ist ein Bekannter des Pianisten Jürgen Bleibel. In Homanns Tonstudio wurden die Songs abgemischt – und Sparfeldts Udo-Jürgens-Songs von Jürgen Bleibel am Klavier begleitet.

60 Stunden Filmmaterial

Markus Sparfeldt mag die Songs von Udo Jürgens, Stefani Teumner, die eine Gesangsausbildung absolviert hat, nicht zwingend diejenigen von Helene Fischer – aber es sollte ja um deutschen Schlager gehen, um Illusion, Romantik, und ja, es durfte auch kitschig sein. Der Schlager im Alltag und auf der Bühne, das wollten die beiden Künstler anfangs zeigen, drehten in diesem Frühjahr 60 Stunden Filmmaterial bei Sparfeldt und Teumner zu Hause, in Homanns Tonstudio mit Bleibel.

Von all dem ist im Endprodukt nichts zu sehen. „Das Skulptur-Projekt entstand in einem Prozess, dessen Ende nicht absehbar war“, sagt Sparfeldt. Über manche Entscheidung der Künstler wundert er sich, aber „wir sind stolz, unser Gesangstalent hier zeigen zu können“, sagen die beiden Stars des Films, der im März und April entstand. „Wir waren wochenlang mit den Künstlern zusammen, ich hatte gerade Zeit“, sagt Sparfeldt, der nach der Geburt des Söhnchens Elternzeit nahm.

Live-Konzert in der "Elephant Lounge"

Das Singen ist für ihn und Stefani Teumner weiter ein Hobby – aber es nimmt zunehmend Raum ein. Am Ende der Skulptur-Projekte wollen die beiden in der „Elephant Lounge“ ein Live-Konzert geben. Ihr Repertoire bei Live-Auftritten umfasst mehr als Helene Fischer und Udo Jürgens, sagt Sparfeldt.

Apropos Udo Jürgens: Er führte das Paar zusammen. Teumner war in ihrer Heimat Sachsen-Anhalt aktiv in einem Udo-Jürgens-Cover-Ensemble, und „wir brauchten einen neuen Udo Jürgens“, erinnert sie sich. Auf der Suche nach Ersatz stieß sie im Internet auf die Youtube-Videos von Markus Sparfeldt. In dem Ensemble machte Sparfeldt zwar nicht mit, aber er verliebte sich in Stefani Teumner. Und die sagt: „Ich kenne keinen besseren Udo Jürgens als ihn.“

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