„Denkmalschutz in Gefahr“
Streit um geplanten Neubau neben historischem Torhaus

Münster -

Um ein Neubauprojekt neben dem denkmalgeschützten Torhaus am Neutor ist ein Streit entbrannt. Die geplante Bebauung beeinträchtigt das historische Gemäuer, kritisieren Nachbarn.

Dienstag, 29.08.2017, 06:54 Uhr aktualisiert: 29.08.2017, 07:00 Uhr
Noch ist das Grundstück neben dem denkmalgeschützten Torhaus am Neutor leer. Ein auswärtiger Investor will hier zwei Wohn- und Geschäftshäuser errichten – sehr zum Ärger der Nachbarn.
Noch ist das Grundstück neben dem denkmalgeschützten Torhaus am Neutor leer. Ein auswärtiger Investor will hier zwei Wohn- und Geschäftshäuser errichten – sehr zum Ärger der Nachbarn. Foto: Oliver Werner

Um den Bau von zwei Wohn- und Geschäftshäusern am Neutor ist ein Streit entbrannt. Das benachbarte Torhaus sei bedroht, der Denkmalschutz werde „mit Füßen getreten“, schlagen die Inhaber des 1778 errichteten Gebäudes Alarm. Nach Einschätzung der Verwaltung wird die denkmalgeschützte Immobilie jedoch „nicht beeinträchtigt“. Nun beschäftigt die Angelegenheit das Verwaltungsgericht.

Torhaus wäre durch Neubau schwieriger zu sehen

Nina Hohenstein und ihr Mann Oliver Hild-Hohenstein hatten das Torhaus erworben und danach saniert, die Investitionen lagen nach ihren Angaben im sechsstelligen Euro-Bereich. Dass direkt nebenan ein auswärtiger Investor zwei Gebäude errichten will, haben die beiden „mit Entsetzen“ aufgenommen. So falle das direkt an der Straße gelegene Gebäude doppelt so hoch wie das Torhaus aus, zudem werde es aufgrund seiner Lage die Sicht auf das Torhaus wesentlich erschweren.

Damit nicht genug: Aufgrund seiner modernen Gestaltung sei der Neubau nicht mit dem frühklassizistischen Stil des Torhauses vereinbar. Zudem drohe durch das Bauvorhaben ein „Verkehrschaos“, denn zwischen Torhaus und Neubau solle eine Tiefgaragenzufahrt gebaut werden, die über die Steinfurter Straße erschlossen wird. Das Fazit des Eigentümer-Ehepaares: „Die geplante Baugenehmigung ist ein städtebaulicher Irrsinn.“

Verwaltungsgericht muss entscheiden

Die Stadt bestätigt auf Nachfrage unserer Zeitung, dass ein Bauantrag für die beiden Wohn- und Geschäftshäuser bereits vorliegt, er werde zurzeit geprüft. Ein von der Stadt positiv beschiedener Bauvorbescheid sei jedoch inzwischen Gegenstand eines verwaltungsgerichtlichen Verfahrens, die Stadt will sich daher nicht weiter äußern.

Den Denkmalschutz des Torhauses sieht die Verwaltung jedenfalls nicht gefährdet. Zudem würden die er forderlichen Abstandsflächen zum Torhaus eingehalten. Die Auswirkungen des Vorhabens auf den Verkehr würden im Rahmen des laufenden Bauantragsverfahrens geprüft, so die Stadt.

Richter haben das letzte Wort

Auf dem Grundstück, auf dem die neuen Gebäude ­entstehen sollen, hatte sich jahrzehntelang eine barackenähnliche Ladenzeile befunden, sie war 2016 abgerissen worden. Der Entwurf für die Neubebauung war anschließend im Rahmen eines von der Stadt ausgerichteten Wettbewerbs ermittelt worden.

Nun sieht es danach aus, dass die Richter das letzte Wort haben werden, ob er wie geplant realisiert werden kann.

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