Bundestagswahl 2017
Der digitale Wahlkampf - Kandidaten setzen auf Twitter und Facebook

MünsteR -

Nicht nur auf den Marktplätzen, auch im Internet ist der Bundestagswahlkampf mittlerweile in vollem Gange. Auf Facebook und Twitter mag keiner der münsterischen Kandidaten verzichten. Die Grüne Maria Klein-Schmeink hat bei Twitter die meisten Follower.

Donnerstag, 31.08.2017, 12:00 Uhr
Die meisten Twitter-Follower unter den Kandidaten der nach Umfragen aussichtsreichsten Parteien bei der Bundestagswahl hat Maria Klein-Schmeink. Die wenigsten User verfolgen bislang die Twitter-Botschaften (Tweets) von Sybille Benning (Stand: 30. August, 17 Uhr).
Die meisten Twitter-Follower unter den Kandidaten der nach Umfragen aussichtsreichsten Parteien bei der Bundestagswahl hat Maria Klein-Schmeink. Die wenigsten User verfolgen bislang die Twitter-Botschaften (Tweets) von Sybille Benning (Stand: 30. August, 17 Uhr). Foto: Lisa Stetzkamp

Am Mittwochnachmittag um 16.13 Uhr öffnet Maria Klein-Schmeink auf ihrem Smartphone die Twitter-App. Die Wartezeiten auf einen Facharzttermin werden immer länger, kritisiert die Grünen-Bundestagsabgeordnete in einem Tweet, den sie kurz darauf abschickt. Ihre Meinung zu dem Thema kann nun die ganze Welt lesen – ganz gezielt erreicht sie 2340 andere Twitter-Nutzer, die Klein-Schmeinks Kurznachrichten abonniert haben.

Die Politikerin, die am 24. September erneut in den Bundestag einziehen will, hat damit so viele „Follower“ wie kein anderer Kandidat der sechs aussichtsreichsten Parteien für die Bundestagswahl. 876 User folgen Jörg Berens (FDP), 569 Martin Schiller (AfD), 465 Robert von Olberg (SPD), 280 Hubertus Zdebel (Linke) und 65 Sybille Benning (CDU, Stand: Mittwoch, 17 Uhr).

Wahlkampf auch bei Facebook

Neben dem Kurznachrichtendienst Twitter ist auch Facebook nicht mehr aus Wahlkämpfen wegzudenken. Bis auf Schiller haben alle Bundestagskandidaten spezielle Politiker-Profile. Wer ein solches Profil abonniert, dem werden in seinem eigenen Profil sofort die neuesten Postings des Politikers angezeigt. Die meisten Facebook-Abonnenten hat Hubertus Zdebel (3982), gefolgt von Robert von Olberg (1508), Sybille Benning (1257), Maria Klein-Schmeink (1110) und Jörg Berens (1073, Stand: Mittwoch, 17 Uhr).

Ein Wahlkampf ohne Twitter und Facebook – das ist mittlerweile undenkbar. Er sei „ständig online“, sagt Berens – „so bin ich in der Lage, kurzfristig zu reagieren“. Von Olberg schätzt, dass er im Tagesverlauf ein bis zwei Stunden bei Facebook und Twitter ist – nicht am Stück, „aber immer wieder zwischendurch“.

Die Vorteile der sozialen Medien möchten die Kandidaten nicht mehr missen. „Über Facebook und Twitter erreiche ich Menschen, die ich nicht unbedingt an Ständen oder bei Veranstaltungen treffe. So kriegen auch sie mit, welche Inhalte mir wichtig sind und wofür ich stehe“, sagt Olberg. Für Berens sind diese Seiten „tolle Kommunikationswege, um seine Anhänger, aber auch unentschlossene Menschen zu erreichen“. Das Besondere sei, dass man hier auch einen Rückkanal habe: „Dies erhöht auf Seiten der Politik den Erklärungsdruck – das ist gut so. Und es ist ein Beitrag zur Transparenz.“

Gefahr: Fake News und Bots

Nur wenige Follower hat bislang Sybille Benning bei Twitter. „Facebook eignet sich sehr gut dazu, um Bürger über meine Arbeit und Erfolge zu informieren – und zwar ohne auf eine Begrenzung der Textlänge, wie sie es bei Twitter gibt, achten zu müssen“, betont die CDU-Politikerin.

Twitter und Facebook

Der Bundestagswahl 2017 ist der erste echte digitale Wahlkampf. Facebook und Twitter haben inzwischen auch in Deutschland so große Bedeutung erlangt, dass kein Politiker mehr an diesen Netzwerken vorbeikommt. In den USA ist es inzwischen unvorstellbar, dass Präsident Donald Trump ohne Twitter weiterregiert. In Deutschland hat Twitter rund zwölf Millionen User. Die Nachrichten, die sie verschicken, dürfen nicht länger als 140 Zeichen sein. Die User verschicken selbst Botschaften – oder teilen Nachrichten („Tweets“) anderer User. Sogar 30 Millionen Deutsche nutzen das soziale Netzwerk Facebook. Die User können Fotos, Filme, Statements posten. Facebook gilt als „Hauptwaffe“ im digitalen Wahlkampf. Wer hier postet, erreicht die breite Masse – vor allem auf dem Smartphone und damit überall.

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Auch wenn alle Kandidaten die digitalen Medien nutzen – auf den guten, alten Straßenwahlkampf wollen sie nicht verzichten. „Social Media ist sicher ein wichtiger Kommunikationsweg, aber sicher nicht der wichtigste“, meint Berens. Für Klein-Schmeink sind Twitter und Co. „einfach andere, ergänzende Kommunikationswege“: „Nach wie vor ist auch das direkte Gespräch wichtig“, betont die Grünen-Abgeordnete. Und ja, „manchmal gibt es sogar auch noch echte Briefe“, betont Robert von Olberg.

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Gleichzeitig sehen die Kandidaten die Gefahren, die durch Twitter und Co. drohen – von Fake News bis Bots, Computerprogrammen, die so tun, als wären sie echte Menschen. „Diese Phänomene stören und verzerren die politische Diskussion und schaden unserer demokratischen Kultur“, befürchtet Sybille Benning.

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