Streit um Neutor-Projekt
Denkmalschützer haben „keine Bedenken“

Münster -

Der Streit um die geplante Bebauung am Neutor geht weiter. Dennoch setzt der Investor darauf, schon bald die Baugenehmigung zu erhalten.

Donnerstag, 31.08.2017, 13:00 Uhr
An dieser Straßenecke ist ein Streit entbrannt: Der Neubau (Mitte) beeinträchtige das denkmalgeschützte Torhaus (links), kritisieren die Nachbarn.
An dieser Straßenecke ist ein Streit entbrannt: Der Neubau (Mitte) beeinträchtige das denkmalgeschützte Torhaus (links), kritisieren die Nachbarn. Foto: hehn pohl Architekten / Evers

Im Streit um die am Neutor geplante Bebauung haben die Anwälte des Ehepaares, dem das benachbarte Torhaus gehört, am Mittwoch nachgelegt. Das neue Gebäude an der Wilhelmstraße sei nicht nur lediglich halb so weit vom Torhaus entfernt wie vom Gesetz vorgeschrieben. Die Visualisierungen des Vorhabens seien zudem manipuliert und sollten die Öffentlichkeit irreführen, heißt es in einem Schreiben der Anwälte. So sei der Abstand zwischen Torhaus und Neubau viel größer dargestellt, als er tatsächlich sein werde.

Der Investor hat diese Vorwürfe am Mittwoch umgehend zurückgewiesen. Ein öffentlich bestellter Vermesser habe erst kürzlich festgestellt, dass mit den Gebäudeabständen alles seine Richtigkeit habe, betont der Geschäftsführer der Neutor Immobilien GmbH, der namentlich ungenannt bleiben möchte. Er geht davon aus, dass die Stadt dem Vorhaben „in Kürze“ die Baugenehmigung erteilen wird – „und dann fangen wir an“.

Unterdessen hat der Landschaftsverband den Anfang der Woche von den Inhabern des benachbarten Torhauses geäußerten Vorwurf, dass der Neubau das denkmalgeschützte Gebäude beeinträchtigt, entkräftet. „Das Neubauprojekt sorgt nicht für eine erhebliche Beeinträchtigung des Baudenkmals“, so ein Sprecher des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL).

Neuer Eigentümer am Neutor

Die untere Denkmalbehörde der Stadt Münster habe daher in Abstimmung mit der oberen Denkmalbehörde (LWL) dem Vorhaben die denkmalrechtliche Erlaubnis erteilt.

Derweil erhebt ein früherer Verfahrensbeteiligter schwere Vorwürfe gegen die Eigentümer des Torhauses. Diese hätten nur deshalb rechtliche Schritte gegen den geplanten Neubau eingeleitet, um daraus einen finanziellen Vorteil zu erlangen. Unserer Zeitung liegt ein Schreiben der Anwälte, die die Torhaus-Eigentümer vertreten, an die Anwälte der Gegenseite vor.

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Darin schlagen sie einen Vergleich vor: Der damalige Investor solle den Torhaus-Eigentümern einen kostenlosen Tiefgaragenstellplatz im Neubauprojekt zur Verfügung stellen. Zudem solle der Investor an die Torhaus-Eigentümer eine „hohe fünfstellige Abstandszahlung“ leisten, um den vermeintlichen Abstandsflächenverstoß aus der Welt zu schaffen. Der Brief stammt aus dem Jahr 2016. Zu einem Vergleich kam es damals nicht.

Inzwischen hat das Neubau-Grundstück am Neutor den Eigentümer gewechselt. Der neue Investor betonte am Mittwoch gegenüber unserer Zeitung, dass er sich gegenüber den Nachbarn nicht in der Pflicht sehe, da mit den Abständen ja alles seine Richtigkeit habe.

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