Saisonbeginn im Theater Münster
„Ein bisschen wagemutiger“

Münster -

Die Marke von 200 000 Besuchern hat das Theater Münster zuletzt zweimal überschritten. So soll es auch in der neuen Spielzeit weitergehen. Vieles ist neu am Theater, das jetzt 40 neue Mitarbeiter begrüßte. Unter ihnen der neue Generalmusikdirektor Golo Berg.

Donnerstag, 31.08.2017, 16:48 Uhr aktualisiert: 31.08.2017, 19:34 Uhr
Dr. Ulrich Peters, der gestern seine Mitarbeiter im Kleinen Haus begrüßte, freut sich auf die Spielzeit und über seine größte Besucherzahl in der vergangenen Saison.
Dr. Ulrich Peters, der gestern seine Mitarbeiter im Kleinen Haus begrüßte, freut sich auf die Spielzeit und über seine größte Besucherzahl in der vergangenen Saison. Foto: Gerharz/Berg

Ulrich Peters strahlt vor Freude, als er wenige Tage nach seiner Rückkehr aus dem Urlaub zum Marktplatz geradelt kommt. Freude über die technisch modernisierte Beleuchtung im Theater, über die neue Probebühne im Jovel, nicht zuletzt über seine erfolgreichste Spielzeit mit 205 000 Besuchern. Und eine große Portion Vorfreude kommt dazu: „Nach fünf Jahren starte ich jetzt in meine zweite Amtszeit.“

Auch das Leitungsteam um den Intendanten – also Schauspieldirektor Frank Behnke und Tanztheaterchef Hans Henning Paar – geht in die Vertragsverlängerung. Nur einen gewichtigen Wechsel gibt es: Auf Fabrizio Ventura folgt Golo Berg als Generalmusikdirektor. „Ventura war der GMD, mit dem ich mich am besten verstanden habe“, erzählt Peters über seine verschiedenen Stationen als Intendant. „Es tut mir so leid für ihn, dass Giorgio Battistellis Oper ,Orchesterprobe‘, die er sich zum Abschied wünschte, so schlecht besucht war.“ Womöglich hatte das Stück am Ende der Spielzeit einfach zu starke Konkurrenz durch einen Hit wie den „Freischütz“, vielleicht hatte auch der Stoff nach einem unbekannten Fellini-Film nicht so eine Zugkraft für Münsters Publikum wie beispielsweise „Joseph Süß“ von Detlev Glanert. Offenbar setzen sich in Münster auch unbekannte Stücke mit historischem Hintergrund durch starke Mund-Propaganda durch. „Im Schauspiel war ,Revolution‘ ein solcher Erfolg: toller Stoff, tolle Geschichte!“ Dazu passt, dass die Vortragsreihen im Theater immer gut besucht sind. Peters schätzt das Publikum als „bildungsbeflissen“.

Da er trotz des „Flops“ eine so gute Bilanz vorweisen kann, will der Intendant im Musiktheater künftig „etwas wagemutiger“ sein – die Moderne werde ohnehin immer einen Platz haben. „Every­man“ mit Metal-Band und „Angels in America“ von Peter Eötvös“ dürften die nächsten Herausforderungen sein. Für das Beethoven-Jahr 2020 denkt Peters über eine mögliche Uraufführung nach. Andererseits will er mit Golo Berg natürlich auch das große Opernrepertoire pflegen. Bei Puccini und Strauss gibt es bloß ein kleines Problem: „Ich selbst bin kein so großer Fan von Puccini – und Golo Berg mag Wagner viel lieber als Strauss.“ Was aber nicht bedeutet, dass ein „Rosenkavalier“ oder eine „Ariadne“ ausgeschlossen sind. Und da die jetzt beginnende Saison mit einem großen Schauspiel-Aufschlag rund um die „Katze auf dem heißen Blechdach“ eröffnet wird, könnte im Jahr darauf womöglich eine „Butterfly“ den Beginn der neuen Spielzeit einläuten.

Gegen Wagner, speziell gegen einen „Ring“, sprechen natürlich auch die finanziellen Möglichkeiten. „Mit einer Million Euro mehr – die es zu Beginn meiner Intendanz noch gab – könnte man natürlich mehr machen“, betont Peters. Zwar ist er sehr froh über den Managementkontrakt, durch den alle Tariferhöhungen bis zum Ende seiner Amtszeit durch die Stadt abgesichert sind. „Aber wie in der Vergangenheit sind wir von möglichen Konsolidierungsbeschlüssen natürlich nicht ausgenommen.“

Um Geld geht es natürlich auch, wenn Peters von seinem Misserfolg spricht: „Ich wollte ein schönes Foyer fürs Kleine Haus, es gab ja schon tolle Pläne im Zusammenhang mit dem Theatertreff. Wenn es dort einen Ganztagesbetrieb gäbe, der die Theaterkantine einschließt, säßen Künstler und Publikum zusammen: Das würde eine noch engere Verbindung schaffen. Für Gast-Künstler ist die Situation besonders schwierig, denn da sie niemanden hier kennen wissen sie auch nicht, wo sie nach den Vorstellungen noch hingehen können.“

Jetzt aber ist Ulrich Peters erst einmal gespannt, wie sich der umgebaute Eingangs- und Kassenbereich darstellen wird. Und nutzt die Tage vor Theaterfest und Saisoneröffnung, um noch private Besucher zu den Skulptur-Projekten zu führen. Dass seine erste eigene Inszenierung der kommenden Spielzeit, Verdis „Don Carlo“, eine womöglich wagemutige Ergänzung haben soll – darüber will Peters dann Anfang Oktober sprechen.

 

Renovierung und Theaterfest

Stillstand ist Rückgang, und so wurde auch die diesjährige Sommerpause am Theater Münster genutzt, für rund 700 000 Euro zu renovieren. Auffälligste Investition ist die neue Theaterkasse. Zwei Schalter bilden künftig die Abendkasse im unteren Foyer, im bekannten Kassenraum wurden getrennte Schalter eingerichtet. Der Lampenhimmel bekam LED-Lichter, die Tonanlage im Foyer wurde verbessert, im Kleinen Haus war noch ein Teil der Vertäfelung zu erneuern. Nur die Mitarbeiterkantine im vierten Stock ist noch nicht fertig.

Bis zum Theaterfest, das am 9. September (Samstag) um 11 Uhr beginnt, wird die neue Theaterkasse fertig sein. loy

...
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5116472?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686135%2F2686808%2F2686822%2F
Nachrichten-Ticker