Landgericht
Prozess gegen mutmaßlichen Serieneinbrecher: Opfer verfolgt Dieb auf einem Roller

Münster -

Vor dem Landgericht ist am Freitag der Prozess gegen einen mutmaßlichen Serieneinbrecher fortgesetzt worden. Etwa 15 solcher Delikte werden dem 50-jährigen Angeklagten zur Last gelegt.

Freitag, 01.09.2017, 20:00 Uhr
 
  Foto: dpa

Auf einem Motorroller ist ein 30-Jähriger in Gremmendorf einem Dieb hinterhergefahren, der das Haus seiner Eltern ausräumen wollte – zumindest, was wertvolle Gegenstände betraf. „Er hatte Vorsprung und hat sich irgendwo in den Büschen verkrochen“, sagte der Münsteraner am Freitag am Landgericht.

Er und seine Eltern wurden im Mai 2016 Opfer eines Einbruchs. Wegen dieser Tat und 14 weiterer Brüche beziehungsweise Versuchen ist ein 50 Jahre alter Serbe angeklagt (wie berichtet). Rund die Hälfte der Fälle ereignete sich in Münster.

Platinringe, eine Krügerrand-Goldmünze, ein goldenes Armband sowie Bargeld als „Notgroschen“ seien weggekommen, schilderte der 30-Jährige. Als er nach Hause gekommen sei, habe er dem Täter gegenübergestanden. „Es war wohl ein zweiter Fluchtweg vorbereitet“, erinnerte sich der Gremmendorfer. Der Dieb sei quer durchs Wohnzimmer gelaufen und aus einem offenen Fenster gesprungen. Die Verfolgung war vergebens.

"Lebensqualität gestohlen"

Sein Vater und er hätten „die Sache“ relativ gut weggesteckt. Seine Mutter hingegen habe „heute noch richtig dran zu knacken“. Der Münsteraner will den Angeklagten auf einem Foto im Polizeiarchiv wiedererkannt haben und bestätigte diesen Eindruck, als er ihn am Freitag im Gerichtssaal sah.

Wie in vielen der Fälle war dort die Terrassentür beim Einbruch beschädigt worden. In Albachten an der Doppelhaushälfte eines Paares wählten der oder die Täter ebenfalls die Terrassentür als Einstieg. Ein Loch, groß wie eine Zwei-Euro-Münze, habe sich darin befunden, erklärte der 47-jährige Bewohner. Dann sei der Türknauf umgelegt worden.

Unter den gestohlenen Sachen habe sich ein Rucksack für Sitzschalen-Kissen mit BVB-Emblem befunden, mit dem das Paar „zehn Jahre quer durch Europa“ zu Stadien gefahren sei. Schlimmer als dieser Verlust sei, dass er und seine Frau sich zu Hause nicht mehr sicher fühlten. „Wer bei uns eingebrochen ist, hat uns ein bisschen Schmuck und sehr viel Lebensqualität gestohlen.“

Der Angeklagte kündigte an auszusagen, welche der ihm vorgeworfenen Einbrüche er begangen habe. Der Prozess wird fortgesetzt.

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